Jörg Lützelberger „Sehr ehrgeizig bin ich auch heute noch“

Gerd Nußpickel

Jörg Lützelberger kehrt an diesem Wochenende zurück in die alte Suhler Heimat – zumindest fast. Mit seiner HSG Konstanz muss er zum Auftakt der 2. Handball-Bundesliga in Coburg ran. Ein Gespräch vor dem ersten Anpfiff.

Seit diesem Sommer zweitklassig: Jörg Lützelberger, gebürtiger Suhler, heute Trainer von Handball-Zweitligist HSG Konstanz. Foto: Imago/Pressefoto Baumann/Alexander Keppler

Zum Saisonauftakt in der 2. Handball-Bundesliga empfängt der HSC 2000 Coburg am Samstag, 19.30 Uhr, die HSG Konstanz. Trainer des Aufsteigers ist seit letzter Saison der in Suhl geborene und aufgewachsene Jörg Lützelberger. Wir unterhielten uns im Vorfeld der Partie mit dem 37-Jährigen über die Rückkehr in seine Heimatregion, über seinen aktuellen Verein und die Erwartungen für die neue Spielzeit.

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Herr Lützelberger, für Sie ist das Spiel Ihrer Mannschaft in Coburg auch eine Rückkehr in die alte Heimat. Sie sind in Suhl, keine 30 Autobahn-Minuten von Coburg entfernt, geboren und aufgewachsen. Ist die Partie auch aus diesem Grund etwas Besonderes?

Ich freue mich sehr auf das Spiel. Coburg ist nicht nur meine Heimatregion, sondern hat auch eine spezielle handballerische Verbindung zu meinem Heimatverein in Suhl. Und davon ganz unabhängig eine fantastische Arena. Mein Vater wird zum Spiel kommen. Ich freue mich sehr, ihn zu treffen.

In Suhl haben Sie einst auch mit dem Handball begonnen und bereits als 17-Jähriger in der ersten Männermannschaft gespielt. Haben Sie noch Kontakt zu Mitspielern von damals? Und werden am Samstag vielleicht auch einige von ihnen in der Halle sein?

Ich habe diesen Sommer im Urlaub meinen alten Verein in Suhl besucht, um meinen Söhnen zu zeigen, in welcher Halle ich mit dem Handballspielen begonnen habe. Ich habe da sehr viel Freunde von früher in Suhl getroffen und kann mir gut vorstellen, dass einige in Coburg in der Halle sein werden.

In jedem Falle wird es für Sie ein Wiedersehen mit drei Akteuren aus dem aktuellen Coburger Kader geben. Die Jaeger-Zwillinge und Fynn Herzig kennen Sie noch sehr gut aus Ihrer Zeit an der Handball-Akademie in Gummersbach. Haben Sie ihren Weg in den letzten Jahren ein wenig mitverfolgt?

Ich habe ihren Weg natürlich verfolgt. Die Zeit in der Gummersbacher C-Jugend vor vielen Jahren ist mir immer noch sehr präsent. Und ich habe es mir auch nicht nehmen lassen, jedem eine Nachricht zum Geburtstag und bei besonderen Erfolgen oder Rückschlägen zu senden und wünsche ihnen für die neue Station in Coburg von Herzen alles Gute.

Sie sind seit einem Jahr Cheftrainer bei der HSG Konstanz und haben die Mannschaft gleich in Ihrer ersten Saison zum Wiederaufstieg in die 2. Handball-Bundesliga geführt. Was waren die wichtigsten Gründe, sich damals für ein Engagement in Konstanz zu entscheiden?

Konstanz ist ein extrem sympathischer Verein, bei dem der Trainer seine Arbeit machen kann und wie alle jungen Spieler auch mal Fehler machen darf. Ich habe vermutet, dass die Mannschaft und ich sehr gut zusammenpassen. Das hat sich im Saisonverlauf auch sehr schnell bestätigt, weshalb ich mich für eine weitere Saison in Konstanz entschieden habe. Dann sind wir aufgestiegen und dürfen somit jetzt in der 2. Liga antreten.

