Martin Bohmann kann sich noch gut an die damalige Schneechaos-Woche erinnern: "Da hat es jeden Tag große Mengen geschneit, die Schneelast auf den Dächern wurde immer mehr." Der Schulbus sei auch nicht mehr den Berg hinauf gekommen, sagt Bohmann, der damals 15 Jahre alt war und heute ein Netz von privaten Wetterstationen in der Region betreibt. "Ich war damals schon sehr wetterbegeistert", betont er. Auf seiner Internetseite beschreibt er die Ereignisse vor 20 Jahren.
Mehr als 1000 Wohnhäuser und andere Bauwerke galten in der Region akut einsturzgefährdet, ihre Dächer mussten dringend von der Last befreit werden. Die Bundeswehr beorderte Soldaten zum Schneeräumen, Feuerwehrkräfte auch aus anderen Bundesländern fuhren nach Ostbayern. Selbst Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt am Main schickte Spezialfahrzeuge, die sonst die Start- und Landebahnen des Airports räumen, samt Personal in den Freistaat.
Trotzdem kam es immer wieder zu Dacheinstürzen und anderen Unfällen. Sechs Menschen starben in dieser Zeit, mehr als 50 wurden teilweise schwer verletzt. Oftmals waren die Opfer beim Schneeräumen auf den vereisten Dächern ausgerutscht und abgestürzt.
Letztlich gab es durch das Schneechaos nach Schätzungen allein in Bayern Sachschäden in Höhe von etwa 100 Millionen Euro, auch Nachbarregionen wie Österreich und Tschechien waren betroffen. Teils waren Menschen, die auf einsamen Weilern lebten, tagelang von der Außenwelt abgeschnitten.
Schlimme Tragödien, ein 20-Jähriger verhinderte Schlimmes
Während der dramatischen Tage gab es allerdings auch einen Einsturz mit gutem Ausgang: In einem Supermarkt im oberbayerischen Töging am Inn (Landkreis Altötting) hörte am 7. Februar 2006 ein Auszubildender ein Knacksen im Gebälk. Der damals 20-Jährige fackelte nicht lang, rannte sofort durch die Gänge und warnte die Kunden und seine Kollegen. Alle 13 Menschen konnten gerade noch das erst ein paar Jahre zuvor errichtete Gebäude verlassen.
"Kaum waren wir draußen, ist das Dach ganz runtergekommen", berichtete der Lebensretter später von der Situation. "Es war eine Sache von Sekunden." Für sein beherztes Eingreifen wurde der junge Mann wenige Monate danach mit der bayerischen Rettungsmedaille geehrt.
Wie waren die Winter in den zwei Jahrzehnten danach?
Bayerns Landesamt für Umwelt verweist darauf, dass es auch seitdem noch Winter mit großen Schneemengen und Katastrophenalarm gegeben habe. Zuletzt sei dies im Januar 2019 der Fall gewesen. Damals seien beispielsweise in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen oder Traunstein Schneehöhen deutlich über der Metermarke gemessen worden, berichtet das Landesamt.
Damals waren etwa 300 Bewohner des Berchtesgadener Ortsteils Buchenhöhe tagelang von der Außenwelt abgeschnitten, Touristen konnten nicht nach Hause fahren. Hunderte Helfer von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW) und Bundeswehr kämpften vor sieben Jahren mit Schneeschaufeln wieder einmal dagegen an, dass Dächer in sich zusammenbrechen.
Droht solch ein Geschehen wieder einmal?
"Auch in Zeiten der Klimaerwärmung wird es weiterhin Schneefälle und auch schneebedingte Extremereignisse geben", sagt ein Sprecher des Umwelt-Landesamtes. Trotz des Klimawandels könnte es auch in Zukunft Winter mit großen Schneemassen wie vor 20 Jahren geben, betont auch Andreas Walter vom Deutschen Wetterdienst. Allerdings nehme die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Winter deutlich ab.
Die Wintersportler und die Touristenregionen müssen sich laut Walter darauf einstellen, dass es künftig in den kalten Monaten deutlich weniger Schnee gibt. Nach seinen Angaben ist in Deutschland eine Verschiebung bei den Niederschlägen zu beobachten. Diese gebe es weniger im Sommer, mehr im Winter. "Allerdings fällt dieser Niederschlag dann - in Kombination mit den steigenden Temperaturen - in den Wintermonaten auch zusehends häufiger als Regen."