Kirche Breitenbach Orgel mit frischem Klang

Staub, Schimmel und der Holzwurm hatten der Orgel im Breitenbacher Kirchraum arg zugesetzt. Die Reparatur dauerte knapp zwei Monate, der Weg dahin war allerdings viel länger.

Schiefe Töne beim Musizieren sind Musikern ein Graus. Noch schlimmer ist, wenn sie richtig spielen, das Stück sich aber trotzdem irgendwie falsch anhört. Weil das Instrument nicht richtig gestimmt – oder weil es kaputt ist. Wie die Orgel im Kirchsaal des Breitenbacher Simultangebäudes. Staub, Schimmel und der Holzwurm hatten dem Instrument arg zugesetzt.

Wenn sich Antje Krannich auf die Orgelbank setzte, die vielen Knöpfe und Tasten vor sich, wusste sie genau, welche Register sie ziehen durfte und welche nicht. Am Ende waren es nur noch drei, die bespielbar waren. Drei von sieben. Die Breitenbacherin, die als 18-Jährige bei Bezirkskantor i. R. Bernd Gannott das Orgelspiel erlernt hat, war die einzige, die die Kniffe beherrschte und der „Königin der Instrumente“ hörbare Töne entlocken konnte. Nicht mal zum Hausgebrauch ließ sich darauf klimpern, wie sich Pfarrer Uwe Hanis von der Kirchenältesten Elli Rossmann einst belehren lassen musste.

Das ist nun, Gott sei Dank, Geschichte. Denn die etwa 150 Jahre alte Orgel konnte in den Sommermonaten endlich repariert werden. Viele Jahre hatten die Breitenbacher darauf warten müssen, geduldig – aber auch hartnäckig. Jetzt kann Antje Krannich wieder aus dem Vollen schöpfen, ohne Angst vor Misstönen. Halleluja, freut sich auch Pfarrer Hanis, der die Einweihung der Orgel jüngst mit einem fröhlichen Gottesdienst im vollbesetzten Kirchsaal feierte.

Michael Stumpf aus Bad Kissingen führte die Reparatur durch. Seit 35 Jahren ist er als Dienstleister im Orgelbau und als Spezialist für Stimmung und Orgelpflege tätig. Auch im Kirchenkreis Schmalkalden. Zum Klingen gebracht hat der Orgelbaumeister unter anderem die Kirchenorgeln in Herges-Hallenberg, in Unterschönau und Springstille. Im nächsten Jahr wird Stumpf die Orgel in der 578 Jahre alten Haindorfer Dorfkirche, die gerade saniert wird, unter seine Fittiche nehmen.

In Breitenbach bestand seine Aufgabe darin, das den Kirchraum prägende Instrument wieder spielfähig zu machen. Für die nächsten zehn bis 20 Jahre. Eine umfassende Sanierung der Orgel ließ der finanzielle Rahmen nicht zu. Umso mehr schätzt der Unterfranke die Entscheidung der Evangelischen Kirchengemeinde Schmalkalden, das Instrument mit seinem individuellen Klangbild zu erhalten und nicht – wie andererorts – nur ein neumodisches Keybord zu ersetzen. Er habe das Beste aus dem Instrument herausgeholt, sagt der Orgelbaumeister. Durch den TÜV würde es zwar nicht kommen, aber von A nach B, zieht Stumpf als Vergleich heran.

Zwischen Juli und August dieses Jahres hatte Michael Stumpf die Orgel vollständig auseinandergebaut, gereinig, wieder zusammengesetzt und neu intoniert. Diese Arbeit erfordert viel Konzentration, Ruhe und ein gutes Ohr. Neben der normalen Verschmutzung war vor allem der Holzwurm ein Problem. Jede Pfeife hatte mit dem Nagekäfer „Bekanntschaft“ gemacht. Gegen den Befall musste etwas unternommen werden, bevor noch mehr kaputt geht. Denn zu viele Wurmlöcher können durch Windverlust das Klangbild verändern. Der Orgelbaumeister spritze in jede der 324 Pfeifen ein Schädlingsbekämpfungsmittel. Neben der Erneuerung des Gebälks erhielt die Orgel ein neues elektrisches Gebläse, das auf dem Dachboden steht. Eine große Hilfe war dem Orgelbaumeister die Breitenbacher Familie Krannich. Antje sowie die Töchter Hanna und Maria haben etliche Stunden im Kirchsaal zugebracht, berichtet Michael Stumpf. Ria Bauroth versorgte das Team. Dafür dankte ihnen Elli Rossmann im Namen die Kirchengemeinde mit einem kleinen Präsent wie auch dem Experten, der dann doch ganz zufrieden nickte, als Antje Krannich Loblieder erklingen ließ, begleitet von ihren Töchtern (mit Blockflöte und Geige) sowie Freundin Ute Ellenberger (Geige). „Unser Breitenbacher Orchester“, freute sich Pfarrer Hanis.

12 000 Euro kostete die Reparatur, mit 5000 Euro unterstützte die Stadt Schmalkalden, aus seinem Fonds steuerte Ortsbürgermeister Bernd Gellert noch einige Banknoten dazu.

Die Breitenbacher Orgel stammt aus der Werkstatt des Orgelbauers Hilpert aus Floh-Seligenthal. Die Bauzeit fällt vermutlich mit der des Simultangebäudes zusammen. Dieses wurde 1864 eingeweiht. Heute leben hier der „Waldkindergarten“ und die Kirchengemeinde unter einem Dach.

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