Interview Ins „Bergdorf“ kann nicht jeder

Von Thomas Klemm
Aus der Eisenacher Umklammerung konnten sich die Spieler des FC Steinbach-Hallenberg (in Grün-Schwarz) am 6. Spieltag der Landesklasse noch befreien. Sie gewannen in Unterzahl mit 5:3 Toren. Foto: Sascha Bühner/Archiv

Seit Mitte November 2021 ruht in der Fußball-Landesklasse, Staffel 3, der Spielbetrieb. Nun beginnen langsam die Vorbereitungen für die Wiederaufnahme der Punktspiele im Frühjahr. Auch beim FC Steinbach-Hallenberg.

Steinbach-Hallenberg - Die Heimatzeitung lässt in der Zwischenzeit in unregelmäßigen Abständen die Trainer der Landesklassen-Mannschaften aus der Region zu Wort kommen. Heute ist David Reich vom FC Steinbach-Hallenberg an der Reihe. Seine Fußball-Mannschaft beendete die Hinrunde vor dem Zwangsstopp am 7. November mit einer 2:4-Auswärtsniederlage beim Tabellenzweiten, der SG Borsch. Sollte der Ligabetrieb Mitte März wieder aufgenommen werden können, wartet als erster Punktspielgegner die SG Glücksbrunn Schweina und damit der Spitzenreiter auf die Steinbach-Hallenberger. Im Interview erklärt David Reich, wie sich seine Haseltaler auf dieses Auswärtsspiel am 5. März vorbereiten, wie die personelle Situation in seinem Team aussieht, was in Sachen Bergdorf-EM geplant ist und was er sich persönlich für die Zukunft wünscht.

Herr Reich, herrscht schon wieder reges Treiben auf dem Trainingsgelände in der Menz-Arena?

Wir sind seit Mitte Januar in der Menz-Arena. Jetzt sind wir wieder alle zusammen. Es gab Zeiten, in denen sich die Spieler untereinander getroffen haben. Das war eher eine gemeinsame freizeitliche Zusammenkunft ohne Trainer. Aber seit 18.1. ist Saisonvorbereitung.

Sind Ihre Jungs gut und ausgeruht aus der Winterpause zurückgekehrt. Sind alle wieder an Bord?

Sie sind heiß aufs Training, und sie sind auch alle da, bis auf den langzeitverletzten Robert Teske. Der fehlt uns schmerzlich. Sein Knie hat sich noch nicht so verbessert, dass er den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen könnte. Er wird erst im Laufe der Rückrunde, wenn überhaupt, wieder zur Mannschaft stoßen. Ansonsten sind alle dabei. Wir haben keine Abgänge, keine Zugänge. Abgänge gab es nur in der zweiten Mannschaft mit Lukas Eckstein und Florian Menz, die beide nach Oberschönau gewechselt sind. Wir trainieren zusammen, aber für die erste Mannschaft sind die beiden Abgänge nicht sonderlich relevant.

Erklären Sie uns bitte kurz die Corona-Regelungen, an die sich die Spieler und Zuschauer beim Training und in den kommenden Spielen zu halten haben!

Stand jetzt ist, dass nur 2G gilt. Das heißt, nur genesene und geimpfte Spieler dürfen ran. Für den Trainer- und Betreuerstab gilt 3G, weil es für sie eine Art Arbeit ist. Deshalb können wir 98 Prozent aller Spieler trainieren lassen. Ich selbst gehe vorher zum Test. Das Testzentrum ist in der Menz-Arena. 17.30 Uhr gehe ich hin, lasse mich testen, und 18 Uhr gehe ich auf den Platz. Vorausgesetzt natürlich, der Test ist negativ. Bei den Spielern haben wir Listen, in denen ihr Status festgehalten ist. Die müssen mir bei jeder Trainingseinheit unterschreiben, dass ihre G-Zertifikate aktuell sind. Wir schauen schon, dass wir die 2G-Regel streng einhalten. Bei uns gibt es drei, vier Spieler, die den Impfstatus offen haben. Aber hinsichtlich der entsprechenden Abfrage durch den KFA und den Thüringer Fußballverband lautet unsere eindeutige Meinung: Wir spielen unter 3G. Weil wir sagen, wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung, und die tragen wir für alle. Wenn wir ohne Zuschauer spielen sollten, lautet unsere Meinung: Ungern, aber wenn es sein muss, tragen wir das mit. Wir wollen erst einmal den Spielbetrieb wiederhaben. Wenn es nötig ist, tragen wir auf der Auswechselbank auch Masken.

