Kirche „Ostern ist nicht abgesagt!“

Pastorin Magdalene Franz-Fastner begrüßt in Ilmenau zum Online-Gottesdiesnt. Foto: Andreas Heckel

Das höchste Fest der Christenheit steht erneut im Zeichen von Corona. In den Kirchgemeinden im Ilm-Kreis wird Ostern auf unterschiedliche Weise gefeiert: Mit Präsenz- und Videogottesdiensten, aber auch mit still geöffneten Kirchen.

Ilm-Kreis - Vor einem Jahr mussten coronabedingt zu Ostern die Kirchen geschlossen bleiben. Auch diesmal steht das höchste Fest der Christen ganz im Zeichen der Pandemie. Als die Bundesregierung vor einer Woche verkündete, die Kirchen zu bitten, auf Präsenzgottesdienste zu verzichten, sorgte dies in den Kirchgemeinden für große Verunsicherung und die Frage, was würde dieses Jahr möglich sein. Entschieden hat man sich im Ilm-Kreis für ganz unterschiedliche Wege. Es gibt kleine Präsenzveranstaltungen, aber auch Video-Gottesdienste und wo dies nicht möglich offene Kirchen für eine stille Einkehr.

„Wir haben uns im Kirchenkreis abgesprochen, dass die Entscheidung bei den Gemeinden liegt“, sagt Superintendentin Elke Rosenthal. „Wir raten aber dazu, dass man dort, wo man nicht sicher sein kann, ob mehr als die erlaubte Zahl an Gottesdienstbesuchern kommen würde, auf Präsenzveranstaltungen verzichtet.“ Damit ist man im Einklang mit der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands. Deren Krisenstab hatte empfohlen, dass „die Gemeindekirchenräte die Entscheidung unter Beachtung der aktuellen Infektionslage in den jeweiligen Kommunen und Landkreisen“ fällen. Dabei sollten auch „die jeweiligen Möglichkeiten digitaler und anderer Gottesdienst- und Andachtsformen sowie die Angebote in Funk und Fernsehen“ mit berücksichtigt werden.

Bei der aktuellen Inzidenz von über 200 im Ilm-Kreis wären 25 Besucher pro Gottesdienst erlaubt, sollte sie bis Ostern auf über 300 steigen, dann nur noch zehn, was die Planung zusätzlich erschwert.

Ilmenau sendet live

„Zum Glück hatten wir von vornherein einen Plan B“, sagt Pastorin Magdalene Franz-Fastner von der Ilmenauer St. Jakobus-Gemeinde. „Wir wollten unsere Gottesdienste am Karfreitag und Ostersonntag sowieso live streamen und hatten auch schon vorher unser Osterprogramm reduziert.“ Schon vor einem Jahr hatte man in Ilmenau kurzfristig digitale Angebote zu Ostern realisiert. Mittlerweile gehören sie zum festen Angebot der Kirchgemeinde und kommen gut an. „Unsere erste Passionsandacht hatte 700 Aufrufe, die weiteren zwischen 300 und 400“, erzählt Franz-Fastner. Weshalb es auch künftig digitale Angebot geben soll. Ersetzen könne dies die reale Gemeindearbeit aber nicht, betont die Pastorin. Gerade die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien habe im letzten Jahr unter den fehlenden Möglichkeiten für Präsenzveranstaltungen gelitten. „Wir überlegen deshalb jetzt Formate, die wir im Freien umsetzen können, sobald das Wetter besser wird“, berichtet Magdalene Franz-Fastner.

Ob zu Ostern eine begrenzte Anzahl an Besuchern die zwei Gottesdienste in der St. Jakobuskirche verfolgen können, steht noch nicht fest. Da Voranmeldungen nötig sind, könnte die Besucherzahl von vornherein begrenzt werden. „Dass wir live streamen, ist noch mal eine neue Herausforderung für uns“, erklärt Franz-Fastner. Bisher waren die Gottesdienste immer aufgezeichnet und erst im Nachgang online gestellt worden. Mittlerweile hat die Kirchgemeinde technisch weiter aufgerüstet. Anders als vor einem Jahr sind diesmal keine Studierenden der Technischen Universität mit eingebunden. „Wir können uns aber jederzeit Hilfe holen, wenn wir welche brauchen“, sagt Magdalene Franz-Fastner.

