Kindergarten in Zella-Mehlis Längst ist das Kindernest ein stattlicher Horst

Ein halbes Jahrhundert gibt es den Kindergarten in der Rodebachstraße schon. Ein guter Grund zum Feiern. Weil das Corona-bedingt im vergangenen Jahr nicht möglich war, ist es nun eben der 51., der in großer Runde begangen wird. Da taucht auch so manche Erinnerung an früher auf...

So viel hat sich verändert, seit Ursula Jung die Leitung des Kindergartens in der Rodebachstraße abgegeben hat. „Das einzige, was von damals noch geblieben ist, ist der Name“, sagt sie. Er sei entstanden, weil nach 252 Kindern ein Einbruch auf 80 folgte. Schuld war der Geburtenrückgang im Zuge der Wendewirren. „Es war bei uns plötzlich wie in einem kleinen, gemütlichen Nest“, schildert sie.

Zwischen 1991 und 2007 war Ursula Jäger Chefin der Einrichtung. Bereits 1974 hatte sie als Erzieherin im Haus angefangen. „Meine Mutter hat die Einrichtung als Leiterin mit aufgebaut, meine Kinder sind hierher gegangen“, sagt Ursula Jung und betont stolz: „Auch unsere Olympiasiegerin im Skilanglauf, Victoria Carl, ein Kind aus dem Kindergarten Rodebach.“

Auch in ihrer Zeit als Chefin habe es schon schwierige Zeiten gegeben, blickt Ursula Jäger zurück. Zur Wendezeit hätten viele Erzieherinnen ihre Kündigung erhalten. Die sechs Pavillons, die der Vorgänger der heutigen Einrichtung waren, zu vereinen, sei ebenfalls keine leichte Aufgabe gewesen, erinnert sie sich. 2010 ging Ursula Jäger in Rente. Sie habe ihren Traumberuf stets mit Begeisterung gemacht und es sei schön zu sehen, dass die jetzige Chefin es in ihrem Sinne weiterführt, lobt sie.

Als Kerstin Backhaus ihrem Team für die vergangenen Jahre dankt, bricht ihr die Stimme weg. „Ohne euch hätte ich das nicht geschafft“, sagt die Kindergartenleiterin gerührt. Sie brenne für dieses Haus, es sei ihr Baby. Daher danke sie ihren Mitarbeitern außerdem dafür, dass sie diese Euphorie aushielten und sie unterstützten.

Zu seinem Tag der offenen Tür hatte das Kindernest-Team allerhand Gäste eingeladen. Nur die Kinder, die wurden am Freitag bereits früher von den Eltern abgeholt. Sie kamen am Samstag auf ihre Kosten. Dann durften sie beim Kinderfest toben und sich an allerhand Spielstationen ausprobieren.

Es wird erweitert und erweitert

Am Freitag stand die Einrichtung selbst im Fokus. 51 Jahre existiert sie. 2014 musste sie erstmals erweitert werden, weil der Platz nicht mehr ausreichte. „Und damals gab es schon Stimmen im Stadtrat, die fragten, ob das ausreichen wird“, sagte Thomas Bischof, der als zweiter Beigeordneter des Bürgermeisters zum Tag der offenen Tür gekommen war.

Die Stimmen behielten Recht Es musste noch einmal erweitert werden. 2018 konnten die Steppkes die Räume in Beschlag nehmen. Aber nur kurz. Ein Wasserschaden machte erneute Renovierungs-, Sanierungs- und Umbauarbeiten nötig. „Wir haben rund zwei Millionen Euro in die Einrichtung gesteckt und wir haben es gern gemacht“, betont Thomas Bischof. Schließlich musste auch die Außenanlage vergrößert werden, um den 150 Kindern Platz zum Toben zu bieten.

Doch nicht nur das frische Aussehen, sondern vor allem die offene Arbeit, die die Erzieher an drei von fünf Wochentagen anbieten, zeichne das Haus aus, sagt Erzieherin Madlen Robst. Die Kinder könnten sich dann aussuchen, ob sie im Kreativraum, im Bewegungsraum, im Experimente-Zimmer, in der Wasserwerkstatt oder im Rollenspielraum aktiv werden möchten. Alle drei Wochen wechselten die Erzieher, die als Begleiter in den Räumen fungieren, durch und liefere neue kreative Ideen für den Nachwuchs. Das kommt bei den Jüngsten und ihren Eltern gleichermaßen gut an.

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