Noch immer kann man sich gut vorstellen, wie in den Hallen im Gewerbegebiet am Rande des Dorfes mit Milch und Joghurt hantiert wurde. Als Molkerei waren sie und die zugehörigen Verwaltungsgebäude mit EU-Hilfe errichtet worden, später kamen Insolvenz, Leerstand, ein Palettenwerk zog ein und ging ebenfalls in Insolvenz. Längst durchzieht mit den neuen Eigentümern wieder der Duft von frisch geschnittenem Holz die Hallen, der Hof liegt voller Material. In der großen Halle kreischen die Sägen im Gatter, Reste werden geshreddert, fertiges Schnittholz transportiert. In den kleineren Hallen laufen andere Maschinen, es wird genagelt und konstruiert. Wer die Hallen betritt, sollte den Gehörschutz nicht vergessen – es geht laut zu, wie es sich für diese Branche gehört. Marcus Eisenbach kennt das von Kindesbeinen an: Seine Familie betreibt das Sägewerk in Mehmels. „Und dort sind wir einfach an Grenzen gestoßen“, sagt der junge Mann, der die Firma 2019 vom Vater übernommen hat: Mitten im Dorf gelegen, gab es keine Erweiterungsmöglichkeiten, die aber dringend nötig waren. In Kaltensundheim stand derweilen das ehemalige Sägewerk leer. Er war zunächst am Grundstück, der intakten Stromversorgung interessiert. „Wir haben es erst mal gepachtet und dann entschieden: Wir kaufen“, so berichtet Eisenbach, Tischler, Mechatroniker, Software-Fachmann. Sein Geschäftspartner ist David Jäger, Speditionsmeister und also ein Profi in der Logistik. Aus dem Kindergarten schon kennen sich die beiden, heute 34 und 36 Jahre alt.