Interview „Im Sommer geht das nicht“

Susann Eberlein
Sommer-Weltmeister im Supersprint: Philipp Horn. Foto: Kevin Voigt

Bei der Sommer-Biathlon-WM in Ruhpolding hat sich Philipp Horn zum Weltmeister im Super-Sprint gekürt. Bei den Deutschen Meisterschaften will er am Wochenende in Oberhof ebenfalls um Edelmetall kämpfen.

Herr Horn, Sie sind als Weltmeister im Super-Sprint aus Ruhpolding in die Heimat zurückgekehrt. Wie klingt das in Ihren Ohren?

Es ist ein cooles Gefühl, dass ich mich jetzt Sommer-Biathlon-Weltmeister nennen darf. Ich habe auf keinen Fall mit einem Sieg gerechnet, weiß ihn aber auch gut einzuschätzen. Die Sommer-Biathlon-WM hat nicht den Stellenwert einer Weltmeisterschaft im Winter.

Was war das Erfolgsrezept?

Der Super-Sprint ist das mit Abstand stressigste Rennen. Alle wollen nach dem Schießen so schnell wie möglich zurück auf die Strecke. Wir waren auf der Zielgeraden zu sechst und keiner wusste, wer die Medaillen holt. Es ist sehr knapp, da kann wirklich alles passieren. Ich glaube, ich habe mich am Schießstand gut verkauft, auch unter dem hohen Stress. Das Heimpublikum hat jeden Schuss bejubelt. Im ersten Moment war es ungewohnt, weil wir lange keine Rennen vor

Fans gelaufen sind. Ich bin stolz auf mich, dass ich ganz gut bei mir geblieben bin.

Sich auf sich und seine Leistung zu konzentrieren, ist das eine Lehre, die Sie aus der vergangenen Saison gezogen haben?

Manchmal fällt es mir total leicht und manchmal nehme ich rundherum alles wahr.

Wenn der Gegner auf die Matte kommt, wenn er trifft oder einen Fehler schießt, wenn der Stadionsprecher spricht. Es ist eine Gewohnheitssache. In der Saison, in der ich komplett im Weltcup gelaufen bin, hatte ich diese Kulisse jedes Wochenende mehrfach. Dafür, dass es das erste Rennen mit Publikum und Druck und Stress seit Langem war, habe ich es ganz gut hinbekommen.

Am Wochenende stehen die Offenen Deutschen Meisterschaften in Oberhof an. Was haben Sie sich für die Rennen vorgenommen?

Ich will um Medaillen kämpfen. Ich habe in den vergangenen Jahren gezeigt, dass ich zum Favoritenkreis gehöre und dieser Rolle möchte ich auch gerecht werden. Ich sehe die Deutsche Meisterschaft als sehr wertvolle Trainingsrennen. Den Wettkampfdruck kann man nicht simulieren. Und für mich sind die Rennen eine Vorbereitung auf den nächsten wichtigen Schritt, die Qualifikation für den Weltcup.

Nach drei Baujahren wird die Arena am Rennsteig am Freitag offiziell ihrer Nutzung übergeben. Ist das auch für Sie als Sportler ein Meilenstein?

Obwohl wir mit der Anlage am „Teller“ eine sehr gute Ausweichmöglichkeit hatten, hat in den vergangenen Sommermonaten schon etwas gefehlt. Deswegen haben wir richtig darauf hingefiebert, wieder im Stadion trainieren zu können. Im Hinblick auf den Winter und die WM kann man den Schießstand gut kennenlernen. Wie muss ich auf Windverhältnisse reagieren? Wie laufe ich an den Stand ran? Diesen Heimvorteil muss man nutzen.

Die Titelkämpfe werden auf Skirollern entschieden. Können Sie das Gefühl, im Vergleich zum Winter, beschreiben?

Im Winter sind die Strecken tendenziell schwerer mit längeren, steileren Bergen. Das geht im Sommer nicht, weil die schnellen Abfahrten, ohne Bremse auf dem Asphalt, zu gefährlich werden würden. Dementsprechend ist die Technik nur bedingt vergleichbar. Im Sommer läuft man mehr in der 1-1-Technik mit viel Krafteinsatz, im Winter eher mit Bergtechnik. Die Rennen auf Skirollern kommen den Winterwettkämpfen schon sehr nah, aber vergleichen kann man sie nicht.

Der Name Horn steht gleich zweimal auf der Starterliste der Deutschen Meisterschaften. Ihre Ehefrau Antonia wird ihren ersten großen Auftritt als Biathletin haben. Tauschen Sie sich aus?

Es wird eine Probe für sie, aber ich glaube, sie ist gut vorbereitet. Im Moment strömen so viele neue Dinge auf sie ein. Da will ich nicht zu sehr hineinpfuschen und sagen, was sie zu tun und zu lassen hat. Sie muss eigene Erfahrungen sammeln. Aber wenn sie Fragen hat, stehe ich natürlich zur Verfügung (lacht).

Wir verlosen Tickets

5 x 2 Karten
 Für unsere Leser verlosen wir für den Samstag 5 x 2 Karten – plus ein Biathlonschießen nach den Wettbewerben für alle Gewinner. Die ersten, die sich am heutigen Mittwoch unter der E-Mail-Adresse sport@freies-wort.de melden und das Kennwort „Deutsche Meisterschaften“ angeben, bekommen die Freikarten. Wir wünschen viel Glück!

Zeitplan
 Donnerstag, 1. September: Offizielles Training; Freitag, 2. September: Einzelrennen der Frauen über 12,5 Kilometer (11 Uhr), Einzelrennen der Männer über 15 Kilometer (13.30 Uhr) – direkt im Anschluss an die Siegerehrung der Männer wird die Lotto Thüringen Arena am Rennsteig nach dreijähriger Bauzeit offiziell eröffnet und dem Sport übergeben; Samstag, 3. September: Sprint der Frauen (11 Uhr) und Sprint der Männer (13.30 Uhr); Sonntag, 4. September: Verfolgungsrennen der Frauen (10.30 Uhr) und der Männer (13 Uhr).  

 

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