Kammerspiel-Premiere Mit Benno auf Reger-Recherche

Sigrid Nordmeyer

Das so lustig wie lehrreiche Konzert „Mit Max Reger unterwegs“ feierte eine gelungene Premiere und ist für große wie kleine Leute ab 6 Jahren sehr zu empfehlen.

Johann Sebastian Bach (Mitte) ist für das Gruppenbild mit Max Reger, Puppenspieler Falk P. Ulke, Haushälterin Hermine und Susanne Tenner-Ketzer (von links) mal kurz von seiner Wolke aus dem siebten Musikerhimmel heruntergestiegen. Foto: /Sigrid Nordmeyer

„Mit Reger unterwegs“ zu sein, das bedeutet viel. Vor allem in der Theaterstadt an der Werra, weil der große Max Reger in Meiningen so aktiv war. Und wenn man dafür nicht Strecke zurücklegen muss, sondern sich bequem im Theatersessel der Meininger Kammerspiele zurücklehnen und in aller Ruhe der Recherche des Benno Schreiberling folgen kann, dann ist das eine leichte Übung für anspruchsvolle Unterhaltung. Der Journalist von der „Meininger Allgemeinen Zeitung“ (Alexander John) muss nicht in die Vergangenheit reisen, um ein Interview mit dem 1916 verstorbenen Komponisten, Organisten, Pianisten und Dirigenten zu führen.

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Auf der Bühne der Kammerspiele trifft er schnell auf Museumsdirektor Peter Itzig (Falk P. Ulke), dem nach eigener Aussage zwar das w für „witzig sein“ fehlt. Aber mit seiner Erfindung des „Fragomats“ eine durchaus humorvolle Möglichkeit geschaffen hat, sich mit den Musikgrößen aus vergangenen Zeiten zu unterhalten.

Zuerst die Frage überlegen, dann den Knopf drücken, und wenn die Glocke erklingt, ins „Mikroschnorchelphon“ sprechen. So jedenfalls seine Anweisung, und so klappt es für den wissensdurstigen Redakteur, der bei der Vorpremiere zum Kindertag noch Knickerbocker trug und zur Premiere jetzt in den Kammerspielen im profanen Anzug daherkam.

Im angeregten Gespräch: Museumsdirektor Peter Itzig (Falk P. Ulke, links) und Reporter Benno Schreiberling (Alexander John). /Sigrid Nordmeyer

Die Puppen von Rainer Schicktanz haben ihren ganz eigenen Charme. Wenn der „Herr Schreiberling“ den Johann Sebastian Bach auf seiner Wolke im siebten Musikerhimmel interviewt, die Reger-Haushälterin Hermine sich echauffiert über die Unordnung ihres Chefs beim Komponieren oder dessen Essgewohnheiten, dann ist das einfach köstlich. Vor allem auch die Pointe mit dem „Strammen Max“, den sie ihm mit Spiegelei auf Schinkenbrot nach eigener Küchenkomposition am Ende serviert, ist gelungen. Die Kinder von der Grundschule am Pulverrasen waren begeistert und konnten sich bestimmt gut vorstellen, wie sich später Itzig und Schreiberling im Meininger Goldenen Zwinger zum „Strammen Max“-Essen treffen.

Was erfährt Schreiberling so alles während seines Aufenthaltes im Museum? Eine Menge über Max Reger. Dass er in einen Apothekerschrank die Noten der verschiedenen Komponisten einordnete. Die Boxen im großen Ikea-Regal auf der Bühne sind dementsprechend mit den Namen Mozart, Beethoven oder Johann Sebastian Bach beschrieben, entsprechend den Regerschen Schubfächern im Originalmöbel, das sich in den Meininger Museen befindet.

Nach den „Unterwegs“-Produktionen der Jungen Musik mit Brahms, Mozart, Beethoven und Clara Schumann mit Reger nun eine weitere gelungene Gemeinschaftsarbeit der Meininger Hofkapelle mit Falk P. Ulke, der die Figuren führt. Mit dem erfahrenen Puppenspieler erdachten sich Susanne Tenner-Ketzer und Alexander John das Kinder- und Familienkonzert, das sich von der Rohfassung aus dem Jahr 2016 jetzt in ein Glanzstück verwandelte und für groß wie klein ab 6 Jahren zu empfehlen ist. „Die Schulen sind dankbar für das Angebot, weil es überall an intensivem Musikunterricht fehlt“, sagt Tenner-Ketzer.

Aktuelle Empfehlung : Festkonzert zu Max Regers 150. Geburtstag am Samstag, 11. November, 19.30 Uhr, in der Meininger Stadtkirche. Karten für 20 Euro an der Abendkasse.

Kindgerechte Infos aus dem siebten Musikerhimmel bei „Mit Max Reger unterwegs“

Max Reger
hätte, wenn er noch leben würde, am 19. März dieses Jahres seinen 150. Geburtstag gefeiert. Geboren 1873 in Brand in der Oberpfalz, gab ihm sein Vater, ein Dorfschullehrer, den ersten Unterricht in Klavier und Geige. Mit 17 ging Max Reger ins thüringische Sondershausen und arbeitete als Pianist und Musiklehrer. Später ging es von München nach Leipzig. Mit dem dortigen Gewandhausorchester und als Organist der Thomaskirche fühlte er sich sehr wohl. Im Meininger Schloss Elisabethenburg empfing ihn Herzog Georg II. 1907 das erste Mal. Ein Jahr später engagierte er ihn für die Meininger Hofkapelle. Drei Jahre wirkte er als Hofkapellmeister. Sein Wohnhaus in der Marienstraße ist jetzt das Kinder- und Jugendhaus Max’Inn. Sein Nachname ist ein Palindrom, vorwärts wie rückwärts zu lesen. Im Apothekerschrank ordnete der Komponist die Noten. In Meiningen gibt es das einzigartige, weltweit größte Regerarchiv. Reger hat über 300 große Werke geschrieben, für Orchester, Chor, Klavier und Orgel. Die Mozart-Variation war sein ganzer Stolz. Er schrieb mehr als eine Million Noten mit der Feder und benutzte auch den Füller, der zu seiner Zeit erfunden wurde. Die Fotografie war ebenfalls schon erfunden und kostete damals viel Geld. Reger ließ sich mit seiner Frau Elsa und den Töchtern Lotti und Marie fotografieren. In den Zeitungen wurden Karikaturen von ihm abgedruckt. Sein Lieblingskomponist war Johann Sebastian Bach.

Johann Sebastian Bach
entstammte einer sehr bekannten Thüringer Musikerfamilie und wurde vor über 300 Jahren in Eisenach geboren. Er war zu seiner Zeit der Meister auf der Orgel und schuf als Komponist des Barock mehr als 1000 Werke. Lebte „fünfunsechzsch“ Jahre, zunächst in Thüringen, später in Sachsen. Als Reger geboren wurde, war er schon über “hundertfünzsch“ Jahre tot. Er starb in „Laipzsch“ – „Ja, mein Laipzsch, das lob ich mir!“