Kindergarten-Notbetreuung in Sonneberg „Bei uns stehen die Kinder im Mittelpunkt“

Das ideale Winterwetter nutzen die Mädchen und Jungen aus der „Rasselbande“ im Wolkenrasen für eine Rodelpartie. Foto: /Carl-Heinz Zitzmann

Einmal, bei Bedarf auch zweimal, kommt die sogenannte Trägerrunde der Stadt Sonneberg zusammen. Hier arbeiten die Vertreter der einzelnen Träger der Kindergärten zusammen, um die Notbetreuung für die Mädchen und Jungen abzustimmen. Einrichtungen und Eltern mit den immer wieder neuen Informationen zu versorgen gehört dazu ebenso wie praxisnahe Tipps.

Sonneberg - Mutti und Vatis müssen auch in Pandemie-Zeiten arbeiten. Homeoffice ist nicht möglich. Wohin dann mit den Kleinen, die doch so gerne in den Kindergarten gegangen sind? Zum Glück gibt es dafür die Notbetreuung. Aber wer darf eigentlich kommen?, wie kann man das am besten händeln? – Fragen, vor denen die Leiterinnen nun schon eine ganze Zeit stehen. „Dafür haben wir unsere Trägerrunde“, sind Steffen Hähnlein von der Stadtverwaltung, Bettina Sieber als zuständige Abteilungsleiterin sowie Roland Schliewe Geschäftsführer des Behindertenverbandes Sonneberg, Sandy Heß von der Diakonie und Ilka Schroeder, Geschäftsführerin des ASB, zufrieden. Seit März letzten Jahres treffen sie sich einmal pro Woche, um sich mit den neuesten Entwicklungen in Sachen Corona, die Auswirkungen auf die Arbeit in den Kindertagesstätten hat, zu beschäftigen und weitere Schritte festzulegen. „Wir haben so all unseren Einrichtungen einen Handlungsleitfaden in die Hand gegeben“, fasst Steffen Hähnlein zusammen und freut sich, dass man damit bis jetzt sehr gut gefahren ist.

„Im Vergleich zum Frühjahr waren die Eltern für den neuen Lockdown und die damit verbundene Problematik der Kinderbetreuung relativ gut vorbereitet“, weiß Bettina Sieber. Da man sich im Vorfeld bereits mit den Trägern und Leitungen der Kindergärten abgestimmt hatte, gab es nur wenige Anfragen im Rathaus. „Aktuell sind unsere 15 Kindertagesstätten, in denen wir knapp 1000 Mädchen und Jungen betreuen, mit zirka 30 Prozent ausgelastet, was für eine sehr gute Akzeptanz der Regelungen zur Notbetreuung spricht“, sagt sie. Brennend interessiert die Eltern natürlich die Frage der Erstattung der Elternbeiträge, wenn die Notbetreuung nicht in Anspruch genommen wurde. Doch hier, so Bettina Sieber, gibt es noch keine verbindliche Aussage vom Land, sodass man die Eltern vertrösten müsse.

Genau das ist schon so lange es Corona gibt, das grundsätzliche Problem. „Auf Bundes- oder Landesebene werden Entscheidungen getroffen, meist am Freitagnachmittag und groß in den Medien verkündet. Bis wir aber die Durchführungsbestimmungen haben, dauert es“, beschreibt Steffen Hähnlein das Dilemma. Schon zu Beginn des ersten Lockdowns hat man sich deshalb in Sonneberg entschieden, ein eigenes System zu finden. „Eins, bei dem das Kind im Mittelpunkt steht“, betont Roland Schliewe. Für keinen der Beteiligten war es beispielsweise nachvollziehbar, dass zwar alle möglichen systemrelevanten Berufsgruppen festgelegt wurden, keiner aber nach dem Wohl des Kindes fragte. „Es gibt aber auch Mädchen und Jungen, die auf Grund ihrer Familienverhältnisse betreut werden müssen“, macht er deutlich. Sandy Heß, die auch Fachberaterin für den Landkreis ist, weist hier auf den pädagogischen Teil der Kindergartenarbeit hin, der auch in schweren Zeiten zu beachten ist.

