Jena/Burnaby Studien belegen: Masken reduzieren Zahl der Ansteckungen

Der Griff zur Maske ist für die meisten Menschen zur Routine geworden. Doch es gibt auch Vorbehalte. Archiv Foto: ari

Lange lavierte die Politik in Deutschland herum, ob sie Alltagsmasken vorschreiben soll. Eine Studie aus Kanada belegt nun, dass Masken die Zahl der Corona-Ansteckungen stark reduzieren können. Auch Ergebnisse aus Jena werden nun untermauert.

Jena/Burnaby - Jena gilt als Musterbeispiel, das die Wirksamkeit von Alltagsmasken zum Schutz vor der Ausbreitung des Coronavirus belegt. Schon im Juni rechneten Wissenschaftler am Beispiel der ostthüringischen Hochschulstadt vor, dass in Jena die Zahl der Corona-Neuinfektionen schon sehr früh im Jahr um bis zu 40 Prozent unter den Werten vergleichbarer deutscher Städte lag. Denn Jena war einen Sonderweg gegangen.

Von Maschen und Molekülen

Immer wieder machen vor allem in sozialen Medien Meldungen die Runde, Menschen seien durch das Tragen einer Gesichtsmaske gestorben. Erst vergangene Woche hieß es, ein Sechsjährigen Mädchen sei in Schweinfurt in einem Schulbus zusammengebrochen und gestorben, weil es einen Mund-Nasen-Schutz trug. Polizei und Staatsanwaltschaft konnten diese Meldungen bisher jedoch in keinem einzigen Fall bestätigen. So hieß es aus Schweinfurt, dass schlicht kein Todesfall einer Sechsjährigen bekannt sei. Auch Mediziner erklären immer wieder, dass von Masken keine Gefahr ausgehe. Schon einfach Physik und Chemie helfen, das zu verstehen. So können selbst Masken der höchsten Schutzklasse FFP 3 lediglich Partikel bis zu einer Größe von 0,6 Mikrometern zurückhalten. Das sind 0,0006 Millimeter. Damit sind die Lücken in einer Maske zwar größer als ein einzelnes Coronavirus, dass zwischen 70 und 160 Nanometer groß ist. Allerdings treten Viren selten einzeln auf, sondern sind in der Regel an Tröpfen gebunden. Also an menschlichen Speichel oder Schleim. Der wiederum tritt in so großen Tröpfchen auf, dass selbst Stoffmasken zumindest einen Teil zurückhalten. Nicht jedoch Kohlendioxid. Denn ein Kohlendioxid-Atom hat eine Größe von 3,24 Ängström, also 0,000000324 Millimeter und ist somit 2000 Mal kleiner als die Löcher in einer FFP 3-Maske. Das Kohlendioxid kann also auch dort entweichen und erst recht bei einer Stoffmaske. Das haben auch mehrere Studien inzwischen belegt. So ließ ein Ärzteteam in den USA 30 Patienten mit der Lungenkrankheit OCPD ihren wöchentlichen Spaziergang zum Test der Lungenfunktion mit einer Maske absolvieren. Dabei wurde zwar ein Rückgang der Sauerstoff-Sättigung festgestellt, doch er lag auf dem Niveau, das auch sonst für diese Patienten üblich ist.

Schon am 6. April waren Masken beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr in Jena zur Pflicht geworden. Zu diesem Zeitpunkt zweifelten die zuständigen Behörden in Deutschland noch am Nutzen einfacher Gesichtsmasken. In den Monaten danach fanden Wissenschaftler der Universität Mains heraus, dass es in den drei Wochen nach Einführung der Maskenpflicht in Jena viermal weniger neue Fälle als in den Vergleichskommunen gegeben hatte. Laut Fazit der Forscher "tut sich eine signifikante Kluft zwischen den Fallzahlen in Jena und der Vergleichsgruppe ohne Maskenpflicht auf". 20 Tage nach Einführung der Maskenpflicht in Jena sei die Gesamtzahl der dort registrierten Covid-19-Fälle lediglich von 142 auf 158 gestiegen, im Vergleichsmodell stieg die Zahl von 143 auf 205.

Die Ergebnisse aus Jena werden nun auch von internationalen Studien untermauert. So hatten sich Ökonomen der Simon-Fraser-Universität im kanadischen Burnaby die Ausbreitung des Coronavirus in Kanada genauer angeschaut. Dort wurde die Maskenpflicht in den verschiedenen Provinzen über mehrere Monate hinweg nach und nach eingeführt. In der Provinz Ontario währte dieser Prozess in den 34 Unterregionen sogar mehr als zwei Monate lang. Da ansonsten überall annähernd dieselben Vorgaben im Kampf gegen das Coronavirus galten, konnten die Forscher die Ausbreitung in den Regionen gut miteinander vergleichen.

"Wir stellen fest, dass eine Maskenpflicht in den ersten Wochen nach ihrer Einführung mit einer durchschnittlichen Verringerung der wöchentlichen Anzahl neu diagnostizierter Covid-19-Fälle um 25 bis 31 Prozent verbunden ist", schreiben die Wissenschaftler zum Fall Ontario und seinen Unterregionen in ihrer nun veröffentlichten Studie.

Beim Vergleich der verschiedenen Provinzen ergaben sich sogar noch höhere Werte: 36 bis 46 Prozent weniger Fälle seien in den Regionen festgestellt worden, in denen eine Maskenpflicht galt. Mit anderen Worten: Trägt die Bevölkerung an allen öffentlichen Orten eine Maske, kann dies im besten Fall womöglich zu einer Halbierung der Neuinfektionen führen.

Die Kanadier betonen, dass ihren Berechnungen nun eine größere Datenmenge zugrunde liegt. Sie können damit die Ergebnisse unter anderem zur Studie zum Sonderfall Jena nicht nur bestätigen, sondern auch der Politik endgültige Gewissheit geben, dass eine Maskenpflicht im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus ein effektives Mittel ist. jol

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