Kommen wir mal auf die nächsten Aufgaben zu sprechen. Was ist Ihnen aus Richtung Glücksbrunner Trainingsgelände zu Ohren gekommen. Wie ist Ihr nächster schwerer Punktspielgegner Ihrer Meinung nach derzeit drauf? Was haben sich Ihre Männer für das Spiel am 5. März vorgenommen?

Da muss ich sagen, dass wir noch gar nicht auf dieses Spiel hinarbeiten. Erst einmal arbeiten wir so, dass wir die Jungs wieder so hinbekommen, dass sie Fußball spielen könnten. Und wir wollen eine Plattform bieten, dass sie überhaupt ihrem Hobby nachgehen können. Deshalb haben wir eine Fülle an Vorbereitungsspielen geplant. Stand jetzt haben wir vier Testspiele sicher, mit Ilmenau verhandeln wir noch. Wir wollen an den vier Februarwochenenden fünf Spiele machen. Von der Entscheidung des Verbandes wird es abhängig sein, wie wir uns auf unsere nächsten Punktspielgegner vorbereiten. Wir gucken übrigens weniger auf den Gegner als darauf, wie wir unser Spiel verbessern können. Und wenn wir gegen Schweina auf Kunstrasen spielen, wie im Hinspiel, dann umso besser. Wir sind Kunstrasen gewohnt und das 8:3 war klasse.

In der Tabelle, die zum jetzigen Zeitpunkt natürlich nicht den aktuellen Leistungsstand der Mannschaften widerspiegeln kann, steht der FC Steinbach-Hallenberg auf Rang fünf. Zu Beginn der Saison stand Ihre Elf ja ganz oben. Mittlerweile sind Schweina und Borsch etwas enteilt, aber zwischen dem Dritten, Wacker Gotha, sowie dem Herpfer SV als Viertem und Ihrer Elf herrscht mit 21 Zählern Punktegleichheit. Wie wollen Sie die Rückrunde gestalten?

Wir haben zum Ende der Hinrunde Federn gelassen, die wir nicht lassen wollten. Vor allem die Punktverluste gegen die Fahner Höhe und Waltershausen waren unschön. Nach der Zwangspause weiß wohl keine Mannschaft, wo sie steht. Man beginnt sozusagen bei null. Und wenn wir gegen eine so gute Mannschaft wie Schweina antreten, dann wissen wir nach dem Spiel, wo wir stehen. Man fährt dorthin, holt drei Punkte oder halt weniger. Wir haben uns als Zielstellung im Verein eine Platzierung rund um Rang drei vorgenommen. Das heißt, plus zwei, minus zwei ist da vollkommen okay. Wir haben uns allerdings gegen vermeintlich schwache Gegner schwergetan, wie beispielsweise in dem Eisenach-Spiel, wo wir erst hinten gelegen haben. Allerdings konnten wir diese Partie durch einen Superlauf noch 5:3 gewinnen. Da war schon abzusehen, dass wir ein Stück weit Stabilität verloren hatten. Das hängt aber auch mit Robert Teske zusammen, der sich in dem vorhergehenden Spiel gegen Bad Salzungen die schwere Knieverletzung zugezogen hatte. Wir können diesen Spieler punktuell ersetzen, aber über einen langen Zeitraum wird das ganz schwierig. Gerade im zentralen Mittelfeld lag dann eine große Last auf den jungen Spielern wie Marcel Bischoff oder Valentin Recknagel. Die Pause kam für uns vielleicht drei Spiele zu spät, weil wir uns da ja die neun Punkte Rückstand eingefangen haben. Wir werden alles tun, um nach der Winterpause die Spiele zu gewinnen und uns damit einen Lauf zu erarbeiten.

Wenn Sie eine Bilanz der bisherigen Spiele ziehen. Welche haben Ihnen besonders gut gefallen und in welchen Partien saßen Sie eher gefrustet auf der Trainerbank?

