Ilmenau Pferdesportverein braucht Zauneinfassung

Der Pferdesportverein Oberpörlitz benötigt Geld, um einen Zaun für den bald sanierten Reitplatz im Außenbereich zu kaufen. Mit diesem Projekt beteiligen sie sich an der Aktion "Goldener Daumen".

Oberpörlitz - "Das Leben ist kein Ponyhof", besagt ein bekanntes Sprichwort, das auch auf den Reiterhof Oberpörlitz zutrifft - wenn gleich dieser ja doch irgendwie ein Ponyhof ist. Nichtsdestotrotz ist auch hier nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen, immerhin war auf der Anlage bei den Starkregenfällen Ende Mai 2016 ordentlich Land unter. Sämtliche Schäden am Hof konnten zwar behoben werden, der stark in Mitleidenschaft gezogene Außenreitplatz des Pferdesportvereines (PSV) jedoch ist aber bis heute nicht wieder instand gesetzt. Geplant ist, diesen nun im September zu sanieren. Doch dann bleibt immer noch ein weiteres Problem bestehen: So ein funktionsfähiger Reitplatz ist zwar gut und schön, jedoch fehlt dann immer noch ein Zaun drumherum. Eine Finanzspritze im Rahmen der Aktion "Goldener Daumen" von Freies Wort und Sparkasse Arnstadt-Ilmenau soll helfen, dieses Projekt zu verwirklichen.

Der PSV Oberpörlitz

Der PSV Oberpörlitz hat aktuell 145 Mitglieder. Ein Schwerpunkt des Vereins ist die Förderung einer kontinuierlichen Nachwuchsarbeit im Kinder- und Jugendbereich und einer vielseitigen Ausbildung im Pferdesport mit dem Ziel, eine sinnvolle Freizeitgestaltung mit mehr Bewegung anzubieten. Wichtig ist dem Verein die Vermittlung von Sozialkompetenzen und die Wahrnehmung der Umwelt und Natur. Bekannt ist der Verein für kleinere und größere Veranstaltungen im Jahr mit regionaler und überregionaler Ausstrahlung. Besonders beliebt sind dabei die Kinderfeste und die Kreisjugendspiele.

Die Aktion "Goldener Daumen"

Das ehrenamtliche Engagement der regionalen Vereine und ihre verschiedenen Projekte sollen in der Aktion "Goldener Daumen", für die Freies Wort und Sparkasse Arnstadt-Ilmenau zusammenarbeiten, anerkannt werden. In den kommenden Wochen stellen wir Ihnen drei Vereine und ihre Projekte vor. Anschließend können Sie, liebe Leserinnen und Leser, darüber entscheiden, welches der Projekte von der Sparkasse mit 1000 Euro, 750 Euro und 500 Euro unterstützt wird.

Wenn auch Sie ein interessantes Vereinsprojekt kennen, dann schreiben Sie uns einfach per
E-Mail an lokal.ilm-kreis@freies-wort.de .

145 Mitglieder zählt der Pferdesportverein Oberpörlitz, "davon sind zwei Drittel Kinder und Jugendliche", erklärt die Vereinsvorsitzende Peggy Hörnlein. Natürlich sind auch erwachsene Pferdefreunde Mitglied im Verein, die Altersspanne reicht von fünfjährigen Steppkes bis zu Ü-60-Jährigen. "Der Hauptanteil sind Mädchen, aber es gibt auch Männer bei uns", so Hörnlein weiter. Der Verein geht aus der in den 70er-Jahren gegründeten Betriebssportgemeinschaft hervor, damals war der Pferdehof noch ein Betriebsteil des Haflinger Gestüts Meura. Mit der Wende 1990 wurde der Verein schließlich als solcher gegründet, Domizil ist dabei schon eh und je der Oberpörlitzer Reiterhof gewesen, der heute als landwirtschaftlicher Betrieb Heike Hörnlein gehört.

Eigene Pferde hat der Verein nicht, vielmehr werden die Vierhufer für den Sport vom Reiterhof gemietet. Natürlich haben auch Mitglieder eigene Pferde, die in der Pferdepension des Hofs untergebracht sind. "Der Reiterhof und der Reitverein kooperieren immer miteinander", so Peggy Hörnlein. Dies wird auch an den räumlichen Strukturen verdeutlicht, denn eigene Reitstätten hat der Verein nicht. Stattdessen werden die Halle und der Außenplatz des Reiterhofes genutzt - der Verein hat hierfür vertraglich geregelte Nutzungsrechte und kümmert sich um die Pflege der Anlagen.

