Kinder fotografieren Die geschrumpfte Welt

Karin Schlütter

Manchmal ist es doch gut, dass heute (fast) jedes Kind ein Smartphone besitzt. Auf ihrer „Eine Reise durchs Wohnzimmer“ haben Sechstklässler des Hennebergischen Gymnasiums in Schleusingen damit faszinierende Aufnahmen geschossen. Was tut sich zwischen Gummibaum und Vorgarten?

Schleusingen - Als Niklas, Yara, Wilhelm, Maya, Jannis und die anderen Sechstklässler im vergangenen Schuljahr ihre „Reise durchs Wohnzimmer“ starten, ist tiefster Lockdown, die Schulen im Landkreis sind zu. Unterricht gibt‘s via Internet. Im Februar kommt Theresa Fröbisch ans Hennebergische Gymnasium.

Für die junge Lehrerin für Kunst und Latein ist es nach dem Studium in Dresden und Referendarzeit die erste feste Anstellung. Sie ist voller Elan und sprudelt vor Ideen. Ihre Sechstklässler aber kennt sie zu dem Zeitpunkt noch nicht persönlich. Kunst im Hybrid-Unterricht? Eigentlich entstand das Projekt aus der Not geboren.

„Zum Kunstunterricht gehört auch die Arbeit mit den Medien wie die Einführung in die Fotografie“, erzählt Theresa Fröbisch. „Wir mussten ja die Technik verwenden, die sie zu Hause hatten, aber die Schüler fotografieren ja schon viel mit ihren Handy. So entstand die Idee für die Reise durchs Wohnzimmer.“

Die Mädchen und Jungen hatten die Aufgabe, mit Spielfiguren und einfachen Materialien, die sie zu Hause finden, kleine Szenen und Landschaften zu gestalten und mit dem Handy zu fotografieren. Die meisten Läden waren ja zu dem Zeitpunkt zu, sodass sie nur mit Materialien wie Brokkoli, Stoff, Mehl oder was sie eben zu Hause hatten, arbeiten konnten. Ihre Lehrerin hatte viele Fragen meist per E-Mail zu beantworten, merkte aber auch, dass die Schüler Feuer und Flamme waren für das Projekt.

Und was dann am Ende herauskam, hat sie selbst überrascht. „Ich bin so stolz auf die Leistung der Schüler.“ So entstanden fantastische Bilder, angelehnt an das was die bekannten Streetart Künstler Slinkachu und Sullivan fotografierten.

Yara Schreiter aus Erlau erzählt, wie sie aus Brot, Erdbeeren und Dill eine Szene im Regenwald kreierte. Und wie sie ihr Bild „Entspannung im Hotel-Pool“ gestaltet hat. Auf Postkarten haben die jungen Autoren ihre Szenen kommentiert. „Meine Reise soll nach Südamerika gehen“, hat Yara auf ihre Postkarte geschrieben. „Ich möchte gerne einmal dorthin reisen, weil meine Vorfahren dort herkommen und ich auch gerne die Familie in Argentinien kennen lernen würde.“

Louis Kremmer hat ein Faultier in Szene gesetzt und betitelt: „Lieber abhängen als aufhängen!“ Faultiere gehören zu meinen Lieblingstieren. Ich wollte die jetzige Situation im Lockdown aufgreifen. Ein Faultier chillt lieber, als sich fertig machen zu lassen. Man darf sich nicht unterkeigen lassen, ist seine Botschaft. Raus in die Natur, das macht macht glücklich und nicht depressiv.“ So haben sich die jungen Leute mit Corona auseinandergesetzt.

Er hat eine romantische Szene gezaubert, in der die Mondlampe seiner Mama integriert hat. „Camper in Corona-Zeiten und dem Mond so nah“, hat er sein Bild genannt.

„Ich bin auf dieses Motiv gekommen, da ich die Arktis gerne nochmal sehen würde, bevor sie durch den Klimawandel geschmolzen ist“, beschreibt Wilhelm Fabig das Bild mit einem Eisbären auf einer Eisscholle.

Begeistert von dem Ergebnis der Schülerarbeiten hat Theresa Fröbisch buchstäblich in letzter Minute vor Bewerbungsschluss die „Reise durchs Wohnzimmer“ eingereicht zur Aktion des Energieanbieters Teag „Ideen machen Schule“ eingereicht. Als dieser Tage die Nachricht vom Preis kommt, sind Lousi und die anderen in der siebten Klasse angekommen und freuen sich riesig, dass ihr Projekt so gut ankam, dass sie den höchstmöglichen Preis von 1000 Euro bekommen.

Im Januar soll der persönlich überbracht werden zusammen mit T-Shirts. Ideen machen eben Schule. „Es hat auch Spaß gemacht“, erzählt Jannis Eberlein aus Waldau. Theresa Fröbisch ist schon voll dabei, das Atelier im Dachboden aufzuräumen und zum richtigen Atelier umzufunktionieren. Das Geld wird unter anderem verwendet, um das Atelier unterm Dachboden des Neubaus, das einer Abstellkammer glich als Atelier herzurichten. Denn die junge engagierte Kunstlehrerin hat noch viele Ideen. Jetzt schickt sie erstmal wunderbare Schülerarbeiten zum Europäischen Wettbewerb.

 

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