In der Sauer-Villa Innenansichten aus dem Erstaufnahmelage auf der Bühne

red
Szenenbild des Theaterprojekts „Im eisernen Herzen“. Foto: wai

Das Stück „Im eisernen Herzen“, mit dem Innenansichten aus dem Suhler Erstaufnahmelager auf die Bühne gebracht werden, ist in Ausschnitten in Suhl zusehen.

Im Sommer 2021 kamen Künstler und Laien-Darsteller aus der ganzen Welt zusammen, die zum größten Teil selbst das Erstaufnahmelager auf dem Suhler Friedberg erlebt haben. In einer Reihe von Workshops entwickelten sie bis zum Frühjahr eine Theaterperformance zu ihren Erfahrungen dort, aber auch zu ihren Erinnerungen und Sehnsüchten. Wie Doreen Hopf-Traut, Projektmanagerin des Vereins Provinzkultur, mitteilt, werden Teile des Stücks am Samstag in der Sauer-Villa gezeigt. „In einer Debatte und beim gemeinsamen Essen soll es darum gehen, wie wir Grenzen überwinden und ein menschenwürdiges Leben für alle schaffen können.“

„Und was haben Sie?“ – „Ich habe Schmerzen, ich kann nicht atmen!“ „Kannst du bitte einmal Paracetamol aufschreiben? Sie soll zehnmal am Tag Paracetamol nehmen. Wir geben ihr gleich zwei Rezepte, dann hat sie ihre Ruhe.“ Was hier in einem Dialog aus dem Theaterstück „Im Eisernen Herzen Thüringens“ sarkastisch übertrieben dargestellt ist, beruht auf den wahren Erfahrungen vieler Menschen im Erstaufnahmelager in Suhl. Immer wieder berichten sie, auch bei gefährlichen Erkrankungen nicht zu Fachärzten zu dürfen, und so hat sich der schwarze Humor über „Doktor Paracetamol“ verbreitet.

Neben der absolut unzureichenden medizinischen Versorgung haben Organisationen wie Lagerwatch Thüringen und der Flüchtlingsrat immer wieder das unzureichende Essen, fehlende Privatsphäre, ein intransparentes System von Transfers, fehlende Vorbereitung auf Interviews zum Asylverfahren und Gewalt durch einzelne Security-Mitarbeitende angeprangert. Dabei stützen sie sich vor allem auf die vielen Berichte von Bewohnern selbst und wollen sie dabei stärken, aus ihrer eigenen Perspektive zu berichten und für die eignen Rechte einzutreten.

Menschen aus sieben Ländern dabei

So entstand auch 2021 das beim Flüchtlingsrat angesiedelte Theaterprojekt „Im eisernen Herzen“. In einem Prozess aus vielen Theaterworkshops der teilnehmenden Menschen aus sieben unterschiedlichen Ländern mit dem Regisseur Moritz Schönecker wuchs eine transkulturelle Gemeinschaft und es entstand schließlich eine theatralische Collage aus Szenen aus dem Lager, reflektierenden Theaterübungen, Erzählungen aus der Heimat, Gedichten und Gesprächen, wie auch Musik- und Tanz-Performances. Im Dezember 2021 konnte ein Zwischenstand erstmalig präsentiert werden, im Februar 2022 feierte das Stück Premiere am Theaterhaus Jena – wegen Corona allerdings nur online.

Am Samstag, 30. Juli, wird nun endlich das „Eiserne Herz“ zurück nach Suhl kommen, in einer Kooperation aus Provinzkultur und dem Suhler Bündnis für Demokratie und Toleranz, gegen Rechtsextremismus und dank der Förderung des Lokalen Aktionsplans „Suhl bekennt Farbe“. Ab 17 Uhr wird eine Auswahl der eindrücklichsten Szenen in einer Mischung aus Video-Screening und Live-Performances gezeigt. „Danach sind die Besucher eingeladen, in einer Debatte gemeinsam nachzudenken, was wir tun können, damit schutzsuchende Menschen in Thüringen wirklich eine sichere neue Heimat finden könnten“, so Doreen Hopf-Traut.

„Konkret helfen, wenn Kleidung oder Spielsachen gebraucht werden, ist wichtig. Und gleichzeitig besteht das Lager nun schon seit 2014 und das Leben der Bewohner hat sich nicht verbessert. Deswegen müssen wir als Gesellschaft auch darüber nachdenken, warum wir vor Verfolgung, Hunger oder Krieg geflohenen Menschen weiterhin einem Leben aussetzen, das wir selbst nicht leben wollen würden, und wie wir etwas daran ändern können“, betont Rafael Brix vom Bündnis. „Und dabei müssen vor allem die Menschen im Mittelpunkt stehen, die selbst von den Gesetzen und Vorschriften betroffen sind. Deswegen haben wir für Samstag auch Dolmetscher eingeladen, sodass sich hoffentlich möglichst viele an einem Austausch auf Augenhöhe beteiligen können.“

Von dem Zusammenkommen am Samstagnachmittag in der Sauer-Villa erhoffen sich die Veranstalter, die gesellschaftliche Isolation der geflüchteten Menschen etwas abzubauen, auf einer direkten menschlichen Ebene Verständnis zu schaffen und vielleicht auch neue langfristige Verbindungen und Kooperationen entstehen zu lassen.

Innenansichten aus dem Erstaufnahmelager auf der Bühne am Samstag, 30. Juli, von 17 bis 21 Uhr, in der Villa Sauer, Bahnhofstraße 20.

 

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