Jubiläum Ritter, Müller und fleißige Leute

Im Schalkauer Stadtteil Theuern steht dieses Jahr eine 600-Jahr-Feier an. Die Dorfgemeinschaft hat einiges geplant.

600 Jahre gibt es das Dorf Theuern schon – oder noch viel länger? Im Goldmuseum wurden schon mal an die sechs Jahrhunderte Ortsgeschichte ein paar Nullen herangehängt und die Botschaft stand fest: es können auch gerne 600 Millionen Jahre Theuern sein. Und schon im vergangenen Jahr haben die Einwohner des Schalkauer Stadtteils am Steiger 600 Bäume gepflanzt, sagt Annemarie Müller. Sie ist Mitglied im Festkomitee und hat sich schon einmal um Referenten für eine kleine Vortragsreihe gekümmert.

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1425 wurde Theuern erstmals genannt, aber einfach ist da gar nichts, weiß Kreisheimatpfleger Thomas Schwämmlein. „Die Urkunde zitiert der Schalkauer Amtmann Johann Georg Otto kurz nach 1800“, hat er recherchiert. Allerdings sei das Schriftstück nicht mehr auffindbar, für die frühe Zeit der historischen Forschung kein Einzelfall. Allerdings sei die Nachricht plausibel, denn Otto habe selbst noch in den Akten- und Urkundenbeständen des einstigen Gerichts Rauenstein blättern können. Die Notiz floss ein in einen mehrteiligen Aufsatz, der zwischen 1802 und 1804 im „Herzoglich Sachsen-Coburg-Meiningischen jährlichen Taschenbuch“ erschienen ist. Nach 1425 erscheint Theuern häufiger in verschiedenen Dokumenten, so dem 1441 angelegten Zinsbuch der Pflege Coburg, heute verwahrt im Hauptstaatsarchiv Weimar, oder einer Erbteilungsurkunde der Familie Schaumberg aus dem Jahr 1437, die sich im Staatsarchiv Würzburg findet. „Theuern gehörte bis 1729 mit Rauenstein und Grümpen zu den Dörfern, in denen alleine die Herren von Schaumberg das Sagen hatten“, sagt Schwämmlein. Deshalb finden sich frühe Schriftstücke eher nur zufällig in den staatlichen Archiven, aber es gibt sie. Nur müsse die frühe Geschichte des Dorfes noch „gehoben“ werden. In jedem Fall lohne es sich, meint der Kreisheimatpfleger. Am Samstag, 22. März, wird Schwämmlein dazu sprechen. Der Vortrag im Hotel Sonneneck beginnt um 17 Uhr. Dann werden einige Geheimnisse der frühen Historie gelüftet und auch der Ortsname komme noch einmal auf den Prüfstand historischer Forschung.

Sage und harte Fakten

Spannend sei die Ortsgeschichte in jedem Fall, meint der Historiker. Der Ort besteht aus zwei Siedlungsteilen, dem Oberdorf am Hang des Steger und dem Unterdorf im engen Grümpental. Dort lag einmal eine Mühle, von der die Sage erzählt, dass von dort ein unterirdischer Gang zur Burg Rauenstein geführt habe, was letzterer im Dreißigjährigen Krieg zum Verhängnis geworden sein soll, denn so seien die Eroberer in die Burg gelangt. Soweit die Legende. Die belastbare Fakten sind weitaus nüchterner. Ritter, Waldbauern, Forstknechte, Müller, Köhler und Pechbrenner bestimmten die Geschicke der Ortsgeschichte. Im Tal rasselten Märbelmühlen, deren Rohstoff – meist Kalkgestein – Märbelpicker aus der Umgebung zugeschlagen haben – um daraus Murmeln entstehen zu lassen. Später kamen Sägemühlen und Wetzsteinfabrikanten dazu und der Fremdenverkehr. Das sind erst einmal alles Sachen, die man noch in Jahrhunderten messen kann, aber die Historie könnte deutlich älter sein.

Ein paar Jahrtausende mehr gäbe eine Wallanlage auf dem Herrenberg am Bleß her, die am Rand des Ortes, aber bereits auf Siegmundsburger Flur liegt. Noch älter als mit den Kelten auf dem Herrenberg geht es mit der Erdgeschichte – da wäre man schon bei Jahrmillionen. Diese wird nämlich der promovierte Geologe Markus Schade beleuchten. Die Heimatfreunde dürfen sich schon auf eine heimatkundlichen Reise in die geologische Vergangenheit der Region freuen. Schade ist bekannt durch seine populärwissenschaftliche Darstellungsweise aus den Führungen durch das Goldmuseum oder durch seine Bücher vom Gold. Letzteres gab und gibt es bekanntlich in der Grümpen, die durch Theuern fließt. Auch dieser Vortrag am Donnerstag, 1. Mai, wird ab 17 Uhr im Hotel Sonneneck stattfinden. Nach einem Einblick in die Geologie in und um Theuern vor etwa 600 Millionen Jahren wird Schade die geologische Abfolge der Entstehung der Goldvorkommen im Grümpental erläutern. Bekanntlich kann bis heute im Fluss – erfolgreich – Gold gewaschen werden, auch wenn es für’s Reichwerden wohl nicht ganz reich. Aber immerhin, Theuern Historie – die menschliche und die erdgeschichtliche ist reich genug.

Bereits länger unterwegs sind die Einwohner des Dorfes, um die Geschichte vor ihrer Haustür zu erforschen. Eine Ausstellung in der ehemalige Schule solle die Menschen aus dem Ort und besondere Geschehnisse in den Mittelpunkt stellen, bemerkt Müller. Einige seien damit befass, Zeitzeugen zu befragen. Der Film werde dann im Rahmen der 600-Jahr-Feier gezeigt. Höhepunkt wird eine Festwoche zwischen 30. April und 1. Mai sein. Geplant sind ein Kinderfest, ein Handwerkermarkt und eine Flurbegehung. Bereits in Arbeit ist ein Koch- und Backbuch mit Rezepten aus Theuern. Für das Dorf typische Gerichte sollen darin Aufnahme finden. Dann werde es noch einen bunten Abend sowie zwei Tanzveranstaltungen geben, bemerkt Müller. Also das Jubiläum gibt im Lauf des Jahres so einiges her. Damit könnte sich der Weg in den Schalkauer Stadtteil in den nächsten Wochen lohnen, auch ohne extra Jubiläum, das aber gerne gefeiert werden kann...