In Naturwissenschaften Thüringer Schüler über Bundesniveau

Thüringens Neuntklässler schneiden in den Fächern Chemie, Physik und Biologie deutlich besser ab als der Bundesdurchschnitt. Das geht aus dem IQB-Bildungstrend hervor, der am Rande der Bildungsministerkonferenz in Berlin veröffentlicht wurde.

Symbolbild. Foto: picture-alliance/ dpa | Patrick Pleul

Untersucht wurden für die Studie Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen in allgemeinbildenden und Förderschulen. Demnach erreichen die Thüringer Schüler besonders in den naturwissenschaftlichen Fächern - also Biologie, Physik und Chemie - deutlich häufiger die von der Kultusministerkonferenz festgelegten Mindeststandards für einen Haupt- und Realschulabschlusses als der gesamtdeutsche Durchschnitt. Besser sind nur Bayern und Sachsen. 

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Naturwissenschaften als Thüringer Stärke

Im Fach Mathematik liegen Thüringen Schüler hingegen auf dem Niveau des Bundesdurchschnitts. Ähnlich schneiden auch die übrigen ostdeutschen Bundesländer ab. Sachsen liegt hier zusammen mit Bayern und Schleswig-Holstein im bundesweiten Spitzenbereich. Berlin erreicht hingegen in keinem der untersuchten Fächer überdurchschnittliche Werte. Am schlechtesten schneiden Bremen, Hessen und Nordrhein-Westfalen ab.

Niveau sinkt bundesweit

Zwar gehört Thüringen nach wie vor zu den Ländern mit den besseren Ergebnissen, doch das Niveau sinkt bundesweit praktisch flächendeckend - besonders im Zeitraum 2018 bis 2024, in den auch die Corona-Jahre fallen, Schulen zeitweise geschlossen waren und Schüler teils daheim oder gar nicht unterrichtet worden sind. 

«Die Ergebnisse zeigen, dass unsere Schulen über eine solide Leistungsbasis verfügen», sagte Thüringens Bildungsminister Christian Tischner (CDU). Zugleich dürften die bundesweiten Rückgänge nicht übersehen werden. «Der Bildungstrend ist ein Weckruf, die Basiskompetenzen noch gezielter zu fördern und Lernrückstände konsequent aufzuarbeiten.» Das geschehe bereits mit der Umsetzung des bundesweiten Startchancen-Programms für sozial benachteiligte Kinder, aber auch mit dem Ausbau der Sprachförderung und mehr multiprofessionellen Teams an Thüringer Schulen. Entscheidend sei, dass alle Kinder unabhängig von Herkunft und Voraussetzungen gute Lernchancen erhielten, so Tischner.

Bundesweit verfehlt mehr als jeder dritte Schüler (34 Prozent) der Studie zufolge in Mathematik den Mindeststandard für den mittleren Schulabschluss (MSA). Das sei ein Anstieg um zehn Prozent im Vergleich zur letzten Erhebung 2018. Auch in den Naturwissenschaften sieht es nicht gut aus: Im Fach Chemie verfehlt jeder Vierte den Mindeststandard (25 Prozent). Im Fach Physik sind es 16 und im Fach Biologie 10 Prozent. 

Lernlücken zwischen Schülern mit und ohne Migrationshintergrund

Hinzu kommen deutliche «Kompetenznachteile» zwischen Schülern mit und ohne Zuwanderungshintergrund - insbesondere im Bereich der Mathematik. Zwar fällt der Unterschied in den ostdeutschen Ländern geringer aus - nach Meinung der Studienautoren sind die Ergebnisse für den Osten aufgrund der geringen Fallzahlen aber nur eingeschränkt belastbar. 

Der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund lag der Studie zufolge in Thüringen im Jahr 2024 bei 14,8 Prozent. Seit 2018 ist er um fünf Prozentpunkte gestiegen, liegt aber immer noch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von rund 40 Prozent. Thüringen gehört neben Schleswig-Holstein zudem zu den Ländern, in denen sich der Abstand zwischen Schülern mit und ohne Zuwanderungshintergrund in den vergangenen Jahren deutlich vergrößert hat. In den meisten übrigen Bundesländern blieb dieser Unterschied seit 2018 auf einem ähnlichen Niveau.

Studie ein Auftrag der Kultusministerkonferenz

Mit den IQB-Bildungstrends untersucht das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Humboldt-Universität Berlin im Auftrag der Kultusministerkonferenz regelmäßig, inwieweit Schüler in Deutschland die definierten Kompetenzziele erreichen. Es ist der dritte IQB-Bildungstrend 2024 nach den Ländervergleichen 2012 und 2018.