Karneval im Sommer: Hawaiianische Nacht im Grabfeld

Kurt Lautensack

Karneval im Sommer, da bleibt als Thema nur die Südsee. Aloha statt Helau hieß es bei den Spältlich-Guckern in Mendhausen (Landkreis Hildburghausen) beim Ersatz-Karneval im Kulturhaus.

Dieser Karneval stellte alles auf den Kopf. Es ist schon ungewöhnlich, wenn die „Elfen“ und ihre Ballettgruppen aus Mendhausen in gewohnt karnevalistischen Kostümen aufgeregt auf ihren Einmarsch beziehungsweise Auftritt warten und die Gäste nicht in dicken Jacken, sondern in kurzen Hosen, T-Shirt und sommerlich luftiger Kleidung kommen.

Aber die Mendhäuser Elfen (inzwischen rückte die dritte Karnevalsgeneration nach) und das gesamte Helfer-Team hatte sich thematisch ganz gut an die Jahreszeit angepasst. Und so wurde aus dem Karneval ein Elfen-Spektakel und der Schlachtruf hieß nicht „Spältlich-Helau“ sondern „Spältlich-Aloha“.

In Hawaii ist es eine Grußformel, die doch auch ganz gut zu den Elfen passt, denn übersetzt wird darunter auch „Sympathie“, „Freundlichkeit“ oder „Zuneigung“ verstanden. Dies war ohne Zweifel im Saal vorhanden, ob auch mancher „Liebhaber“ im Saal saß, wie der Gruß ebenfalls ausgelegt werden kann, war sicher erst zu späterer Stunde feststellbar.

Dass die Veranstaltung trotzdem angenommen wurde, zeigte ein relativ gut gefüllter Saal. Es fehlte keinesfalls an Stimmung, für die Aktive und die Hauskapelle Herzblatt sorgte. Was den Karnevalsruf betrifft, so gibt es wohl ein unbeschriebenes Gesetz, dass der Ruf „Helau“ nur vom 11.11. bis Aschermittwoch erlaubt ist. Daran sollte also der Versuch einer sommerlichen Veranstaltung nicht scheitern. Aber nach zwei Jahren völliger Spältlich-Stille, so Peter Haueisen als langzeitlich bewährter Moderator, musste etwas passieren, damit die Mitwirkenden, insbesondere auch die Ballettgruppen, nicht verloren gingen. Und so führte er gekonnt mit seiner talentierten Tochter Giulia durch das Programm. Natürlich sparten sie bei ihren Ansagen und „Überbrückungsgelaber“

Im hawaiischen Flair zogen die Elfen ein, um wie gewohnt ihre Plätze auf der Bühne einzunehmen. Aber nicht nur das, sie sorgten natürlich auch für einen besonderen Schlussauftritt. Dass es insgesamt recht bunt und farbenfroh auf der Bühne zuging, war eigentlich nicht ungewöhnlich, vor allem wenn man es mit manchen Auftritten in Fernsehsendungen vergleicht, die eher einer Zirkusveranstaltungen gleichen. Da waren die Auftritte der Ballettmädchen, ob Garde, Gemischtes oder Showballett mit „Feuer & Eis“, weitaus augenfreundlicher anzusehen. Trainiert wurden die Gruppen von Ramona Kreußler, Laura Erkenbrecher und Kathleen Friesecke.

Den musikalische Höhepunkt boten Astrid Peters und Peter Haueisen als Maite Kelly und Roland Kaiser mit dem textlich korrigierten Erfolgstitel „Warum hast du nicht nein gesagt, bei deinem letzten Bier…es war doch nur ein Bier, oder war’n es vier?“.

In dem zeitlich etwas gekürztem Programm fehlten auch die Büttenredner nicht. Angereist war Pfarrer im Ruhestand, Thomas Perlick, aus Bad Brückenau, der „ohne Elfen kaum auskommt“ und seine Gedanken im Ruhestand ein wenig ordnet. Dabei gestand er ein, dass er „auch manches verbockt“ habe, was man im Ruhestand ja zugeben kann. Dass er seinen Kirchen-Humor nicht verloren hatte, mag so manche Zeilen verdeutlichen. So hieß es: „Früh, wenn mich die Sonne weckte, ging ich gleich an die Kollekte“. Doch nun sei die Einnahmequelle versiegt, doch zum Glück habe ihn der Pfarrer in Brückenau als „Kollektenverwalter“ eingesetzt.

Sebastian Schmitt, im wahren Leben „Babo“ genannt, dichtete nicht in Versform, sondern erzählte die Geschichte von Agathe Bauer (Snap -The Power) und Anneliese Braun (All The Leaves Are Brown). Dabei ging es natürlich um sogenannte „Songverhörer“, einem manchmal kuriosen Kauderwelsch von Songtexten, die zu akustischen Missverständnissen führen und gekonnt in Szene gesetzt, Lachtränen in die Augen treiben. So könnte man zum Beispiel „Hau auf die Leberwurst“ bei „Hop Of Deliverance“ oder „Lauter Doofe, niemand gescheit“ bei „Laura dov’e-mi manca sai“ verstehen. So verstand Babo bei andere Titel unter anderem „Wasch dir den PO“, „Ich komm nicht ans Teefach“ oder „Erdnussbier“. Kein Missverständnis aber war der gelungene Versuch, die karnevalistische Idee aufrechtzuerhalten und den Elfen-Karneval durch den Corona-Ausfall nicht den berühmten „Bach herunter gehen“ zu lassen.

 

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