Stattfinden werden die Gottesdienste am Karfreitag um 15 Uhr und am Ostersonntag um 10 Uhr ( www.jakobuskirche-ilmenau.de).

Stille Einkehr

In Arnstadt wird es hingegen keine Gottesdienste geben, weder digital noch in Präsenz. „Die Ilmenauer sind technisch besser aufgestellt als wir“, sagt Pfarrer Thomas Kratzer. „Und da bei uns garantiert mehr als 25 Leute kommen würden, haben wir uns entschieden, unsere ganzen Oster-Gottesdienste abzusagen.“

Stattdessen werde die Bachkirche täglich von 10 bis 16 Uhr für die stille Einkehr geöffnet sein. „Es werden immer Mitarbeiter der Kirchgemeinde anwesend sein. Man kann kleine Rituale pflegen, wie eine Kerze anzünden und wenn der Kantor anwesend ist, spielt er auf der Orgel“, kündigt Kratzer an und betont: „Ostern ist nicht abgesagt! Das könnten wir gar nicht. Das könnte nur der Herr.“ Dass die Kirche dank der verfassungsmäßig garantierten Religionsfreiheit weiter geöffnet haben könne, wo sie vieles andere schließen musste, sei wichtig und richtig, betont Thomas Kratzer. Er merke bei den Andachten, welche sonst an den Sonntagen stattfinden, welche Bedeutung dies für die Menschen habe.

Präsenz, wenn möglich

„Wir haben große Kirchen, bei uns sollten Präsenzgottesdienste möglich sein“, sagt hingegen Pfarrer Fred Klemm aus Großbreitenbach. Auch Kersten Spantig aus dem Geratal hält aktuell an den geplanten Gottesdiensten zu Ostern fest. Und Ulrike Becker aus Gehren meint: „Geplant ist es. Sollte kein Gottesdienst möglich sein, dann werden wir wenigstens die Kirche öffnen.“ „Wenn möglich, wird es in Unterpörlitz einen Präsenzgottesdienst geben“, ergänzt Christine Behrend, die dortige Pastorin. Zudem sei auch in Heyda jetzt die Kirche wieder geöffnet.

Auch in den nicht zum hiesigen Kirchenkreis gehörenden Pfarrgemeinden hat man sich für Präsenzveranstaltungen ausgesprochen. „Wir haben uns im Gemeindekirchenrat dafür entschieden, die Gottesdienste durchzuführen“, sagt Pfarrer Sebastian Pötzschke vom Pfarramt Gräfenroda-Geschwenda. Man habe die Entscheidung dabei durchaus kontrovers diskutiert. Natürlich sei die Lage alles andere als einfach, aber man habe bewährte Hygienekonzepte und die Gläubigen sehnten sich nach Präsenzveranstaltungen. Gerade den Senioren fehle die Möglichkeit zum Treffen und miteinander Reden sehr. „Ab und zu mal ein Zettel mit ein paar netten Worten im Briefkasten reicht nicht“, so Pötzschke.

Ausfallen muss nur das österliche Abendmahl. „Geplant hatten wir das als Tisch-Abendmahl, aber das können wir in der Form nicht durchführen“, erklärt Pötzschke. Neben den Gottesdiensten an Karfreitag und Ostersonntag wird es nun als neues Angebot am Samstag eine ökumenische Osternacht in Gräfenroda geben. „Alles in den Kirchen, Freiluftveranstaltungen sind aktuell nicht geplant“, so Sebastian Pötzschke.

