Inklusives Konzert in Schmalkalden Wie man Musik sehen und spüren kann

Klara Lochner

Folienballons, Gebärdenmusik und gemeinsames Musizieren: Das inklusive Konzert der Musikschule Schmalkalden zeigte, wie unterschiedlich Musik erlebt werden kann.

Ein silberner Folienballon gehört eher selten zur Ausstattung eines Konzertbesuchers. Beim inklusiven Konzert der Musikschule Schmalkalden hatte er am Freitag allerdings eine Aufgabe: Wer ihn in den Händen hielt, konnte die Schwingungen der Musik über die Oberfläche und die Fingerspitzen wahrnehmen. Musik sollte an diesem Nachmittag nicht nur zu hören sein, sondern auch sichtbar und spürbar werden.

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Bei All together now waren nicht nur Musiker beteiligt, sondern durch die Boohmwakers auch das Publikum. Foto: Klara Lochner

Genau darum ging es Cordula Queck bei ihrem Projekt „All together now“. Rund ein Jahr hatte die 42-Jährige das Konzert vorbereitet, das zugleich die praktische Grundlage ihrer Masterarbeit in Elementarer Musikpädagogik und Rhythmik an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar bildet. Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen sollten dabei nicht nur dasselbe Konzert besuchen, sondern auf möglichst unterschiedlichen Wegen daran teilhaben können.

Das erste Musikstück begann mit den Musikern hinter dem Publikum. Foto: Klara Lochner

Das zeigte sich nicht nur bei den Ballons. Bei einem weiteren Programmpunkt konnten Besucher direkt am Flügel erleben, wie sich dessen Schwingungen anfühlen. Auch sichtbar wurde Musik mehrfach. Drei Studierende aus Weimar setzten musikalische Strukturen in Bewegungen um. Bei einer Fuge etwa – einer besonderen Kompositionsform – erhielten wiederkehrende musikalische Elemente eigene Bewegungsabläufe. So ließ sich nicht nur hören, sondern auch beobachten, wann einzelne Stimmen einsetzten. Gespielt wurde die Fuge von Marta Schrumpf, Klara Römhild und der Musikschullehrerin Josie Schneider am Akkordeon. Eine weitere Form der Visualisierung brachte Julia Schulenburg aus Weimar mit nach Schmalkalden. Mit ihrer selbst entwickelten Gebärdenmusik interpretierte sie klassische Musik durch Gebärdensprache und Bewegung.

Die Freikirche war gut besucht. Foto: Klara Lochner

Auch musikalisch war das Programm bewusst breit angelegt. Lukas Fräbel spielte am Keyboard „Sierra madre“ von den Kastelruther Spatzen, Sophie Queck und Johannes Eberlein brachten mit Violoncello und Klavier eher klassischere Musik auf die Bühne. Die integrative Montagsmusik spielte Yann Tiersens „Comptine d’un autre été“. Mit „Nonsuch“, einem englischen Volkslied, waren Tim Bauerschmidt an der Melodika und Cordula Queck an Gitarre und Percussion zu hören.

Während Sophie Queck im Hintergrund spielt, können die Schwingungen am Klavier wahrgenommen werden. Foto: Klara Lochner

Die Mischung war Teil des Konzepts. Queck hatte bereits im Vorfeld erklärt, dass die Schülerinnen und Schüler möglichst Stücke spielen sollten, die ihnen selbst etwas bedeuten. Statt eines streng einheitlichen Programms entstand so ein Konzert zwischen Volkslied, populärer Musik und klassischen Werken.

Besonders deutlich wurde der Gedanke hinter dem Nachmittag schließlich beim Stück „All together now“, das dem gesamten Konzert seinen Namen gab. Das Orchester „VielHarmonie“, der Chor „CHORazon“, die integrative Montagsmusik sowie die zwei Solisten Josefa Möller und Leopold John musizierten gemeinsam.

Viele Teilnehmer nahmen sich am Anfang einen Folienballon. Foto: Klara Lochner

Uta Pesavento, die Querflöte im Orchester spielt, empfand das Zusammenspiel als „ganz harmonisch“. „Ich finde es so schön, wenn wir alle zusammen Musik machen – das macht so viel Spaß“, sagt sie. Das gemeinsame Musizieren sei für die Beteiligten eine große Motivation gewesen. Für sie zeige sich dabei auch, „dass man vieles im Leben viel einfacher nehmen kann, wenn man genau diese Art von Musik macht“.

Das Publikum blieb ebenfalls nicht ausschließlich in der Rolle des Zuhörers. Schon zu Beginn wurde gemeinsam gesungen, später kamen die farbigen Boomwhackers zum Einsatz. Queck hatte solche Elemente bewusst eingeplant. Bei klassischen Konzerten sei das Publikum häufig vor allem „Konsument“: Man setze sich hin, dürfe klatschen und gehe anschließend wieder. In Schmalkalden sollten die Besucher selbst Teil des musikalischen Geschehens werden.

Für Schneider war es am Ende „ein sehr emotionales Konzert“ und eine „sehr bewegende Konzertatmosphäre“. Gerade in der klassischen Musik stelle sich häufig die Frage, ob es solche inklusiven Ansätze brauche. Ihre Antwort nach diesem Nachmittag fiel deutlich aus: „Heute war das einfach gelebte Inklusion.“ Nach rund einer Stunde endete zwar das musikalische Programm, nicht aber der Nachmittag. Anschließend blieb Zeit für Begegnungen und Gespräche.