Wer aus Not zu uns kommt und wem wir daher Schutz und Lebensunterhalt gewähren, der möge sich, sofern dazu in der Lage, mit nützlicher Arbeit revanchieren. Diese vernünftige und menschliche Überlegung steht hinter der Idee der Arbeitspflicht, die das Land und jeder Landkreis, wenn er will, Flüchtlingen auferlegen kann, solange sie in seinen Unterkünften wohnen. Ein Ostthüringer Landrat will das nun konsequent umsetzen – und Unwillige bestrafen. Ob das im Saale-Orla-Kreis klappt, ist noch nicht ausgemacht. Denn die Durchsetzung der Arbeitspflicht zu diesen 80-Cent-Jobs kostet die Behörden nicht nur viel Geld und Personal. Sie schafft auch hiesige wirtschaftliche Verlierer. Jeder Müll oder Schnee, der von Flüchtlingen beseitigt, jede Wiese, die gepflegt und jedes Kantinenessen, das von solcherlei Verpflichteten ausgegeben wird, nimmt diese Tätigkeit jemandem weg. Einheimischen, die dies zum Tariflohn erledigen würden und nicht für die 80 Cent pro Stunde, die Asylbewerbern zustehen. Es gibt kaum gemeinnützige Jobs, die nicht in Billigkonkurrenz zu Dienstleistungsfirmen stünden – außer, sie wären so nutzlos und überflüssig, dass ohnehin niemand dafür zahlen würde. Das ist der gute Grund, warum bisher niemand die Arbeitspflicht auf breiter Basis eingeführt hat. Nun also ein neuer Versuch. Schaun mer mal.