Kirche des Monats: Klings „Ohne Schnickschnack schön“

Susanne Sobko

Die „Kirche des Monats Januar“ steht in Klings. Menschen im Ort unterstützen deren Sanierung finanziell und handwerklich – das verdient Anerkennung.

Die Kirche in Klings, Ortsteil von Kaltennordheim, ist die „Kirche des Monats“ der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Stiftung KiBa) und wird derzeit auch in der Kirchenzeitung des Sprengels Erfurt und die Stiftung weit über die Rhön hinaus bekannt gemacht. Die Kirche ist fast vollständig saniert, nur das Dach des Kirchturms muss noch instandgesetzt werden.

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Die Arbeiten sind im Frühjahr geplant, die von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gegründete Stiftung fördert das Vorhaben mit 15.000 Euro.

Dach wird im Frühjahr geöffnet

Geplant ist, die Schiefer-Dachdeckung abzutragen und den Dachstuhl zu sichern. Einige der Schadstellen sind schon jetzt zu sehen, doch Annette Günther, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, weiß aus zurückliegenden Baumaßnahmen: „Wenn das Dach im Frühjahr erst einmal offen ist, kommen zweihundertprozentig noch weitere hinzu“. Rund 214.000 Euro sind für die Arbeiten kalkuliert.

Im Jahr 1879 wurden die Klingser Kirche und ihr Westturm im romanischen Stil erbaut; ein dritter Versuch, nachdem die beiden zuvor am Ort befindlichen Gotteshäuser bei großen Bränden zerstört worden waren. großen Bränden zerstört worden waren. Die Außenwände des Kirchenschiffs sind weiß getüncht, der Turm im Westen und der polygonale Chor im Osten sind steinsichtig und bilden so einen passenden Rahmen um das Schiff.

Wo kommen Balleisen, Flacheisen und Hohleisen zum Einsatz? Natürlich in Klings. Der Ort hat eine lange Tradition in der kunstvollen Bearbeitung von Holz; auch heute gibt es dort noch viele Menschen, die das Handwerk der Schnitzerei beherrschen – und sich also auskennen mit den drei genannten Eisen und vielen weiteren Werkzeugen der Zunft. Zeugnisse der bemerkenswerten Holzfertigkeiten in Klings und Umgebung finden sich insbesondere in der Dorfkirche.

Auch das Kreuz ist eine Arbeit aus der Holzbildhauerwerkstatt. Foto: KiBa

Viele Arbeiten älteren wie jüngeren Datums zieren die Wände des schlichten Saalbaus: eine Gedenktafel etwa, in die die Namen der im Zweiten Weltkrieg gefallenen Jungen und Männer des Ortes eingeschnitzt sind; hölzerne Versionen der Apostel Paulus und Petrus; ein von einer zeitgenössischen Holzbildhauermeisterin gestaltetes Kruzifix; geschnitzte Krippenfiguren zur Weihnachtszeit. „Viele dieser Arbeiten waren Geschenke der örtlichen Handwerksbetriebe an die Kirche“, weiß Annette Günther vom Vorstand des Gemeindekirchenrats.

Organisationstalent

Schnitzen kann Annette Günther selbst zwar nicht, aber sie hat ein anderes Talent, das sie der Gemeinde zur Verfügung stellt: Sie weiß, wie Organisation geht. Seit knapp 30 Jahren wirkt sie im Gemeindekirchenrat mit; anfangs habe sie „gar nicht gewusst, was das Gremium „so alles macht“, doch dann sei sie „mit den Aufgaben gewachsen“.

Und das waren nicht eben wenige: die Sanierung des Chorraum- und des Kirchenschiffdaches zum Beispiel, die Sanierung des Kirchenschiffs innen und außen, die Restaurierung der Fenster, die Instandsetzung des Chorraums und der historischen Orgel von 1878, die Restaurierung der großen Stützmauer sowie der Außentreppe und vieles mehr.

Annette Günther, Kirchenrätin in Klings. Foto: privat

Kein Zweifel: Die Kirchenrätin hat Routine. Jetzt fehlt nur noch eine letzte große Baumaßnahme, damit das Sanierungspuzzle vollendet ist, und die betrifft das Dach des Kirchturms. „Die Abdeckung aus Schiefer muss abgetragen, und der Dachstuhl muss gesichert werden, die Schalung aus Brettern ist zu dünn“. Drei Dinge liebt Annette Günther an „ihrer“ Kirche: Optisch goutiert sie, dass das historische Gebäude außen wie innen hell, freundlich und „ohne Schnickschnack schön“ ist. Ganz praktisch freut sie sich über die soziale Rolle, die das Gotteshaus übernimmt, indem es offen ist für alle Generationen, für Kirchenmitglieder wie auch für Nichtmitglieder.

Ihr dritter Begeisterungsgrund hat nur mittelbar mit dem Bauwerk zu tun (aber eben doch auch): „Das Allerschönste ist für mich, wie sich die Menschen hier seit Jahrzehnten so sehr für die Kirche engagieren.“ Das betreffe die finanzielle Großzügigkeit der Klingser, die immer wieder ansehnlich gespendet hätten, wenn Annette Günther und ihre Mitstreiter mit der Sammelbüchse von Haus zu Haus gezogen sind.

„Das funktioniert besser als ein Überweisungsträger“, weiß die erfahrene Geldsammlerin, „weil man ins Gespräch kommt und erklären kann, wozu die Spende nötig ist.“

„In Klings ist das zum Glück anders“

Darüber hinaus haben sich die Menschen im Ort – ganz der Tradition entsprechend – mit ihrem handwerklichen Geschick eingebracht, wo immer es ging, betont Annette Günther. Auch die Handwerksbetriebe der umliegenden Orte leisteten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag dazu.

Dafür ist sie sehr dankbar. „Sie können im Gemeindekirchenrat viel machen, aber wenn die Menschen nicht mitziehen, wird es nicht tragen. Das ist bei der Kirche in Klings zum Glück ganz anders.“

Die Kirche im Dorf

Kirchgemeinde
 Die evangelisch-lutherische, denkmalgeschützte Kirche Klings steht in der Kirchbergstraße von Klings. Die Kirchengemeinde Klings gehört zur Pfarrei Kaltennordheim im Kirchenkreis Bad Salzungen-Dermbach der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Stein und Putz
  Die heutige Saalkirche ist im Rundbogenstil erbaut. Im Westen dominiert der Kirchturm und im Osten ein eingezogener polygonaler Chor. Bei beiden sieht man das Baumaterial – Stein. Unter einer Putzschicht dagegen liegt das mit einem Satteldach bedeckte Langhaus. Der Turm trägt einen spitzen achtseitigen schiefergedeckten Helm. Das Portal, in einem Portikus, liegt an der nördlichen Längsseite des Kirchenschiffs. Der Chor hat ein Kreuzrippengewölbe, das Kirchenschiff zwischen den Emporen einen offenen Dachstuhl. Die Orgel wurde 1878 als opus 22 von Adam Eifert gebaut.

Stiftung KiBa
  Die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Stiftung KiBa) ist eine Stiftung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der evangelischen Landeskirchen. Seit 1999 hat die Stiftung Zusagen für Sanierungsvorhaben in Höhe von mehr als 42  Millionen Euro geben können. Für dieses Jahr sind bislang Förderzusagen in Höhe von knapp 1,3 Millionen Euro vorgesehen. 3400 Mitglieder engagieren sich bundesweit im „Förderverein der Stiftung KiBa e. V.“  Weitere Informationen gibt es hier:

www.stiftung-kiba.de