Relativ gut gefallen haben mir die Auftritte gegen Schweina und Meiningen daheim. Das 5:2 gegen Meiningen war für die Zuschauer sicher eine Augenweide. Da haben wir Moral gezeigt. Das waren die Spiele, in denen ich als Trainer nie das Gefühl hatte, wir verlieren es. Interessanterweise hatte ich dieses Gefühl gegen Eisenach auch nicht, obwohl wir in Unterzahl 1:3 hinten lagen. Das Eisenach-Spiel war für mich so der Knackpunkt der gesamten Hinrunde. Einerseits haben wir gemerkt, wir gewinnen auch so ein Spiel. Andererseits hat das den Spielern suggeriert, oh, wir haben einen Lauf, wir können hinten liegen, wir können in Unterzahl spielen und gewinnen dennoch gegen jeden. Danach haben vielleicht zwei, drei Prozentpunkte bei meinen Spielern gefehlt, die ich als Trainer auch nicht eingefordert habe. Es bestätigt sich, dass jeder Erfolg immer wieder neu erarbeitet werden muss. Bei den Spielen gegen Waltershausen habe ich draußen gedacht, heute kannst du machen, was du willst, es funktioniert nicht. Das war bitter. Und beim Spiel in Borsch, wo wir auf Augenhöhe waren und durch zwei, drei unglückliche Schiedsrichterentscheidung ins Hintertreffen geraten sind. Da fragt man sich: Warum hat es die Mannschaft so abgekriegt. Das hat sie doch gar nicht verdient, nach ihrer Leistung.

Kommen wir auf die Jugend zu sprechen. Wie schätzen Sie die Nachwuchsarbeit in Ihrem Verein ein und inwiefern profitiert die erste Männermannschaft von dieser Arbeit?

Ich denke, der FC Steinbach-Hallenberg hat sich in Sachen Jugendarbeit über die Ortsgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Wir sind in der Region Südthüringen einer der wenigen Vereine, die eigentlich seit der Wende in allen Altersklassen immer wieder Mannschaften an den Start kriegen. Das funktioniert aber nur mit einer guten Vorstandsarbeit und mit gut qualifizierten Trainern. Ich nehme es als Trainer der ersten Mannschaft durchaus wahr, dass alle Nachwuchstrainer so emsig bei der Sache sind, zu Weiterbildungen fahren und ihre Sache so ernst nehmen, dass sie die Kinder begeistern. Und wenn man begeistert ist von einer Sache, ist man auch gewillt, ein Stück weit mehr zu machen. Davon profitieren dann auch wir oben bei den Männern. Ich persönlich bin der Meinung, dass die besten Trainer im Nachwuchs eingesetzt werden müssten, weil dort nicht nur der Fußballer gemacht, sondern die ganze Persönlichkeit geformt wird. Der Idee eines Jugendfördervereins, die derzeit vor allem in Viernau durchgespielt und forciert wird, stehen wir hingegen eher zurückhaltend gegenüber. Demnächst geht dann vielleicht ein Hauen und Stechen los, und die Jungs werden eventuell mit Geld geködert, dann wird es schwierig. Und jeder kämpft halt auch um Spieler. Die Menge derer, die Fußball spielen, ist begrenzt und sie wird gefühlt von Jahr zu Jahr kleiner.

Stichwort Geld: Gibt es in Ihrer Mannschaft Spieler mit einem Amateurvertrag?

Nein, nicht, dass ich wüsste. Eigentlich will ich es auch nicht wissen, als Trainer. Die finanziellen Dinge regelt der Vorstand. Da hänge ich mich nicht rein. Es ist Sache der Spieler, das mit dem Vorstand zu klären.

Was tut sich denn in Sachen Bergdorf-EM, bei der der FC Steinbach-Hallenberg die deutsche Nationalmannschaft stellen wird?

Die Bergdorf-EM soll Anfang Juli stattfinden. Sie ist nach Zermatt verlegt. Wir wollen daran teilnehmen und gehen davon aus, dass sie auch stattfindet. Wir planen dabei auch mit Spielern nicht nur vom FC, sondern auch aus dem Umfeld. Allerdings ist der Kader auf zwölf Spieler begrenzt, zehn Feldspieler und zwei Torhüter, weil wir im Modus sieben gegen sieben agieren werden. Hinzu kommt ein Trainer und ein Betreuer.

Wagen wir zum Schluss ein Blick auf das persönliche Umfeld. Was wünschen Sie sich für die kommenden Monate in Sachen Landesklassen-Spielzeit, in Sachen gesellschaftliches Zusammenleben und für Sie ganz persönlich?

In Sachen Fußball wünsche ich mir, dass der relativ schnell wieder zur Normalität gelangen möge und wir einen Regeltrainingsbetrieb anbieten können. Hoffentlich kann auch der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. Schließlich trainiert man ja, um gemeinsam zu spielen, um Erfolge feiern zu können und Misserfolge betrauern zu können. Das wünsche ich mir, dass das schnellstmöglich wieder der Fall ist. Persönlich wünsche ich mir, dass in unserer Gesellschaft das Verständnis füreinander wieder die Oberhand gewinnt, der Respekt, die Anteilnahme, und dass man dem anderen zuhört. Damit sich die zu beobachtende Spaltung nicht noch vertieft.

 

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