"Das ist für die katholische Kirche nichts weniger als ein Sprung über den eigenen Schatten und ein wenn auch kleiner, so doch epochaler Fortschritt", sagt Rothe der Deutschen Presse-Agentur über Marx' Schritt. Gleichgeschlechtliche Paare, die ihre Liebe segnen lassen wollen, seien jetzt keine Bittsteller mehr, Priester, die der Bitte nachkommen, müssten keine negativen Konsequenzen mehr fürchten.
Es könne aber nur der Anfang sein, betont Rothe: "Die Diskriminierung all dieser Menschen innerhalb der katholischen Kirche ist damit zwar noch längst nicht beseitigt, aber sie ist geringer geworden."
Warum zögern so viele Bischöfe noch?
Was aber ist der Grund dafür, dass viele Bischöfe die Handreichung ihrer eigenen Konferenz in ihrem jeweiligen Bistum bisher noch nicht umgesetzt haben? Warum das Zögern? Offiziell gibt es darauf keine richtige Antwort, doch dahinter dürfte stehen, dass viele erst noch warten wollen, wie sich Papst Leo XIV. in diesen Fragen positioniert. Leo schießt zwar kräftig gegen Donald Trump und ist deshalb gerade bei progressiv eingestellten Katholiken derzeit sehr beliebt.
Es gibt aber bisher keinen Hinweis darauf, dass er die Lehre der Kirche in Fragen der Sexualmoral anpassen will. Jedes Thema, das mit LGBTQ-Fragen zu tun habe, sei "höchst polarisierend", hatte er in einem Interview nach seiner Wahl gesagt. Und mit dem Papst wollen sich nun mal die wenigsten Bischöfe anlegen.