Kanzlerkandidatur Mohring: Die Union hat es sich unnötig schwer gemacht

Unterschiedliche Sicht auf Armin Laschet: Christian Hirte (links) und Mike Mohring. Foto: ari

Zwischen Enttäuschung und Erleichterung reagiert die Thüringer CDU auf die Festlegung auf Armin Laschet als Kanzler­kandidat der Union.

Erfurt - Tief gespalten präsentiert sich die Thüringer CDU in Sachen Kanzlerkandidatur: Landeschef Christian Hirte sprach am Dienstag von einer Entscheidung „gegen die Mitgliedschaft der eigenen Partei“. In einer internen Umfrage hätten nur zwei Thüringer Kreisvorsitzende für Laschet gestimmt, der Rest für Markus Söder, sagte Hirte der „Thüringer Allgemeinen“. Da Hirte kein gewähltes Mitglied des Bundesvorstands ist, durfte er nicht abstimmen – anders als sein Vorgänger Mike Mohring.

Mohring zeigte sich demgegenüber erleichtert über den Ausgang der nächtlichen Abstimmung. „Nun gibt es endlich Klarheit. Das war wichtig“, sagte Mohring am Dienstag im Gespräch mit dieser Zeitung. Denn nur Klarheit schaffe Vertrauen und das sei die Grundlage für einen erfolgreichen Wahlkampf und eine erfolgreiche Wahl im September. „Die Union hat es sich unnötig schwer gemacht, vor allem in der vergangenen Woche“, sagte Mohring. Er sieht damit einen Schlussstrich unter den Querelen der vergangenen Wochen. Damit nun Ruhe einkehren könne, sei es wichtig gewesen, dass auch Markus Söder am Dienstag verkündet habe, dass er zur Entscheidung des CDU-Bundesvorstandes stehe und auf seine Ambitionen für einen Kanzlerkandidatur verzichte.

Er persönlich hätte sich eine weniger aufreibende Kandidatenkür gewünscht, sagte Mohring. Schließlich sei die Absprache innerhalb der Partei eigentlich gewesen, dass der auf dem Parteitag gewählte neue Bundesvorsitzende auch Kanzlerkandidat werde und sich die Partei hinter ihm versammele. Das Hin und Her sei aber auch entstanden, weil die Union ein Luxusproblem gehabt hätte. Mit Armin Laschet und Markus Söder hätten zwei starke Ministerpräsidenten für die Kandidatur zur Verfügung gestanden, die beide ihren eigenen Stil und beide ihre besonderen Stärken hätten.

Nun sei es wichtig, dass die Partei loyal zum Spitzenpersonal stehe, sonst könne ein Wahlkampf nicht funktionieren. „Wir hätten gut daran getan, die Entscheidung schneller zu treffen, statt sie auf einen finalen Showdown zulaufen zu lassen“, so Mohring. Die virtuelle Sitzung in der Nacht zu Dienstag sei von einer sehr ernsthaften Diskussion geprägt gewesen, berichtete der Ex-Landeschef. Erschwerend sei jedoch hinzu gekommen, dass einzelne Teilnehmer der Videokonferenz offensichtlich wieder aus der Runde heraus Zitate und Gesprächsverläufe an Journalisten weitergegeben hätten. „Ich mache den Journalisten, die diese Zitate dann verwenden, keinen Vorwurf. Die machen ihren Job. Aber es erschwert eine sachliche Diskussion, wenn die Sitzung quasi öffentlich stattfindet“, so Mohring. Letztlich müsse aber jeder, der in einem solchen Gremium sitze, mit sich selbst ausmachen, ob es das richtige Vorgehen ist, aus Sitzungen heraus Zitate zu twittern.

Jetzt sei es wichtig, das Personalangebot mit einem inhaltlichen Angebot zu ergänzen. „Entscheidender als die Umfragewerte von heute ist doch, dass wir eine Antwort darauf liefern, wie Deutschland in Zukunft, nach der Pandemie aussehen soll. Wie all das, was durch Lockdowns auseinander gebrochen ist, wieder zusammengeführt werden kann“, erklärte Mohring. Er selbst habe sich jedenfalls keine Situation vorstellen können, wie der Bundesvorstand dem Parteivorsitzenden, der seinen Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur anbietet, nicht das dafür nötige Vertrauen ausspricht.

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