Jazz-Stimme des Ostens Sie war einfach „die Lütte“ – Angelika Mann ist tot

Wegen ihrer Körpergröße von 1,49 Metern wurde sie nur „die Lütte“ genannt: Angelika Mann. Nun ist die Sängerin und Schauspielerin im Alter von 76 Jahren gestorben.

Angelika Mann in Aktion. Foto: Patrick Pleul/dpa

Im Osten wurde Angelika Mann vor allem mit dem Jazz in Verbindung gebracht: Die gelernte Apothekerin startete in den 1970er Jahren mit ihrer Musikkarriere richtig durch: Zunächst an der Seite des Komponisten Reinhard Lakomy. Ihre unverwechselbare Stimme ist etwa auf Lakomys millionenfach verkaufter Kinderschallplatte „Traumzauberbaum“ zu hören. Mann sang aber auch mit Manfred Krug und der Jazz-Sängerin Uschi Brüning, war Frontfrau der Band Obelisk und moderierte die Sendung „Rockmusik zum Anfassen“ im DDR-Fernsehen.

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Zu ihrer komödiantischen Art passten ebenso Anekdoten wie diese: Eines Abends trat Udo Jürgens im Friedrichstadtpalast auf. Mit weißem Kittel und kaputter Strumpfhose fuhr die künftige Apothekerin in einer Mittagspause zum Hotel - und wurde von Jürgens mit hineingenommen.

Auch im Westen Fuß gefasst

In den 1980er Jahren war dann Schluss: Mann stellte einen Ausreiseantrag und durfte 1985 in den Westen. In Ihrer Autobiografie „Was treibt mich nur?“, die sie 2017 auch in Suhl vorstellte, blickte sie intensiv auf die DDR-Zeit zurück. „Seit Jahren kämpfte man immer um dieselben Dinge: Texte, Musik, Klamotten, Auftritte, Musikinstrumente“, heißt es in dem Buch. Sie wurde auch drangsaliert, weil sie die Petition gegen die Biermann-Ausbürgerung mit unterschrieben hatte. Costa Cordalis, der gerade auf DDR-Tournee war, hatte sie zuvor schon ihren Flügel mitgegeben.

Im Westen fasste sie rasch wieder Fuß, kehrte nach dem Mauerfall dennoch gerne wieder zurück in den Osten Deutschlands. So war sie in der Comödie Dresden im Theaterstück „Kalender Girls“ unter anderem an der Seite von Viktoria Brams, Ursula Karusseit und Uta Schorn zu sehen. Auch vor der Kamera stand sie. In Rosa von Praunheims Film „Der Einstein des Sex“ spielte sie einen Mann.

2008 schilderte Mann in der Zeitschrift „SuperIllu“, dass sie wegen eines betrügerischen Steuerberaters in eine tiefe finanzielle und persönliche Krise geraten sei. Wegen hoher Schulden beim Finanzamt habe sie Privatinsolvenz anmelden müssen.

2021 erlitt die Künstlerin mit dem frohen, optimistischen Wesen einen weiteren Schicksalsschlag: Sie erhielt eine Brustkrebs-Diagnose. Dennoch stand „die Lütte“ weiter auf der Theaterbühne, ließ sich nichts anmerken und trug Perücke.

2023 sagte sie der „SuperIllu“: „Ich bin im letzten Teil meines Lebens angekommen, da muss man sich gar nichts vormachen. ... Bettwäsche oder Koffer kaufe ich nicht mehr. Ich gebe das Geld lieber für schöne Erlebnisse, eine Reise, Theaterkarten, einen Restaurantbesuch aus.“