Kaltenwestheim Kam aus einer Laune, macht Laune: der KCC

Jana Markert (vorn rechts) steht dem KCC seit 1990 mit einer kurzen Unterbrechung vor und leitet mit ihren Helfern von Vorstand und Elferrat die närrischen Geschicke. Foto:  

50 Jahre Karneval – in Kaltenwestheim wäre eigentlich jetzt gefeiert worden. Ein Rückblick auf die Kunst, die Narren bei Laune zu halten.

Kaltenwestheim - Was hätte das für einen Karnevalsumzug geben können, was für eine Jubiläumssaison! Dass die Waestemer zu feiern verstehen, und das nicht nur zu den runden Geburtstagen des KCC, das bewiesen sie in einem halben Jahrhundert wohl zur Genüge. Wohl kaum ein Thema gibt es, das bei ihnen noch nicht im Umzug oder in Kostümen dargestellt, in der Bütt durch den Kakao gezogen oder getanzt wurde. Immer am Puls der Zeit waren die Narren – denen sogar in den frühen Zeiten so manches Wort entschlüpfen durfte, für das man an anderer Stelle ordentlich Ärger bekommen hätte.

Ein Rückblick zeigt: Viele Karnevalisten sind dem Verein schon seit Jahrzehnten treu, haben als junge Leute angefangen und wechselten möglicherweise mal das Metier, etwa vom Tanz zur Bütt – aber sie blieben bei der Stange. Und auch die Helfer im Hintergrund fanden sich immer wieder ein: Ob an Theke, Garderobe oder Technik, ob als Vereinsmitglied oder auch von anderen Vereinen. Karneval ist in Waeste eine Institution, das steht außer Frage.

Präsidentin Jana Markert würde sich deshalb so wie alle anderen freuen, wenn die ausgefallene Jubiläumssaison so bald wie möglich als 50-plus-Variante nachgeholt werden kann, natürlich auch mit einem Umzug – legendäre Vorbilder dafür gibt es schließlich genügend in der Vereinsgeschichte. „Es tobt bestimmt bald wieder der Saal, denn wir feiern Karneval“, so reimt sich bei der Präsidentin der Optimismus. Im 1225. Jubiläumsjahr des Dorfes, 2020, hatte man zumindest noch den 49. Karneval feiern können, bevor der Lockdown ausbrach.

2017 hatten die Karnevalisten mit der sanierten Turnhalle Wetzstein ein auf den neuesten Stand gebrachtes Dorfgemeinschaftshaus einweihen können und bedachten dies mit dem Motto „Neue Narrhalla, neues Glück, mit Humor erobern wir das gute Stück!“ Überhaupt: Ihre Mottos waren den Waestemern immer heilig, und das von 1985 könnte man wohl auch heute noch gut verwenden: „Mei gabe nett uff!“ – oder auch das von 1988 „Bos soll’s denn noer noch waer?“. Ganz hochdeutsch kam 1990 die Motto-Ansage: „Trotz Wende kein Ende“. 1993 hieß es gar „Wir waren dem Untergang so nah, trotzdem sind wir wieder da!“

Doch wie hatte es eigentlich angefangen? 1971 war aus einer Karnevalslaune, als man in einem benachbarten Ort den Fasching feierte, der Wunsch entstanden, einen eigenen Verein zu haben. 1972 wurde Hartmut Denner dessen erster Vorsitzender, 1973 war Arolf Wuchert der zweite Präsident des KCC. Ein paar Eckpunkte: 1979 erlebte das Männerballett als Urmenschen seine Premiere, 1981 war das zehnjährige Jubiläum ausgiebig und mit Umzug gefeiert worden, 1986 das 15. ebenso. 1998 gab es sogar mal ein falsches Prinzenpaar unter all den echten. Mit ein paar Aussetzern hat der KCC die Prinzen-Tradition trotz Schwierigkeiten stets durchgezogen. Das erste Prinzenpaar waren übrigens Prinz Dieter I. von der hinteren Eiche und Prinzessin Dorothe die Zarte.

Mit Jana Markert hat der KCC seit 1990 (mit einem Jahr Unterbrechung) eine Präsidentin – in anderen traditionellen Hochburgen des Faschings undenkbar, im Dorf der bekanntermaßen starken Frauen überhaupt keine Frage! Dass Frauen den Karneval mittragen, zeigen allein die Namen gestandener Gruppen: Pfundsweiber, Powerfrauen oder Ladykracher. Ein paar Besonderheiten hat der Kaltenwestheimer Karneval: So gab es von Anfang an ein Hofballett und seit dem Gründungsjahr eine Männergarde. Diese sorgt für den reibungslosen Ablauf des Programms, eskortiert das Prinzenpaar zur Narrhalla und geleitet jeweils die Akteure auf die Bühne. Stark sind auch in die Bütten: Etwa acht eigene Büttenredner muss ein Verein erst einmal vorweisen können! Die große Hilfe anderer Rhöner Karnevalvereine etwa bei der Programmgestaltung möchte Jana Markert aber auch ausdrücklich loben.

Längst hat der Kaltenwestheimer Carneval Club mehr als 70 Mitglieder jeder Altersklasse – begonnen hatte alles mit Präsident, Elferrat, Garde mit Zeremonienmeister und Hofballett. Größtes Augenmerk legte der KCC schon immer auf den närrischen Nachwuchs. Sieben Tanzgruppen und zwei Tanzmariechen sprechen da wohl eine beredte Sprache.

In Erinnerungen an den bisherigen Karneval schwelgen und auf eine neue Saison freuen kann man sich derzeit mit einer Präsentation, die der Verein zusammengestellt hat. Diese kann man sich ganz gemütlich von Hause anschauen, im Internet oder im Dorffernsehen, dort übrigens noch bis heute, 17 Uhr. Die seit vielen Jahren aktive Karnevalistin Brita Wolfram hat sich für diese tolle Idee ausdrücklich bedankt und rät: „Lasst euch von den Fotos inspirieren, denkt an die wunderschönen lustigen Zeiten zurück und feiert zu Hause ein wenig mit.“ In diesem Sinne: ein dreifaches „Waeste Helau !“

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