Iran-Krieg Jüdische Gemeinde fordert Unterstützung für Militärschläge

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Europa betone die negativen Seiten des Iran-Krieges zu stark, meint der Vorsitzende der jüdischen Landesgemeinde in Thüringen. Von Deutschland erwartet er mehr.

Reinhard Schramm (links), Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Bodo Ramelow (Mitte, damals Ministerpräsident von Thüringen), und Suleman Malik, Sprecher der Religionsgemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland, auf dem früheren Appellplatz in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald (Archiv). Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Der Krieg im Nahen Osten wird vom Zentralrat der Juden und der jüdischen Landesgemeinde in Thüringen deutlich positiver bewertet als von anderen Gruppen. Es liege „in unserem ureigenen nationalen Interesse, die USA und Israel im Kampf gegen dieses Terrorregime zu unterstützen. Nicht für andere, sondern für unsere offene Gesellschaft in Deutschland“, erklärte Josef Schuster, Präsident des Zentralrat der Juden in Deutschland.

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Schuster: Ende des Mullah-Regimes bedeutet mehr Sicherheit in Deutschland

Das Mullah-Regime im Iran sei seit vielen Jahren einer der wichtigsten Financiers und Architekten des globalen Terrors. Längst trieben die Agenten des iranischen Regimes und seiner Stellvertreter auch hierzulande ihr Unwesen

Gelinge es, das Regime in die Knie zu zwingen, hätte das – von bedrohten Minderheiten und oppositionellen Exil-Iranern bis zu Angriffen auf kritische Infrastruktur – unmittelbare Auswirkungen für die Sicherheit in ganz Deutschland, so Schuster.

Weil der Iran auch hinter zahlreichen Angriffen auf Jüdische Gemeinden stecke, könnte die Jüdische Gemeinschaft zudem in einem Deutschland ohne iranische Terror-Agenten ihrem Ziel eines sichtbaren Lebens ohne Schutzschild endlich einen bedeutenden Schritt näherkommen, so der Vorsitzende des Zentralrats.

Schramm: Chancen in dem Konflikt sehen

 Der Krieg gegen den Iran bietet nach Einschätzung des Vorsitzenden der jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, Reinhard Schramm aus Ilmenau, eine Chance: Er verbinde mit diesem Konflikt die Hoffnung, dass es nach Jahrzehnten der Bedrohung des jüdischen Volkes durch den Iran nun zu einem Ende des dortigen Mullah-Regimes kommen werde, sagte Schramm der Deutschen Presse-Agentur. „Das System ist bereits stark geschwächt und das hilft dem iranischen Volk, seinen Widerstand zu erhöhen und dieses System letzten Endes zu beseitigen.“

Sollten sich die Menschen im Iran dann entschließen, sich in Richtung eines demokratischen Staates zu orientieren, dann könnte das im besten Fall zu echter Sicherheit für Israel und zu einem langanhaltenden Frieden in der Region führen.

Unverständnis für europäische Reaktionen

Er könne deshalb nicht verstehen, dass unter anderem in Europa die negativen Seiten dieses Krieges übermäßig stark betont würden, wenngleich alle Opfer der anhaltenden Bombardierungen zu betrauern seien, sagte Schramm.

Es habe die reale Gefahr bestanden, dass der Iran in Zukunft in der Lage gewesen wäre, Israel entweder mit Hilfe von Atomwaffen oder durch den Einsatz anderer moderner Kriegstechnik auszulöschen, so wie die iranischen Machthaber das in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder angedroht hatten.

„Ich denke, man sollte mit schlechtem Gewissen jetzt mehr tun“

Von der Bundesregierung forderte Schramm vor diesem Hintergrund eine noch stärkere Unterstützung Israels und auch der USA, sagte Schramm. Zwar erkenne er an, dass sowohl Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) als auch Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) sich bereits verhältnismäßig klar auf Seiten Israels und der USA gestellt hätten.

Weil die Europäer aber in den vergangenen Jahren deutlich zu wenig getan hätten, um das iranische Atomprogramm zu stoppen, müssten sie noch deutlicher sagen, dass sie die Militärschläge unterstützten. „Ich denke, man sollte mit schlechtem Gewissen jetzt mehr tun“, sagte Schramm.

Das gelte insbesondere für Deutschland, weil mit den Militärschlägen auch die Sicherheit tausender jüdischer Familien verteidigt werde, die deutsche Wurzeln hätten.

Risiken für die Juden in Thüringen

Für die Juden in Thüringen und Deutschland birgt der neuerliche Krieg im Nahen Osten nach Einschätzung Schramms aber auch weitere Risiken. „Natürlich haben die Juden das Gefühl, dass die Gefahr wächst“, sagte Schramm.

Es sei zu befürchten, dass der Iran mit Anschlägen in Deutschland auf den Krieg reagiere. „Diese Gefahr spüren wir.“ Es sei deshalb richtig, dass auch in Thüringen der Schutz jüdischer Einrichtungen durch die Polizei verstärkt worden sei.