Sie haben selbst über ein Jahrzehnt lang in der 1. Bundesliga gespielt und in dieser Zeit auch viele Trainer direkt erlebt. War da auch der eine oder andere dabei, der Sie in Richtung Ihrer eigenen Trainer-Karriere geprägt und beeinflusst hat?

Ich denke, dass ich von jedem Trainer etwas mitgenommen habe. Mit dem Blick von heute war sicher die Zeit mit Alfred Gislason, Sead Hasanefendic und Jürgen Schweikardt beim VfL Gummersbach und beim TV Bittenfeld Stuttgart sehr wertvoll und prägend für meine heutige Zeit als Handballtrainer.

Wer Sie kennt, weiß, dass Sie schon in der Jugend sehr ehrgeizig und auf Handball fokussiert waren. Da kann doch Ihr persönliches Ziel eigentlich nur lauten, eines Tages auch als Trainer in der 1. Liga zu arbeiten?

Sehr ehrgeizig bin ich auch heute noch. Und wer einmal in der „stärksten Liga der Welt“ dabei sein durfte, weiß das auch sehr zu schätzen. Trotzdem bin ich inzwischen am Bodensee heimisch geworden und mit meiner Frau und unseren beiden Söhnen hier zu Hause, weshalb es in der nahen und mittleren Zukunft nicht so leicht sein wird, mich vom Bodensee wegzubekommen.

Wie schon in den letzten Jahren gilt die 2. Liga auch in diesem Jahr als überaus stark und vor allem sehr ausgeglichen. Auch wenn eine Prognose sicherlich sehr schwer ist: Was erwarten Sie von der am Wochenende beginnenden Zweitliga-Saison? Wo sehen Sie die Teams aus Konstanz und Coburg am Ende der Spielzeit?

„Schwer“ beschreibt eine solche Prognose nicht im Ansatz. Ich traue sie mir nicht zu und möchte sie deshalb auch nicht machen. Für die Teams, die eine erfolgreiche Saison spielen, wird es mit Sicherheit wichtig, konstant gute Leistungen zu zeigen, auch in den athletischen und präventiven Bereichen einen guten Job zu machen mit einem unrhythmischen Spielkalender, mit 38 Spielen über einen Zeitraum von über neun Monaten. Das ist ein Marathon und ich kann vorher wirklich nicht sagen, wie das weder für Konstanz noch für Coburg laufen wird. Ich wünsche beiden Mannschaften viel Erfolg. Und ich wünsche den Athleten eine verletzungsfreie Saison.

Jörg Lützelberger: Von Suhl in die Handball-Bundesliga

Mit 18 in die 1. Liga
Jörg Lützelberger wurde am 20. Juni 1985 in Suhl geboren. In der Waffenstadt lernte er das Handballspielen, lief im Männerteam in der 4. Handball-Liga auf. Mit gerade einmal 18 Jahren wechselte der Abwehr-Spezialist vom damaligen Oberligisten Suhl nach Großwallstadt in die 1. Handball-Bundesliga. Spätere Stationen waren unter anderem Gummersbach, Lemgo und Essen. Der Suhler bestritt rund 300 Spiele in der 1. Liga. Mit dem VfL Gummersbach gewann Lützelberger 2009 erst den EHF-Pokal und anschließend zweimal in Folge den Europapokal der Pokalsieger. Vor einem Jahr wurde der 37-jährige Sportwissenschaftler Chefcoach von Drittligist HSG Konstanz. In seiner ersten Saison gelang prompt der Aufstieg.

Die Wolfsgrube im Kopf
Jörg Lützelberger hat seine alte Handball-Heimat in Südthüringen nicht vergessen. „Ich habe vor allem die Heimspiele in Erinnerung. Das war für mich großer Handball. In der Wolfsgrube habe ich als Kind Zweitliga-Handball gesehen“, sagte er 2020 in einem Interview mit „Freies Wort“. Heute lebt Lützelberger mit seiner Frau Karen und den Söhnen Joshua und Leon in Lindau am Bodensee. Lützelbergers Vater ist in Schirnrod bei Sachsenbrunn zuhause.