„Nach den Erzieherinnen hat auch keiner gefragt, aber auch sie sind Muttis und gefährdet“, nennt Ilka Schroeder eine weitere Ungereimtheit und verweist auch auf das technische Personal oder den Fahrdienst, die man ebenfalls nicht im Blick hatte. Dankbar ist nicht nur sie, dass sich alle Erzieherinnen eingebracht haben und auch in der schweren Zeit mitgemacht haben. „Wir haben schließlich auch einen Bildungsauftrag“, ist sie sich mit den anderen in der Runde einig. Den Kindern fehle nicht nur der soziale Kontakt zu Gleichaltrigen, sondern auch das Erlernen der vielen, kleinen Schritte, die sie für ihr Leben brauchen. Den Toilettengang oder das An- und Ausziehen beispielsweise. Nicht bei allen Eltern kam in diesem Zusammenhang die Anweisung gut an, dass sie ihre Kinder vor der Tür der Kita abgeben. Aber die Befürchtungen, dass sich die Kleinen nicht allein ausziehen können, waren unbegründet. „Notfalls haben die Erzieherinnen geholfen und in der Regel waren die Kinder stolz, wenn sie das schon ganz allein hinbekommen haben“, weiß man aus Gesprächen. Im Nachhinein war so mancher sogar dankbar, dass man dem Nachwuchs ein bisschen mehr Selbstständigkeit beibringen konnte. Für die Einrichtung selbst war das ein großer Vorteil, konnte durch den reduzierten Publikumsverkehr die Gefahr, dass man die Viren einschleppt, wesentlich verringern.

„Seit Beginn der Pandemie gab es keinen individuellen Kontakt mit der zuständigen Fachbehörde des Landes“, kann es Steffen Hähnlein kaum glauben. Von Unterstützung könne da keine Rede sein, aber gerade in diesen schwierigen Zeiten braucht man eine klare Linie. Dankbar ist man deshalb über die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Jugendamt des Landkreises. „Gemeinsam haben wir für alle Einrichtungen in der Stadt in der Trägerrunde ein Konzept für die Notbetreuung erarbeitet und passen es den neuen Gegebenheiten jede Woche an“, ist er zufrieden. Die Kindergärten sind zwar generell alle geschlossen, bieten aber eine Notbetreuung an. „Wer da kommen darf, legen die Leiterinnen auf Grund der Vorgaben des Landes und in Abstimmung mit der Trägerrunde fest, um so eine größtmögliche Betreuung abzusichern“, sagt Ilka Schroeder und verweist darauf, dass sie die Kinder kennen und wissen, für wen ein paar Stunden im Kindergarten wichtig sind. „Sie haben aber auch einen Katalog mit Berufsgruppen, die unbedingt arbeiten müssen“, fügt sie hinzu. In der „Rasselbande“ zum Beispiel sind viele, deren Eltern bei Regiomed arbeiten.

Gedacht hat man in der „Trägerrunde“ nicht nur an den Betrieb in den Einrichtungen selber, sondern auch an alle, die zu Hause bleiben mussten. Bastelvorschläge kamen dabei ebenso gut an wie Buch- oder Spielempfehlungen. Oder aber die Tipps von der ehemaligen Kinderärztin Monika Jähnich, die Hinweise zu Fragen der Hygiene oder zum Umgang mit Krankheitssymptomen gab und so den Erzieherinnen die Angst nehmen konnte. „Gefreut haben sich alle auch über den Brief von Bürgermeister Heiko Voigt, den er allen Kindern geschrieben hat“, weiß Sandy Heß. So hat jeder gemerkt, dass man nicht vergessen ist.

Für Heiko Voigt ist die „Trägerrunde“ genau der richtige Weg. „Wir haben mit Beginn der Pandemie im März 2020 quasi über Nacht eine Notbetreuung in unseren Kindergärten angeboten“, erinnert er. Schon Mitte Februar, so ergänzt Steffen Hähnlein, hat stellvertretender Bürgermeister Christian Dressel einen Pandemieplan angeregt. So war man bereits vorbereitet, wurde von den Neuerungen nicht ganz so überrascht und konnte schnell reagieren. „Der Zusammenhalt vor Ort, die Vernetzung und Kontaktpflege zahlen sich aus. Die notwendigen Einschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie gepaart mit den ständig veränderten Regelungen und der diffusen Organisation durch das Land erfordern eine regelmäßige Abstimmung der Modalitäten der Notbetreuung der Träger mit der Stadt“, schätzt der Bürgermeister ein.

Genau das hat man mit der Trägerrunde erreicht. „Es ist schön, dass man mit der Stadt offen über alles reden kann, auch über Probleme“, sind die Vertreter von Diakonie, Behindertenverband und ASB zufrieden. „Durch die aktuellen Informationen und die Offenheit haben wir Vertrauen schaffen und Ruhe reinbringen können“, fasst Roland Schliewe zusammen. Keiner habe an Konkurrenz gedacht, sondern an das Miteinander zum Wohle der Kinder. „Da haben wirklich alle Einrichtungen an einem Strang gezogen“, lobt Steffen Hähnlein.

Das Wohl der Kinder hat, so stimmt auch Heiko Voigt zu, hat oberste Priorität, auch wenn es zu Einschränkungen an anderer Stelle führen kann. „Wir müssen gemeinsam die nächsten Wochen durchstehen und dafür bitte ich alle betroffenen Eltern um Geduld und Nachsicht, wenn mal etwas nicht perfekt läuft“, sagt er und wünscht den Erzieherinnen, den technischen Kräften und den Organisatoren der Notbetreuung Kraft und Durchhaltevermögen. Das können sie wohl gebrauchen.

 
 

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