Internationales Bildhauersymposium Wer bekommt den Salzunger Kunstpreis?

Susann Eberlein

Am Burgsee wird gesägt, geschliffen, gestaltet: Fünf Künstler geben Holz eine neue Form. Jetzt geht es in die entscheidende Phase – am Samstag wird der Salzunger Kunstpreis verliehen.

Das 11. Internationale Bildhauersymposium auf dem Gelände des ehemaligen Bundesforstamts ist ein echter Publikumsmagnet: Immer wieder stoppen Interessierte, um den Künstlern bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Foto: Susann Eberlein

Motorsägen haben tiefe Spuren hinterlassen, Sägespäne fliegen durch die Luft oder bedecken den Boden, an anderer Stelle wird bereits vorsichtig an der Oberfläche gearbeitet. Auf dem Gelände des ehemaligen Bundesforstamts entstehen aus groben Baumstämmen Skulpturen, die unterschiedliche Geschichten erzählen. Fünf Künstler aus Deutschland, Italien und der Schweiz sind hier am Werk. Noch ist vieles im Werden: Es wird weiter gesägt, geschliffen, gebrannt und gemalt. Genau das macht den Reiz des Internationalen Bildhauersymposiums aus, das in diesem Jahr zum elften Mal stattfindet: Bis zuletzt können die Besucher den Künstlern dabei zusehen, wie ihre Entwürfe Gestalt annehmen.

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Motto: Aufbruch ins Licht

Für Hardy Raub aus Behringen wird es an diesem Freitag noch einmal besonders spannend. Bislang hat er seine Skulptur vor allem im Liegen bearbeitet, nun wird sie aufgestellt. Erst dann kann Raub die Oberfläche unter anderem mit einem Brenner bearbeiten und so einen Kontrast zwischen Dunkel und Hell – passend zum diesjährigen Motto „Aufbruch ins Licht“ – erzeugen. „Das ist ein spannender Moment. Erst nach dem Aufstellen kann ich beurteilen, ob es gelungen oder ein Reinfall ist. Das ist wie bei einem Instrumentenbauer, wenn er ein Instrument baut, es dann aber noch stimmen muss“, sagt der 56-jährige Künstler. Er nimmt bereits zum fünften Mal am Bildhauersymposium in der Kur- und Kreisstadt teil. „Die Rahmenbedingungen sind gut, deswegen bin ich so gerne hier.“

Hardy Raub aus Eisenach vergleicht seine Arbeit mit der eines Instrumentenbauers. Am Freitag wird er die Oberfläche mit einem Brenner bearbeiten, sodass ein Kontrast zwischen Dunkel und Hell erzeugt wird. Foto: Susann Eberlein

Auch bei Silvio Ukat aus Glauchau geht es am Freitag um die letzten entscheidenden Schritte. Der 53-Jährige arbeitet an zwei Eisvögeln, die er mit der Kettensäge – und viel Muskelkraft – aus massiven Eichenstämmen herausgearbeitet hat. Aus einem Stück, wohlbemerkt; lediglich die Schnäbel sind eingeleimt. „Was ich bis jetzt gemacht habe, war die Pflicht, also große Holzmassen abtragen. Jetzt kommt die Kür.“

Silvio Ukat aus Glauchau arbeitet an zwei überdimensionalen Eisvögeln. Foto: Susann Eberlein

Und die wird bunt: Mit Graffitifarbe will Ukat Flügel und Rücken in verschiedenen Türkistönen gestalten, Bauch und Brust sollen Weiß, Orange und Braun bekommen. Dass Interessierte ihm dabei über die Schulter schauen, gehört für ihn dazu. „Wir hatten unter anderem schon Besuch von Schulklassen, die gute Fragen gestellt haben. So ein Publikum wie in Bad Salzungen wünscht man sich öfter“, sagt er.

Der Schweizer Thomas Lüscher hat seinen Stamm quasi gedrittelt, um verschiedene Formen herauszuarbeiten, die am Ende wieder zu einer Skulptur zusammenfinden. Eine Kugel gehört dabei zu den Elementen, die seine Arbeiten prägen und das Motto aufgreifen.

