Netzwerk aus Menschen, Gütern und Ideen
Um mehr darüber zu erfahren, woher diese Objekte stammten und welche Bedeutung sie hatten, kombinierten die Wissenschaftler klassische archäologische Untersuchungen mit modernen wissenschaftlichen Techniken.
Die Dünnschliff-Petrografie, eine Methode, mit der sich die in Töpferwaren enthaltenen Minerale bestimmen lassen, ergab, dass die meisten Keramikgefäße nicht lokal vor Ort hergestellt worden waren. „Sie kamen aus verschiedenen geologischen Regionen Sardiniens, einige aus mehr als 40 Kilometern Entfernung“, berichtet Amicone.
Die in Barru verwendeten Materialien spiegeln daher ein weiteres Austauschmuster über die Insel hinweg wider. Vermutlich sei die Nuraghe Barru Teil eines weitläufigen Netzwerks gewesen. „Menschen, Güter und Ideen bewegten sich über die Insel, Barru könnte ein wichtiger Knotenpunkt dieses Austausches gewesen sein.“
Die Röntgenfluoreszenzanalyse der Metallobjekte ergab, dass sowohl das Schwert als auch die rasierklingenartigen Geräte aus Bronze mit hohem Kupfer- und niedrigem Zinnanteil hergestellt wurden. „Solche Legierungen deuten im ersten Fall auf für in der Nuraghenkultur typische Votivschwerter hin. Sie wurden nicht für den Kampf gefertigt, sondern für symbolische oder rituelle Zwecke“, erklärt Amicone.
Die rasierklingenartigen Objekte ähnelten weiteren, die vom italienischen Festland bekannt seien. Dies könnte auf eine Verbindung zum Festland hindeuten, meint die Forscherin: „Doch die Zusammensetzung des Materials lässt eher auf eine lokale Herstellung schließen als auf einen Import dieser Gegenstände.“
Rituale, Macht und Identität
Insgesamt kam das Forscherteam zu dem Ergebnis, dass die Nuraghe Barru zu Beginn der Eisenzeit vor rund 3000 Jahren kein zerfallendes Relikt aus früheren Zeiten war. „Die Nuraghe Barru ist ein gut dokumentierter Fall“, resümiert Gianfranca Salis, wissenschaftliche Direktorin der Soprintendenza bei den laufenden Ausgrabungen.
„Es war in der Eisenzeit ein aktives Zentrum, in dem Rituale, Identität und soziale Macht in einer Zeit des Wandels verhandelt wurden. Als neue Kultstätten entstanden, wurden nicht alle alten Gebäude aufgegeben. Bestimmte Türme aus der Nuraghenkultur wurden für zeremonielle Zwecke neu genutzt.“