Ein Vertrauter Edwards erzählte später der BBC zufolge, der Besuch sei weniger als Unterstützung für die Nazis gedacht gewesen als vielmehr dem Wunsch entsprungen, seiner Frau die Erfahrung eines Staatsbesuchs zu ermöglichen. „Sie wurde wie eine royale Prinzessin behandelt, nicht wie eine Aussätzige und eine Außenseiterin, wie es ihr mit der britischen Königsfamilie gegangen war“, sagte Royal-Biograph Andrew Morton der BBC.
Prinzessinnen beim Hitlergruß
Das Thema fand vor einigen Jahren noch einmal den Weg in die Schlagzeilen, als eine Filmaufnahme von 1933 auftauchte, die Edward zusammen mit der siebenjährigen Elizabeth, ihrer Schwester Margaret und Queen Mum, beim Üben des Hitlergrußes zeigte. Die Boulevardzeitung „Sun“ zeigte ein Bild davon auf ihrer Titelseite mit der Zeile „Their Royal Heilnesses“.
Die deutsche Historikerin Karina Urbach spürte in Archiven verschiedener Länder Hinweise auf, die den Verdacht stützen, dass Edward mehr als nur ein Befürworter des „Appeasement“ war, also einer Politik der Zurückhaltung gegenüber Hitler. So soll er einem spanischen Diplomaten gegenüber geäußert haben, er sehe Juden und Kommunisten als Schuldige für den Zweiten Weltkrieg. Urbach und andere fordern seit langem, dass der Palast die königlichen Archive öffnet, um den Briefwechsel zwischen den britischen Royals und ihren Verwandten in Deutschland offenzulegen - doch bislang ohne Erfolg.
König eines Vasallenstaats?
Wie Dokumente der Nazis belegten, gab es in Deutschland Überlegungen, Edward zum König eines britischen Vasallenstaats zu machen. Es ist unklar, wie Edward diesen Avancen gegenüber eingestellt war. Kriegspremier Winston Churchill schickte den Herzog von Windsor jedenfalls - angeblich zu dessen eigener Sicherheit - während des Kriegs als Gouverneur auf die damalige Kolonie Bahamas in die Karibik. Es war seine letzte offizielle Aufgabe.
Ob die Geschichte anders verlaufen wäre ohne Edwards Abdankung, bleibt Spekulation. Er hatte jedenfalls weitreichende Pläne für eine Umgestaltung der Monarchie, wollte mit Zeremoniell und Ritualen brechen. Wäre er kinderlos geblieben, hätte Elizabeth den Thron trotzdem bestiegen, wenn auch zwei Jahrzehnte später. Bereut hat Edward seinen Schritt nach eigenen Angaben nie. Simpson habe ihn „sehr sehr glücklich“ gemacht, resümierte er gegen Ende seines Lebens. Über seine Nichte fand er lobende Worte: „Ich denke, die Monarchie könnte nicht in besseren Händen sein als sie es heute ist.“