Internationales Picknick Die Welt is(s)t kunterbunt

Annett Recknagel

Frauen aus Syrien, Afghanistan, Schmalkalden und Umgebung trafen sich zum internationalen Picknick im Technologie-Gründer und Förderzentrum (TGF). Organisatorin war die Interessengemeinschaft zur Förderung der beruflichen Weiterbildung (IFBW).

Schmalkalden - Ein sprachliches Wirrwarr? „Eher ein bunter Multikulti“, meinte Sina Diller von der Interessengemeinschaft zur Förderung der beruflichen Weiterbildung (IFBW) in Schmalkalden. Außer in Deutsch wurde sich in Arabisch und in Dari unterhalten. Zwischendurch vernahm man auch englische Sätze. Die Akteure waren Frauen aus dem hiesigen Landkreis, aus Syrien und Afghanistan. Ein jeder unterhielt sich mit Seinesgleichen. Aber nur zu Beginn des internationalen Frauenpicknicks, das Susanne Roob und Laura Papagiannis vom IFBW vorbereitet hatten. Ziel war es, sich auszutauschen und sich so besser kennenzulernen.

Alle 20 anwesenden Damen belegen derzeit verschiedene Projekte beim IFBW. TIZIAN befasst sich mit Integration und Armutsbekämpfung, MIA soll insbesondere Migrantinnen im Alltag stärken, UVgA bietet Unterstützung der Vermittlung bei ganzheitlichem Ansatz an und das Projekt mit Namen „gestärkt“ spricht für sich alleine. Die Frauen kannten sich bis dato nicht. Und gerade deshalb war es für die beiden Organisatorinnen so wichtig, dass sie miteinander ins Gespräch kamen. Mit dem internationalen Picknick wurde ein Ort für Begegnung geschaffen. Man traf sich im Obergeschoss der Technologie und Gründer-Förderungsgesellschaft Schmalkalden/Dermbach GmbH, mit der das IFBW sehr gut zusammen arbeitet. Die sprachlichen Barrieren waren natürlich eine Herausforderung. Das aber hatten Susanne Roob und Laura Papagiannis bei ihrer Programmplanung beachtet. Zunächst sollten sich die Damen mischen. Dafür wurden verschiedene Puzzleteile verteilt. Immer zwei Partner mussten sich finden. Tische standen ausreichend zur Verfügung. Die Gespräche konnten beginnen. Vorbereitet waren einfache Fragen zur Person.

Etliche der ausländischen Frauen konnten bereits gut Deutsch. Die 14-jährige Adiba half als Übersetzerin aus. Ihre Mutter Karia war wegen des Picknicks um halb 4 in aller Frühe aufgestanden und hatte das auf der arabischen Halbinsel traditionelle Reisgericht Kabsa zubereitet. Weil die Welt nicht nur farblich, sondern auch geschmacklich bunt is(s)t, durften zu der Veranstaltung fremde Speisen probiert werden. „Auch essen verbindet“, ist sich Sina Diller im Klaren. Wobei die Zusammenkunft mehr als ein Picknick war. Interaktion kam vor dem Essen. Die Frauen waren aufgefordert aufeinander zu zugehen, um Barrieren abzubauen und auch – so weit es möglich war – Probleme anzusprechen. Die 44-jährige Karia lebt mit ihrer Familie jetzt in Schmalkalden. „Wir suchen eine größere Wohnung“, teilte Tochter Adiba mit. Zur Familie gehören noch sieben Personen. Der große Bruder wohnt schon eigenständig. Adiba lernt in der Regelschule in der achten Klasse. „Deutsch ist das Beste für mich“, erzählte sie. Mathematik sei sehr schwer. In der Coronazeit habe sie sehr viele Aufgaben erledigen müssen. In der Schule hatte sie sich die entsprechenden Arbeitsblätter geholt. Atash wohnt mit ihren sechs Kindern und dem Ehemann im Heim in Niederschmalkalden. „Wir haben ein Zimmer“, sagte sie und ihr Gesicht wurde sofort sorgenvoll. Die älteste Tochter ist 21 Jahre, die jüngste fünf. Sechs Monate ist die Familie erst hier. Die 16-jährige Tochter habe psychische Probleme. „Man braucht viel Geduld“, erklärte Heidrun Reum vom IFBW der Syrierin. Es sei ein langer Weg. Und trotzdem hatten alle Ausländerinnen ihr Scherflein zum Picknick beigetragen, die deutschen Damen natürlich auch. Jeder sagte, was er zubereitet hatte. Teigspeisen, Salate, Häppchen und Reisgerichte – der Tisch war gut gefüllt. Natürlich gab es auch reichlich süße Speisen. Man ließ es sich schmecken und war gut aufgelegt. Für die Organisatoren ein Beweis, dass sie alles richtig gemacht hatten.

Zwischendurch bekam die Runde Besuch vom Thüringer Landtagsabgeordneten der Linke, Ronald Hande, der 150 Euro mitgebracht hatte. Das Geld soll für die bevorstehende Fahrt nach Meiningen genutzt werden. Zudem lud Hande zum Besuch im Landtag ein. Am 16. Dezember werden einige IFBWler dorthin mitfahren und sich ein Bild vom Landesparlament und der Landeshauptstadt machen.

 

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