Horrordatum 29. Mai

Der heutige Außenreitplatz, der für den Pferdesportverein im Jahre 2003 gemeinschaftlich mit der Stadt Ilmenau errichtet wurde, ist im Schichtsystem aufgebaut. Die obere Tretschicht besteht aus Sand und Fließschnipseln, darunter folgt eine Sperrschicht aus kleinen Steinchen, "die im Normalfall schön unten bleiben", erklärt Peggy Hörnlein, während sie Steine vom Reitplatz zur Demonstration aufsammelt - denn die Steine kommen an die Oberfläche. Unterirdisch abgeschlossen wird der Platz von einer mit Schotter ausgestatteten Drainageschicht. Doch die Starkregenfälle am "Horrordatum 29. Mai 2016" fluteten nicht nur die Stallungen und Futterlager, auch der Reitplatz des PSV stand niederschlagsbedingt unter Wasser. "Wir haben die Schädigung damals als gar nicht so stark empfunden", erinnert sich Hörnlein. Im Gedächtnis geblieben ist, wie viele Vereinsmitglieder und andere freiwillige Helfer auf dem Hof anrückten, um schnelle Hilfe für ihre Vierbeiner zu leisten. Später wurde aber klar: Durch das Unwetter haben sich die Schichten des Reitplatzes miteinander vermischt, was zulasten der Oberflächenbeschaffenheit geht - es liegen nun buchstäblich Steine im Weg. Dies ist ein enormes Problem, immerhin sind verschiedene Übungseinheiten - wie Springtraining - nicht mehr auf diesem Untergrund möglich. Wird auf dem Platz an trockenen Tagen geritten, wird im wahrsten Sinne der Phrase ganz schön viel Staub aufgewirbelt. Auf der anderen Seite kann aber Regenwasser nicht mehr ordnungsgemäß abfließen. Eine andere, im Außenbereich gelegene Reitstätte gibt es nicht.

Doch auch abgesehen vom Training hat der Platz eine wichtige Rolle für den Verein, hier findet ein großer Teil des Vereinslebens statt. Auf diesem Platz werden zudem Veranstaltungen, die nicht nur regional von Bedeutung sind, abgehalten. Als Beispiel seien hierfür die Kreisjugendspiele, der PM-Schulpferdecup, die Landesmeisterschaften Pony, Sächsisch-Thüringische Fohlenchampionate sowie die überaus beliebten Kinderfeste genannt. Im Herbst 2016, also nur wenige Monate nach dem Unwetter, richtete der Verein sogar noch die Süddeutsche Ponyhengstkörung mit einem großen Kinderfest und Schauprogramm aus, ein Event, das Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet anzog.

145 000 Euro kostet die Sanierung des Platzes, nunmehr soll auf ein witterungsbeständigeres Ebbe-Flut-System gesetzt werden. Dieses könne man sich laut Peggy Hörnlein wie eine große Wanne vorstellen, die Anlage wird von unten bewässert, wenn es stark regnet, könne der "Stöpsel" gezogen werden, sollte es zu trocken sein, wird der Wasserstand wieder erhöht.

Gut vier Jahre nach dem Unwetterereignis ist das Geld für den nach wie vor im Schadzustand befindlichen Reitplatz zusammen, finanziert wird die Anlage durch Eigenmittel sowie unentgeltliche Arbeitseinsätze der Vereinsmitglieder, ebenso unterstützen der Landessportbund Thüringen und die Stadt Ilmenau die Sanierung durch finanzielle Zuschüsse. Im September soll der Reitplatz schließlich wieder instand gesetzt werden. "Wir haben den Platz schon einmal in Angriff genommen, es aber aus finanziellen und anderen Gründen nicht geschafft", so Peggy Hörnlein.

Ein neuer Zaun muss her

Doch auch wenn die Anlage in wenigen Wochen saniert wird, ein weiteres, kostspieliges Problem bleibt weiterhin bestehen: Das 2570 Quadratmeter große Areal benötigt ja auch noch eine Abgrenzung. "Wir brauchen fürs Training und für Veranstaltungen einen neuen Zaun um den sanierten Reitplatz, um die Sicherheit der Sportler beim Training sowie der Teilnehmer und Zuschauer bei Veranstaltungen zu gewährleisten. Wir haben zwar gehofft, den alten wiederverwenden zu können, aber das geht nicht", so Peggy Hörnlein. Warum das aktuell aus Metall bestehende Gebilde nicht weiterhin genutzt werden kann, wird für den Laien nicht unbedingt auf den ersten Blick erkenntlich - doch es gibt gleich mehrere, triftige Gründe für diese Entscheidung. Da der neue Reitplatz auf dem alten errichtet wird, wird der aktuelle Zaun für den neuen Platz schlicht und ergreifend zu niedrig sein. Dazu kommen noch andere sicherheitsrelevante Aspekte, denn es braucht einen Zaun mit zwei Riegeln, damit kleinere Ponys nicht einfach unter dem Zaun hindurchschlüpfen können. Dies wäre nämlich aktuell möglich. Sollten mit den nicht allzu großen Vierhufern also momentan im Kopf die Pferde durchgehen - zum Beispiel, weil die Tiere gerne vom Platz auf die Wiese galoppieren möchten, um dort etwas Gras zu naschen - hätte das schwerwiegende Folgen für die auf den Rücken der Tiere befindlichen Reiter: Diese würde dank der oberen Zaunleiste nämlich unsanft abgestreift und auf dem Boden der Tatsachen beziehungsweise des Reitplatzes landen. Eine neue Abgrenzung muss deshalb her, doch für diese werden auch in der preiswertesten Variante gut 10 000 Euro fällig.

