Kaltennordheim Wem – und wohin – gehört die Drehleiter?

Die Drehleiter mit dem Korb, von dem aus man gezielt von oben löschen kann. Derzeit ist der Korb abgebaut und nicht nutzbar Foto: /Stadt Kaltennordheim

Das Hin und Her um die Feuerwehr-Drehleiter in Kaltennordheim hat kuriose Folgen: Es verhindert zum Beispiel, dass diese jetzt repariert wird.

Kaltennordheim/Meiningen - Kaltennordheims Bürgermeister Erik Thürmer sieht sich im Recht bei seinem Tun: Er will die Drehleiter nicht an den Wartburgkreis abgeben, und deshalb verklagt der Nachbarlandkreis nun die Stadt (wir berichteten). Die Drehleiter habe eine Doppelfunktion, erklärt er die Grundlagen – die des überörtlichen Brandschutzes, auch für Nachbar-Gemeinden im Wartburgkreis, und die des örtlichen Brandschutzes, also für die Stadt mit ihren Ortsteilen im Landkreis Schmalkalden-Meiningen. „Diese Doppelfunktion haben wir nie aufgekündigt“, so der Kaltennordheimer Bürgermeister. Es gebe eine bis heute bestehende mündliche Vereinbarung: Der Wartburgkreis trägt für seinen Aufgabenanteil die Kosten der Beschaffung, jedenfalls den Eigenanteil (neben der Förderung), und die Stadt ist für die laufenden Kosten der Wartung, Pflege und Unterhaltung zuständig. Das bedeutet: Vom TÜV übers Tanken bis zur Unterbringung des Fahrzeuges zahlt die Stadt. „Und allein so eine Überprüfung im Drehleiterpark geht richtig ins Geld“, erläutert der Bürgermeister. Eine Prüfung im Oktober 2020 habe allein 1260 Euro gekostet. Die Drehleiter findet sich – wie alle anderen Feuerwehrfahrzeuge auch – im Haushaltsplan der Stadt wieder. Wie hoch die jährlichen Aufwendungen sind, richtet sich nach dem Aufwand, sagt Erik Thürmer, und der sei jedes Jahr unterschiedlich – aber nicht zu unterschätzen.

Der Streit, der nun in der Klage gipfelt, hätte eigentlich gar nicht sein müssen, blickt der Kaltennordheimer Ortschef zurück. „Es hätte gewiss auch einen anderen Weg gegeben. Doch mit uns wurde gar kein Gespräch gesucht, sondern es kam die schriftliche Aufforderung zur Herausgabe der Drehleiter.“

Eine Vorgeschichte hatte das Ganze allerdings schon: Bekanntlich war das Drehleiter-Fahrzeug zur Umstellung auf Digitalfunk im Feuerwehrtechnischen Zentrum Immelborn und dort beim Rangieren mit dem Korb hängengeblieben. Keiner war darüber wohl mehr bestürzt als der Kaltennordheimer Feuerwehrmann, dem dies passierte, doch danach ging es erst richtig los. Die Stadt habe einen Gutachter von Magirus und einen der Versicherung zu Rate gezogen, so Erik Thürmer. Die Drehleiter habe danach noch einmal auf den Leiter-Prüfstand nach Ulm gebracht werden müssen. Der Wartburgkreis bestand in einem Telefonat plötzlich darauf, dass nicht Kaltennordheim, sondern der Wartburgkreis dies tut. Als die Stadt dies schriftlich haben wollte, so Erik Thürmer, hieß es am Ende doch, dass die Stadt das Fahrzeug fahren soll. Das tat ein erfahrener Maschinist dann auch. Festgestellt wurde laut Erik Thürmer: „An der Leiter an sich ist nichts kaputt, nichts verzogen. Der Korb freilich ist kaputt.“ Ein Versicherungsfall. Thürmer lag mit Corona im Bett, erinnert er sich, als der Wartburgkreis per Mail auf die Herausgabe der Leiter drängte, da er diese reparieren lassen wolle. „Das war, bevor es überhaupt eine Reparaturfreigabe von der Versicherung gab“, geht Thürmer ins Detail. „Die kam erst später.“ Er habe trotz der Herausgabe-Forderung als Stadt beim Wartburgkreis um die Genehmigung der Reparatur gebeten – am Ende sei es schließlich vor allem wichtig, dass diese erfolge. „Doch die Reparatur wurde uns schriftlich untersagt“, so der Bürgermeister.

Nun also steht die Drehleiter in Kaltennordheim, der Korb ist abgebaut. „Sie ist eingeschränkt nutzbar, aber sie ist nutzbar“, bemerkt Erik Thürmer. Den Vorwurf, er gefährde mit dem Einsatz der unreparierten Drehleiter Menschen, kann er nicht nachvollziehen. Zwei Gutachter hätten bestätigt, dass die Leiter zur Menschenrettung nutzbar ist. Ohne den Korb freilich nicht mehr dafür, von oben aus zu löschen. Beim letzten Einsatz in Kaltenlengsfeld hat man die Drehleiter nicht verwendet, als sich vor Ort zeigte, Menschenrettung war nicht nötig. Zum Löschen mit Strahlrohren von oben kamen die Meininger zuhilfe.

Und nun ist die Klage des Wartburgkreises ins Haus geflattert. Zwei Wochen Zeit hat Kaltennordheim, um zu entscheiden, ob es sich verteidigen möchte. Die Stadträte, so sagt Erik Thürmer, hätten dazu eine klare Meinung: Natürlich. Bedauerlich findet er den Umgang insbesondere mit den sehr engagierten Feuerwehrleuten von Kaltennordheim durch den Wartburgkreis. „Schade, dass es diese Eskalation gibt“, sagte er, das hätten diese nicht verdient.

Auch Schmalkalden-Meiningens Landrätin Peggy Greiser erklärte gestern: „Ich weiß, dass die Kameraden der Feuerwehr von Kaltennordheim eine hervorragende und wichtige Arbeit leisten. Aufgrund ihrer herausragenden Bedeutung in der Hohen Rhön werden sie nach dem aktuellen Entwurf des Gefahrenabwehrkonzeptes für den Landkreis Schmalkalden-Meiningen künftig hier als Stützpunktfeuerwehr eine bedeutende Rolle im überörtlichen Brand- und Katastrophenschutz spielen.“ Die notwendige Ausstattung werde die zukünftige Stützpunktfeuerwehr Kaltennordheim „selbstverständlich auch erhalten.“

Die Zweckvereinbarung mit dem Wartburgkreis zum kreisübergreifenden Einsatz der Drehleiter soll Bestandteil des Konzeptes sein, erklärt Peggy Greiser. „Für uns hat die Sicherheit der Bevölkerung oberste Priorität, das heißt, der Brandschutz muss jederzeit gewährleistet sein. Wichtig ist nicht, wo Feuerwehrtechnik stationiert ist, sondern innerhalb welcher Hilfsfristen diese im Ernstfall vor Ort ist. Daher arbeiten wir mit dem Wartburgkreis an einer Zweckvereinbarung, die aktuell in der Feinabstimmung ist. Demnach soll die Drehleiter auch künftig für alle Ortsteile von Kaltennordheim kreisübergreifend zur Verfügung stehen, auch wenn der Wartburgkreis die von ihm beschaffte Drehleiter in Dermbach stationiert. Damit wäre der überörtliche Brandschutz absolut gesichert.“

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