Interkulturelles Marktfest Offene Türen zu anderen Lebenswelten

Wie die mongolischen Nomaden in ihren Jurten leben, was sie anziehen und essen, haben die Besucher des interkulturellen Marktfestes am Samstag erfahren. Eine Original-Unterkunft stand in Suhls Mitte.

Suhl - Immer und immer wieder umkreisen die Besucher das seltsame kreisrunde Zelt. Es ist ein ungewöhnlicher Anblick mitten in Suhls Innenstadt. Zum interkulturellen Marktfest am Samstag haben Matthias Burghardt und seine Frau Uranzaja diese besondere Unterkunft – ein Original, das in der Mongolei gefertigt wurde – aufgebaut.

Uranzaja ist Mongolin. Ein Stück ihrer Heimat und der Lebensweise des Nomadenvolkes vermittelt sie den aufgeschlossenen Festbesuchern. Dafür hat sie sich besonders fein gemacht. Die junge Mutter trägt einen goldbestickten Deel – einen traditionellen Mantel, erläutert Nina Klonz. Die Suhlerin arbeitet gemeinsam mit Uranzaja bei der Tibor GmbH und ist spürbar begeistert von der Mongolei und der besonderen Unterkunft. „Die Jurte ist gedämmt mit drei Zentimetern Schafwolle. Sie hält Temperaturen von bis zu 25 Grad minus aus“, schildert sie und weiß noch viel mehr zu berichten über das Leben in der Jurte.

In der Mitte des Zelts ist eine Kochstelle aufgebaut. Ein Ofen mit einem Topf hat Platz. Trockenfleisch, Gerichte aus Schafskäse und in Fett Ausgebackenes gehören auf den Speiseplan der Familien, die mitunter zu Siebt auf den 25 Quadratmetern leben. Nebenan steht ein Schachbrett. Es ist aus Filz. „Platzsparend“, sagt Nina Klonz. Die Figuren sind aus Schafsknochen.

Auch Matthias Burghardt hat es einst in das Land gezogen. Sieben Jahre arbeitete er dort, lernte seine Frau kennen und heiratete. Inzwischen lebt die dreiköpfige Familie in Suhl. Vor fünf Jahren begann er, das schwierigste Instrument der Welt, die Pferdkopfgeige, zu spielen. Wundervolle Klänge schallen auch an diesem Tag durch die Jurte. Die Gäste dürfen sich ebenfalls daran probieren – dann allerdings sind die Töne nicht mehr ganz so bezaubernd.

Viele weitere Attraktionen warten beim interkulturellen Marktfest auf die Besucher. Die Hüpfburg, aufgebaut vom Stadtjugendring, ist das Highlight für die Kleinsten. Gleich nebenan gibt es tütenweise Popcorn zu verkosten – frisch hergestellt von den Mitarbeitern des Jugendclubs Nordlicht. Leckeres und fair Gehandeltes gibt’s am Stand des Eine-Welt-Ladens. Geschicklichkeitsspiele sind aufgebaut, die die Besuchern animieren sollen, über das gemeinsame Spielen ins Gespräch zu kommen. „Ich wünsche mir, dass jede Woche interkulturelle Woche ist“, sagt Diakon Adelino Massuvira João und erinnert an die Entstehung der Veranstaltung, die einst von der katholischen Kirche initiiert wurden.

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