Bei Kodaks Photo-CD (IFA 1991) kippte das Fundament noch rasanter: Analoge Fotos im Fotolabor auf CD brennen zu lassen, schien schlüssig - bis die Digitalkamera den chemischen Film komplett eliminierte und Bilder direkt als Datei auf Festplatten landeten.
Auch "weiße Ware" kann scheitern
Seit 2008 zeigt die IFA offiziell auch "weiße Ware", also Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen, Backöfen und Kaffeemaschinen. Auch hier gab es etliche spektakuläre Fehleinschätzungen, Technik-Gimmicks, die später kaum jemand haben wollte, sowie veritable Marktflops.
Bei der klassischen Unterhaltungselektronik haben oft Standardkriege darüber entschieden, welche Innovation sich durchsetzt. Bei der weißen Ware gab es vor allem zwei Gründe, warum bestimmte Konzepte in der Realität scheiterten. Zum einen floppten bestimmte Innovationen bei der weißen Ware an der Diskrepanz zwischen Lebensdauer und Digitalisierung. Niemand möchte eine 1.000 Euro teure Waschmaschine nach 5 Jahren ersetzen, nur weil der Server für die Steuerungs-App abgeschaltet wurde. Außerdem war es vielen Verbrauchern unheimlich, einem Elektrogerät das Bestellen von Nachschub zu überlassen. Sei es der Kühlschrank, der die Milch nachbestellt oder die Waschmaschine, die mit dem Dashbutton von Amazon das Waschmittel ordert.
Umständliche Frickellösung ohne Mehrwert
Manche IFA-Innovationen erwiesen sich aber auch als umständliche Frickellösungen für Freaks. Dazu gehören etwa Wasserkocher und Toaster, die über das Smartphone ferngesteuert werden. Wasser einfüllen oder die Brotscheiben einlegen musste der Nutzer ohnehin manuell an dem Gerät. Die App brachte keinerlei Zeitersparnis, verlangte aber eine zusätzliche Einrichtung am Smartphone.
Manche Lösungen, um das Zuhause bequemer zu machen, erwiesen sich aber auch als schlicht zu teuer. So waren auf der IFA ab 2017 immer wieder Dampfschränke und automatisierte Bügelmaschinen zu sehen. Das Versprechen lautete: Knitterige Hemden und Anzüge muss man nur in den Schrank hängen, einen Knopf drücken und alles dämpft und glättet sich von fast alleine. Die Geräte waren allerdings so groß wie ein zweiter Kühlschrank, verbrauchten viel Strom und kosteten bis zu 2.500 Euro. So blieben sie ein teures Nischenprodukt.