Ilmenau "Der Schutz der Studierenden steht im Vordergrund"

Reges Konferenzgeschehen wie das beim Kleinmaschinenkolloquium im vergangenen Jahr wird es diesen Monat an der TU Ilmenau nicht geben. Tagungen, Ringvorlesungen und Vorträge wurden abgesagt. Archiv Foto: Hamburg

Das neuartige Coronavirus beschäftigt die TU Ilmenau. Das neue Semester beginnt verspätet am 4. Mai. Ein Krisenstab berät, wie der Lehrbetrieb dann weitergehen soll.

Ilmenau - Der Vorlesungsbeginn an der TU Ilmenau wird zunächst auf den 4. Mai verschoben. Das wurde am Freitag bei einem Treffen der Landespräsidentenkonferenz im Thüringer Wissenschaftsministerium beschlossen. Damit reagieren die Thüringer Hochschulen auf die zunehmende Ausbreitung des Coronavirus im Freistaat. Der Prüfungsbetrieb ist bis 4. Mai abgesagt, sonstige Funktionen wie Forschungsbetrieb und Verwaltung werden unter Wahrung zusätzlicher Vorsichtmaßnahmen aufrechterhalten. Die Mensa bleibt vorerst geöffnet, die Universitätsbibliothek ist seit Montag geschlossen. Darüber entschied ein Krisenstab der TU Ilmenau am Freitag. Die Mitarbeiter der TU Ilmenau werden angewiesen, auch Dienstreisen in Gebiete, die keine Risikogebiete sind, nach Möglichkeit zu vermeiden. Zudem hat die Universität ihre Teilnahme an Messen in diesem Monat abgesagt. Auch die Studentenclubs am Campus bleiben vorerst zu.

Sämtliche Veranstaltungen wie Konzerte, Ringvorlesungen oder Vorträge werden an allen Thüringer Hochschulen abgesagt. "Es ist schade, dass wir Veranstaltungen, die zu einem regen wissenschaftlichen Austausch beitragen, absagen müssen, doch die Fürsorgepflicht und der Schutz der Studierenden, Mitarbeiter und Gäste stehen im Vordergrund", berichtet Sabine Jackisch, Leiterin des Referats Marketing der TU Ilmenau. Für die TU Ilmenau sind die Absagen auch mit finanziellen Folgen verbunden. So müssen zum Beispiel bereits gebuchte Dienstreisen storniert werden.

Ausbau von E-Learning

Spätestens am 30. März wird das Ministerium alle Thüringer Hochschulen zu einem erneuten Treffen einladen, um situationsbezogen das weitere Vorgehen zu besprechen. Darüber hinaus hat die TU Ilmenau einen eigenen Krisenstab eingerichtet. Die Universität berät, wie der Lehrbetrieb an der TU Ilmenau nach den Semesterferien weitergehen soll. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung unternimmt die TU Ilmenau derzeit verstärkte Anstrengungen, ihre E-Learning-Angebote sowohl im Hinblick auf die technische Ausrüstung als auch personelle Absicherung auszubauen, teilte die Pressestelle der TU Ilmenau mit. Die Universität hat in den letzten Jahren verschiedene Formate des E-Learnings und onlinebasierte Vorlesungen entwickelt und erprobt. So werden Vorlesungen im Bereich der Werkstoffwissenschaften zum Teil über Teleteaching angeboten, das heißt, sie können per Internet von den Studierenden online verfolgt werden. Darüber hinaus gibt es die Online-Lernplattform "Moodle", auf der bereits verschiedene Online-Kurse, beispielsweise Mechanik, für das E-Learning angeboten werden und in geringem Umfang auch schon Prüfungen abgelegt werden konnten. Weitere onlinebasierte Lehrinhalte wurden insbesondere im Rahmen des vom Bund geförderten Projektes BASICplus vordergründig für die Weiterbildung von externen Teilnehmern an den Weiterbildungsstudiengängen der TU Ilmenau entwickelt und realisiert. Die TU Ilmenau hat damit alle Grundlagen für entsprechende Formate gelegt, allerdings lag der Fokus bislang klar auf den Präsenzveranstaltungen, so dass es keinen flächendeckenden Einsatz onlinebasierter Lehrangebote gab.