Überraschungen inklusive

Für den Mann aus Staffelbach im Kanton Aargau ist das Symposium in Bad Salzungen eine Premiere – und ein echter Geheimtipp. „Der Blick auf den See, gutes Essen, guter Schlaf, nette Menschen: Es stimmt einfach alles. Ich sollte meinen Kollegen das Symposium weiterempfehlen. Oder es vielleicht lieber für mich behalten und selbst noch einmal kommen“, sagt er und lacht.

Die Kugel ist das Markenzeichen von Thomas Lüscher aus der Schweiz. Foto: Susann Eberlein

Seit 35 Jahren nimmt Lüscher an Bildhauersymposien teil, vor allem als Möglichkeit zur Weiterbildung. „Jeder arbeitet anders. Man kann schauen, erklären, ausleihen – und viel lernen.“ Am Samstag will er den Austausch noch einen Schritt weiter treiben. Gemeinsam mit Matthias Rug, dem Initiator des Bildhauersymposiums, plant er am Vormittag gegen 10 Uhr ein spontanes Bronzeprojekt. Zuschauer sind dabei willkommen.

Gut vorangeschritten war am Mittwochnachmittag die Arbeit von Katharina Lüdicke. Die freischaffende Künstlerin aus Berlin hatte ihre Botschaften „It’s all right“ und „Come on, Come on“ bereits in einen rund drei Meter hohen Baum gearbeitet – was Konzentration und Fingerspitzengefühl verlangt. Denn: „Was weggeschnitten ist, ist weg.“

Katharina Lüdicke aus Berlin hat in ihrem Baum Botschaften hinterlassen, die Hoffnung und Mut schenken sollen. Die freischaffende Künstlerin aus Berlin nimmt zum ersten Mal am Bildhauersymposium in Bad Salzungen teil. Foto: Susann Eberlein

Lüdicke versucht mittlerweile, möglichst viel vom ursprünglichen Stamm zu erhalten und diesem etwas Artifizielles, vom Menschen Gemachtes, entgegenzusetzen. Auf der Rückseite will sie noch ein Stück Holz herausnehmen, „wie bei einem Stück vom Kuchen“. Dadurch soll ein Licht- und Schattenspiel entstehen, das sich mit dem Stand der Sonne verändert. Auch Farbe soll noch dazukommen – allerdings eher im Hintergrund, damit die Buchstaben stärker hervortreten. „Das wird auch für mich eine Überraschung.“

Die Grundform steht, jetzt arbeitet Maurizio Perron an der Oberfläche seiner Skulptur. Dieser Schritt sei für den Italiener „der spaßige Teil. Und gleichzeitig eine kleine Forschung.“ Foto: Susann Eberlein

Überraschungen könnten auch Maurizio Perron erwarten. Die Form seiner Skulptur steht bereits, jetzt widmet er sich der Oberfläche, einer Mischung aus rauen und glatten Flächen. „Das ist der spaßige Teil. Und gleichzeitig eine kleine Forschung. Je mehr ich die Oberfläche bearbeite, desto stärker treten Strukturen des Holzes hervor“, sagt der Mann aus Jouvenceaux, rund eine gute Stunde von Turin entfernt.

Der Italiener ist bereits zum dritten Mal in Bad Salzungen, zweimal hat er den Bad Salzunger Kunstpreis gewonnen – 2018 mit seiner im Erdboden verankerten Schraube, die heute vor dem Goethepark-Center steht und 2020 mit einem Werk, das die Struktur des Salzes aufgreift. Auf einen dritten Sieg ist er trotzdem nicht versessen. „Der Preis ist nicht der Grund, warum ich hier bin, sondern um alte Freunde zu sehen und neue Bekanntschaften zu schließen.“

Juryrundgang und Preisverleihung

Der Salzunger Kunstpreis wird am Samstag, 29. August, durch Bürgermeister Klaus Bohl verliehen.

Um 15 Uhr startet der Juryrundgang auf dem Gelände des ehemaligen Bundesforstamts, um 16 Uhr fällt die Entscheidung. Besucher sind dazu eingeladen.