Jungtiere in Gefahr Naturschützer warnen vor fatalen Verwechslungen

Im Frühling gefährden gut gemeinte Rettungsaktionen den Nachwuchs der Europäischen Wildkatze. Was wie Hilfe aussieht, bedroht das Überleben der seltenen Tiere massiv.

Die Wildkatze ist eine bedrohte Art. Foto: Thomas Stephan

In einer gemeinsamen Pressemitteilung des BUND, des BUND Thüringen sowie der Wildtierland Hainich wird darauf hingewiesen, dass Spaziergängerinnen und Spaziergänger im Frühjahr besondere Vorsicht im Umgang mit vermeintlich verlassenen Kätzchen im Wald walten lassen sollten. Hintergrund ist, dass junge Europäische Wildkatzen zunehmend wieder in vielen Regionen, auch in Thüringen, vorkommen und dabei häufig mit Hauskatzen verwechselt werden. Diese Verwechslung kann für die Tiere schwerwiegende Folgen haben, da gut gemeinte „Rettungsaktionen“ oft dazu führen, dass die Jungtiere aus ihrem natürlichen Lebensraum entfernt werden und ihre Überlebenschancen drastisch sinken.

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Gut gemeint, schlecht gemacht

Die Organisationen betonen, dass sich die Wildkatze in Deutschland erfreulicherweise weiter ausbreitet und inzwischen wieder große Teile ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets besiedelt. Gleichzeitig entsteht jedoch ein neues Problem: Da Wildkatzenjunge oft allein im Versteck zurückgelassen werden, während die Mutter auf Nahrungssuche ist, wirken sie auf den ersten Blick hilflos. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch um ein normales Verhalten. Eingriffe durch Menschen sind in den meisten Fällen nicht nur unnötig, sondern schädlich.

Friederike Scholz, Koordinatorin des „Rettungsnetz Wildkatze“ beim BUND, erklärt: „Was wie Hilfe aussieht, ist oft das Gegenteil: Wird ein gesundes Wildkätzchen mitgenommen, sinken seine Überlebenschancen drastisch. Die Tiere sind sehr empfindlich, vertragen kein übliches Katzenfutter und können sich schnell mit Krankheiten von Hauskatzen infizieren.“

Daher appellieren die Naturschützer eindringlich, gefundene Jungtiere weder anzufassen noch mitzunehmen. Stattdessen sollten Beobachtende Abstand halten und die Situation nach einigen Stunden erneut überprüfen. Nur wenn ein Tier offensichtlich verletzt ist oder ein auffälliges Verhalten zeigt, sollte Hilfe organisiert werden. Zur Unterstützung stellt der BUND Informationsangebote bereit und verweist auf das Infotelefon im Wildkatzendorf Hütscheroda, das täglich von 10 bis 18 Uhr erreichbar ist und fachkundige Beratung bietet. Die Rufnummer lautet 036254 / 86 51 80.

Insgesamt unterstreicht die Pressemitteilung die Bedeutung eines achtsamen Verhaltens in der Natur: Was wie Hilfe erscheint, kann für Wildkatzen schnell zur Gefahr werden. Daher gilt der klare Grundsatz – Wildkätzchen im Wald lassen.