Der März gilt an der TU Ilmenau als klassischer Tagungsmonat, da aufgrund der Semesterferien viele Räume zur Verfügung stehen. Die Absagen betreffen namhafte wissenschaftliche Tagungen, Konferenzen und Workshops, die jedes Jahr feste Termine für Fachexperten und Industrievertreter darstellen - darunter das Kleinmaschinenkolloquium. Seit 1994 führt das Fachgebiet Kleinmaschinen einmal jährlich im Frühjahr ein Kolloquium zu aktuellen Themen rund um die Berechnung, Fertigung und messtechnische Untersuchung von elektrischen Kleinmaschinen durch. Aufgrund der Vielzahl von Stornierungen von Teilnehmern entschied das Fachgebiet bereits frühzeitig, das Kolloquium auf nächstes Jahr zu verschieben.

Tagungen abgesagt

"Es zeichnete sich ab, dass die zur Tradition gehörende sehr gute Atmosphäre durch die vorhandene Unsicherheit nicht gegeben ist und damit die Aussicht auf einen erfolgreichen Verlauf zur Zufriedenheit aller Referenten und Teilnehmer getrübt ist. Dies entspricht nicht unserem Anspruch und unserer aller Erwartung", heißt es in einer Stellungnahme des Fachgebiets Kleinmaschinen.

Auch die Jahrestagung des Netzwerkes der Deutschen Patentinformationszentren, die in diesem Jahr vom 16. bis 18. März an der TU Ilmenau stattfinden sollte, wurde abgesagt. Genauso wird die Alumni-Fachtagung der Deutschen Ingenieurfakultät MEI, die sich in diesem Jahr mit Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz beschäftigt, nicht wie geplant vom 23. bis 27. März stattfinden. Als neuen Termin legten die Organisatoren die Woche vom 21. bis 25. September 2020 fest. Ebenfalls abgesagt wurden eine Fachtagung der Informationstechnischen Gesellschaft, der Jahresempfang der Stadt Ilmenau im Audimax sowie ein Strahlenschutzseminar des Instituts für Biomedizinische Technik und Informatik. Als Vorsichtsmaßnahme hat die Technische Universität Ilmenau ihre Veranstaltungsreihe "Seniorenakademie der TU" ab sofort bis auf weiteres ausgesetzt.

Bis Donnerstag galt die Regelung, dass Großveranstaltungen ab 1 000 Teilnehmern entsprechend einer Anweisung des Landesverwaltungsamtes nicht stattfinden. Über die Durchführung von Veranstaltungen mit über 500 und weniger als 1 000 Teilnehmern sollte das Rektorat in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt entscheiden. Eine vom Gesundheitsamt zur Verfügung gestellte Liste zählte Kriterien auf, die der Universität bei der Entscheidung helfen sollten. Dazu zählten unter anderem eine gute Belüftung im Raum oder das Abstandhalten von einem Platz zum Sitznachbar. Bei kleineren und zum Teil universitätsinternen Veranstaltungen wie Workshops ab 25 Teilnehmern wurden bisher Namenslisten mit E-Mail-Adressen geführt, die 30 Tage lang aufbewahrt und danach vernichtet werden.

Auf der Webseite der TU Ilmenau informiert die Universität über den Umgang mit dem neuartigen Coronavirus. Die Seite wird ständig aktualisiert. Im Veranstaltungskalender, der unter dem Menüpunkt "Aktuelles" zu finden ist, werden zudem alle Veranstaltungen aufgelistet, die ausfallen und verschoben werden.

 

Bilder