Großbreitenbach - 32 Grad zeigte das Außenthermometer Donnerstag-spätnachmittag, als sich über ein Dutzend Interessierte im nur leicht kühleren Atelier des Erlebnismuseums Großbreitenbach einfanden, um Überlieferungen und Wissen der Vorfahren weiter zu verbreiten: "Vergessene Tinkturen" lautete das Motto am 5. Veranstaltungstag der Kräuterwoche, doch zumindest die 25. Thüringer Olitätenkönigin Andrea Limp bot eine Wissenspalette, die sie als lebendes Lexikon um Kräuter und Elixiere auswies. Eine zwölfseitige Ausarbeitung von Historie über Herstellung bis zur Anwendung von Tinkturen stand für Limprechts Fleißarbeit. Zuvor hatte sie auch Kräuter gezupft und den Interessierten mit weiteren Zutaten einen prall mit Verarbeitungs-Tipps, Kniffen und Fehlerwarnungen gespickten Kräuternachmittag ausgerichtet, aus dem die vorwiegend Frauen dann eigene Tinkturen davontragen konnten. Die Stimmung war von Neugier und Erwartung geprägt, Limp enttäuschte nicht, ließ sich als profunde Kennerin der Kräuterküche geduldig mit Fragen löchern und hatte für nahezu alles eine Antwort parat, räumte dabei auch mit falschen Überlieferungen auf, steckte so bemerkenswert tief in der fachlichen Materie, dass sie zugehörige Studien oder Tests obendrein als Belege ihrer Hinweise nur so aus dem Ärmel schüttelte. Dabei erfuhren die Gäste beispielsweise auch, dass die Weltgesundheitsorganisation Kohle als eine der wichtigsten Notfallmedizine betrachte, die Veraschung von Kräutern ein hervorragendes alternatives Konservierungsmittel, Erde-Essen die erste Weltmedizin überhaupt gewesen sei, Heumilch eine ganz besondere ist, Honig auch gegen Kolibakterien und Salmonellen wirken könne oder Defrutum ohne Weißzucker ein besonderes Elixier für schwangere Frauen sei, um den Eisenmangel durch Blutverlust bei der Geburt auszugleichen. Limp erinnerte auch an die ältesten Überlieferungen zu Tinkturen, selbst die Neandertaler hätten sie schon unbewusst hergestellt, berichtete sie, als diese vor 48 000 Jahren Kräuter kauten und mit ihrem Speichel vermischten. Doch Tinkturen sind auch aus der Antike dokumentiert oder von den alten Römern. Damals noch wurden sie mit Wasser, Milch, Bier oder vergorenen Säften produziert, ehe es vor 1 000 Jahren dann auch destillierte Alkohole in der Anwendung gab.