Keine Lockerungen Alle bestraft

Lockdown Foto: dpa/Daniel Karmann

Bodo Ramelow verweigert allen Thüringern Lockerungen, obwohl viele sie verdient hätten. Das schadet der Motivation beim Kampf gegen das Virus, meint unser Kommentator Markus Ermert.

Suhl - Wer sich ernsthaft Mühe gibt, der wird belohnt. Mit Erleichterungen, die anderen nicht schaden. Die, die noch aufholen müssen, bekommen ein realistisches Ziel vor die Augen und echte Anreize, es zu erreichen, und zwar ganz konkret in der Heimat: Diese praktische Überlegung zum vorsichtigen Ausstieg aus dem Lockdown ist der gute Kern der von Angela Merkel in der Nacht zu Donnerstag verkündeten neuen Stufen-Öffnungs-Strategie. Wenige Stunden lang hatte man zuvor hoffen können, dass sich Bund und Länder tatsächlich auf diesen nützlichen Wettbewerb der Regionen geeinigt hatten.

Bodo Ramelow hat aber auch diese Gelegenheit genutzt, um uns mit einer seiner Volten das Corona-Leben noch komplizierter zu machen als es schon ist. Dass er den Thüringer Weg noch vor der Kanzlerin herausposaunte und das ferne Böhmen als Buhmann für Infektionen im Land ohne Auslandsgrenze aufbaute, geht da noch als skurril durch. Indem er aber nun ganz Thüringen Lockerungen verweigert, die sich vernünftige Menschen in vielen Landesteilen nach all den Entbehrungen verdient haben, verspielt die Chancen, die das Konzept des Stufen-Wegs auch in unserem Land eröffnet hätte.

Die Nachbarn in Bayern machen es richtig: In Hotspots wird selbstverständlich nach wie vor nicht gelockert, in Regionen mit Inzidenzwerten weniger als 50 aber sehr wohl, und auch wer wenigstens unter 100 bleibt, bekommt vorsichtig mehr Freiheit. Und so müssen die Nordostbayern weiter strenge Regeln erdulden, während andere schon nächste Woche die ersten Früchte ihrer harten Arbeit ernten können: Im Coburger Land, in Schweinfurt und anderen Niedriginzidenzgebieten dürfen dann alle Läden, Zoos und Museen – hygienegerecht – öffnen. In Coburg sowie in ganz Hessen kann man immerhin nach Terminvereinbarung einkaufen gehen. Während die Shoppingmeilen in Erfurt, Weimar, Jena, aber auch in Sonneberg weiterhin dicht bleiben müssen, obwohl dort die Werte ähnlich niedrig und stabil sind wie in den Städten der Nachbarn. Die können sich nun über viele Thüringer Gäste freuen.

Es ist falsch, alle im Land dafür zu bestrafen, dass die großen Hotspots die Lage nicht in den Griff bekommen. Und bittere Ironie, dass ausgerechnet die Problemzonen Schmalkalden-Meiningen und Hildburghausen die Freiheiten im Nachbarland quasi vor der Haustür haben. markus.ermert@insuedthueringen.de

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