Ilmenau Sturmhauben und Helme

Vorschriftsmäßig protektioniert: Florian, Wenke und Wenzel (von links) probieren die von den Ilmenauer Rotariern (hinten) gesponserten Helme gleich mal aus. Auch Michael Spieß (hinten, Zweiter von rechts), Mitglied im erweiterten RCI-Vorstand, freut sich über diese Zuwendung. Foto: Andreas Heckel

Wenn es um Rollen-Schlitten geht, so ist in Ilmenau aktuell doch einiges ins Rollen gekommen.

Ilmenau - Nach wie vor gilt die Region Ilmenau als eine Keimzelle und zugleich Hochburg des Rennrodelsports, die u. a. die aktuelle Olympia-Silbermedaillengewinnerin Dajana Eitberger hervorgebracht hat. Dazu passt, dass die Kunststoff-Rodelbahn "Wolfram Fiedler" am Floßberg so langsam, aber sicher aus ihrem Corona-Dornröschenschlaf erwacht ist. Während schon seit einigen Wochen die Rennrodelvereine aus Thüringen - von Friedrichroda und Waltershausen über Schmalkalden und Zella-Mehlis bis hin zu Sonneberg-Schalkau - hier ihre Trainingsfahrten nach eigenem Hygienekonzept absolvieren, ist die Bahn ab dem vergangenen Samstag auch wieder für den öffentlichen Besucherverkehr geöffnet, immerhin eine wichtige Touristenattraktion der Goethestadt.

"Gleich am Samstag waren es über 60 Fahrten und am Dienstag noch mal bis zu 50", schätzt Wilko Jäger ein, der derzeit diese Besucherfahrten betreut. "Es waren fast alles Urlauber, mit deutschlandweit verstreuten Wohnorten. Wir haben sie zwischen den Trainingsfahrten quasi eingestreut."

Dabei muss in Corona-Zeiten mitunter auch ein bisschen improvisiert werden. Zum Beispiel sah das Konzept ursprünglich vor, dass die Besucher ihre eigenen Helme mitbringen sollten, weil die "bahneigenen" Kopfschutze innen kaum desinfiziert werden können. Aber wer nimmt schon einen Helm mit in den Urlaub? Die Lösung: "Wir haben uns Sturmhauben besorgt, die sich die Besucher vor der Fahrt überziehen, ehe sie sich den Helm aufsetzen", berichtet Wilko Jäger. Mit Formel-1-Outfit in die Rennrodelbahn - mal was ganz Neues! "Die Sturmhauben werden nach einmaliger Benutzung stets aufs Neue desinfizierend gewaschen, die Handschuhe übrigens auch. Helme, Protektoren und die vier Schlitten, die wir für diese Gästefahrten benutzen, lassen sich von außen einfacher desinfizieren."

Hoffen auf den FIL-Cup

Die Organisatoren vom Rodelclub (RC) Ilmenau hoffen nun, dass die allgemeinen Lockerungen der Corona-Einschränkungen auch ihren traditionsreichen FIL-Sommerrodelcup vom 4. bis 6. September ermöglichen werden. Deshalb ist dieser Wettkampf auch noch nicht abgesagt worden, sondern man überlegt, wie man den aktuellen Auflagen der Landesregierung für solche Veranstaltungen gerecht werden kann. Notfalls muss es 2020 dann eben doch ohne Zuschauer gehen ...

Auf (noch) totem Asphalt

Derweil avanciert ein noch unbebauter Geländeabschnitt im künftigen Gewerbegebiet Ehrenberg Ost zum sommerlichen Trainingsgelände für die RCI-Nachwuchsrodler. "Das ist jetzt hier unser Sportplatz", meint Trainerin Kerstin Merten und verweist auf den eigens dafür abgesperrten, abschüssigen Teil der Robert-Bosch-Straße und das sich seitwärts anschließende Gelände, dessen Pfade sich gut für Crosslauf und Radcross eignen. Auf dem Asphalt wiederum können mit den Rollen-Schlitten Lenken, Fahrlage und Bremstechniken gelernt werden. Bei Corona-bedingten Mini-Trainingsgruppen von maximal vier Sportlern ist zwar die Trainingsintensität mit zwei wöchentlichen Terminen nicht ganz so hoch wie sonst, aber es geht zumindest vorwärts.

Dabei hatte sich am vergangenen Dienstag noch besonderer Besuch angesagt: Mitglieder des Rotary Clubs Ilmenau übergaben drei nagelneue Helme mit Visieren an die Nachwuchsrodler. Diese dürfen nämlich bei ihren Wettkämpfen nur mit solchen speziellen Helmen mit Visier fahren, das schreibt das Reglement vor. Durchaus umstritten, weil sehr kostspielig, aber eben nun mal nicht zu ändern, wie Michael Spieß, im erweiterten RCI-Vorstand für Sponsoring zuständig, darlegt. Insofern eignen sich solche Helme immer gut als (groß-)elterliche Geburtstags- beziehungsweise Weihnachtsgeschenke - aber auch als Spende von den Rotariern sind sie natürlich sehr willkommen für den RCI.

Die Verbindung zwischen dem Rodelclub und den Rotariern ist in Ilmenau besonders eng; es gibt regelmäßig Zuwendungen (Regenjacken, Handschuhe etc.). Das liegt kurioserweise auch an den gleichlautenden Initialen: "Ich habe mal RCI gegoogelt, weil ich unseren Club finden wollte, und fand stattdessen die Rodler der Stadt", erzählt Rotarier Reiner Popp. "Da dachte ich: Das passt doch gut, da müssten wir uns einbringen!" Michael Spieß betont: "Das nützt einerseits der konzentrierten Nachwuchsarbeit bei uns, und andererseits haben die Rotarier die Garantie, dass sie bei uns eine Nachwuchsarbeit unterstützen, die letztlich auf die Weltspitze ausgerichtet ist."

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