In den Rennsteiggemeinden hat man sich ebenfalls dafür entschieden, Präsenzgottesdienste durchzuführen. So gibt es zum Beispiel am Gründonnerstag um 19 Uhr in Schmiedefeld eine Andacht zum Sedermahl. „Das Sedermahl erinnert an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Jesus, der ja Jude war, feierte das Sedermahl mit seinen Jüngern. Zu dieser Andacht werden verschiedene Speisen gezeigt, die daran erinnern“, erklärt Elke Kahl vom Pfarramt. Gottesdienste sind für Karfreitag und Ostersonntag in Schmiedefeld, Frauenwald und Stützerbach geplant. In Frauenwald gibt es am Samstag zudem um 18 Uhr Orgelmusik bei Kerzenlicht. In Stützerbach hält man an diesem Tag ab 21 Uhr die Kirche für stille Einkehr offen.

Ostern am Wegesrand

Auch das Bistum Erfurt der katholischen Kirche hatte zu „Gottesdiensten mit begrenzten Teilnehmerzahlen – je nach den Inzidenzzahlen in den Landkreisen und kreisfreien Städten“ aufgerufen, zugleich aber empfohlen, „ Möglichkeiten zu prüfen, die Kar- und Ostertage auf andere Weise geistlich zu begehen“.

Das tut man im Ilm-Kreis mit „Ostern am Wegesrand“. „Viele Einschränkungen, auch die Anzahl der Gottesdienstbesucher, lässt uns als Kirche nach neuen Wegen suchen unseren Glauben zu feiern“, sagt Gemeindereferentin Claudia Wanierke von der St. Elisabeth-Gemeinde. „So laden wir zu einen Weg durch Arnstadt und Ilmenau ein, um an verschiedenen Stationen etwas von der Osterbotschaft zu entdecken. Hier sollen s Familien oder Einzelperson kurz Rast machen und zum Gebet verweilen. Eine Aktion lädt ein, tiefer in das Geheimnis einzutauchen.“

Da das Ostergeheimnis untrennbar mit der Karwoche verbunden sei, begann der Osterweg am Wochenende. Die Stationen für Gründonnerstag (31. März/1. April) und für Karfreitag (2./3. April) sind in Arnstadt in der Krappgartenstraße 2a und in Ilmenau in der Unterpörlitzer Straße 15 zu finden. Am Ostersonntag und Ostermontag gibt es dann fünf Stationen in Arnstadt – beim katholischen Gemeindehaus, in der Himmelfahrtskirche, am Markt 10, am Pfarrhof 2 und am Berggartenweg 14 – und drei in Ilmenau – auf dem Gelände der katholischen Gemeinde, am Kindergarten „St. Martin“ in der Naumannstraße und bei der Freikirchlichen Gemeinde in der Karl-Zink-Straße (Baptisten). Die Stationen können immer in der Zeit von 10 bis 18 Uhr besucht werden.

Bewährtes Hygienekonzept

„Bitte halten Sie sich an die geltenden Hygienemaßnahmen“, bittet Claudia Wanierke. „ Sie brauchen an den Stationen Händedesinfektionsmittel und ein Smartphone mit etwas Datenvolumen. Ein QR-Code sollte abrufbar sein.“ Einen Entdeckerplan mit weiteren Informationen gibt es auf der Homepage der Kirchgemeinde (www.st.elisabeth.arnstadt.de) und an den Stationen. An jeder Station kann man einen Buchstaben sammeln und ein Lösungswort herausfinden. „Damit können Sie eine Osterüberraschung am Ostersonntag und Ostermontag von 16.30 bis 17.30 bei mir im katholischen Gemeindehaus in Ilmenau abholen“, verspricht Claudia Wanierke. In Arnstadt gibt es die Überraschung am Mittwoch und Donnerstag im Pfarrbüro.

Darüber hinaus lädt die katholische Kirche zu einer Reihe von Gottesdiensten in Ilmenau, Arnstadt, Ichtershausen und Stadtilm, die teilweise auch über Zoom live übertragen werden. „Unser Hygienekonzept hat sich bewährt“, erklärt Pfarrer Herbert Meyer. Absagen musste man das geplante Picknick im Freien. Dies hätte andere Auflagen erfordert.

 

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