Nur begrenzte Einnahmen

Um Kosten zu sparen, wird der alte Zaun durch Vereinsmitglieder und Helfer abgebaut. "Da müssen dann mal alle Vereinsmitglieder mit ran, von den Kleinsten dann auch die Papas", stellt Peggy Hörnlein schon einmal in Aussicht. Doch auch dann ist die Finanzierung der neuen Begrenzung nicht ganz ohne, denn der Verein kann die benötigte Summe nicht mal eben so berappen. Die Vereinsmitglieder zahlen nur einen geringen Mitgliedsbeitrag. Aufnahme- oder zusätzliche Gebühren gibt es nicht, da der Unterhalt der Pferde finanziert werden muss. Vielmehr ist der Verein auf sein Vereinsleben, vor allem auf die Veranstaltungen, von denen in diesem Jahr coronabedingt aber einige nicht umgesetzt werden konnten, und Spenden angewiesen. Das Fohlenchampionat sowie das für einen Tag später geplante Voltigierturnier fielen 2020 ersatzlos aus, die Hoffnung liegt nun darauf, die Kreisjugendspiele im Oktober sowie die traditionellen Weihnachtsveranstaltungen im Dezember ausrichten zu dürfen. Es sind Events, für deren Vorbereitung und Umsetzung viele Vereinsmitglieder fleißig mit anpacken. "Wir sind ein tolles Team, und auch der Spaß kommt dabei nie zu kurz", beschreibt die Vorsitzende.

Immerhin: Das Vereinstraining konnte nach Lockerung der Corona-Maßnahmen mittlerweile wieder regulär aufgenommen werden. Die Vereinskasse wird hierdurch aber trotzdem nicht gefüllt, da die geplanten Veranstaltungen bisher ausfallen mussten und die Trainer ehrenamtlich unterrichten. Die Disziplinen hoch zu Ross reichen von der normalen Grundausbildung über Voltigieren und Springstunden, bis hin zu Dressur und der speziellen Förderung begabter Reiter. Dabei zählen nicht nur Kinder und Jugendliche zu den Reitenden, auch Erwachsene nehmen die Angebote wahr und entspannen sich gern mal hoch zu Ross im Freien. "Viele kommen aus Ilmenau, durch die gute Autobahnanbindung aber auch aus Suhl oder Erfurt und Umgebung. Die Vereinsmitglieder wohnen in den Ilmenauer Ortsteilen verstreut. Einige Vereinsmitglieder, die mittlerweile weggezogen sind, halten dem Verein trotzdem die Treue", freut sich Peggy Hörnlein, die ebenso erklärt, dass mittlerweile sogar einige ihrer ersten, damals noch Kinder gewesenen Reitschüler nun mit ihren eigenen Sprösslingen kommen. Eine bestimmte Klientel hat der Verein nicht, vielmehr entstammen die Mitglieder aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Klar ist aber: Reiten ist schon lange kein Elitesport mehr, sondern hat sich als Breitensport etabliert. Dabei ist es Peggy Hörnlein besonders wichtig, dass den Kindern nicht nur die Disziplinen auf den Rücken der Pferde gelehrt werden, sondern auch Verantwortung beigebracht wird. Die Pferdesportler sollen sich schließlich auch um ihre Vierbeiner kümmern, sich gegenseitig helfen, müssen beim Reiten einmal das Handy weglegen und können die Natur wahrnehmen sowie "etwas Sinnvolles in ihrer Freizeit machen". Darüber hinaus sollen die Kinder vielschichtig ausgebildet werden, so sammeln sie zum Beispiel auch Erfahrungen im Jungzüchterbereich.

Warum für den Pferdesportverein gestimmt werden soll? "Wir wollen ganz schnell unser Projekt umsetzen, damit wir weiterhin optimal mit unseren Kindern arbeiten können, da uns die Kinder- und Jugendarbeit sehr am Herzen liegt", begründet die Vereinsvorsitzende. "Wir freuen uns über jeden Euro, denn wir wollen allen unseren Vereinsmitgliedern eine ansprechende Freizeitbeschäftigung bieten. Natürlich sind Neumitglieder jederzeit willkommen", schließt Peggy Hörnlein ab. Somit soll die Hilfe, die der Verein bekommt, nachhaltig zurückgegeben werden.

 

Bilder