"Bruno soll einem Fachtierarzt vorgestellt werden, damit seine Lebensqualität erhalten bleibt oder verbessert werden kann", führt Ina Schmidt aus. So soll der Spezialist herausfinden, ob und welche Optionen es gibt, um Brunos Zustand stabil zu halten, ihm vielleicht sogar ein wenig Sehkraft zurückzugeben. Doch dieses Vorhaben ist sehr kostspielig. Immerhin müssen die Tierheimhelfer mit Bruno in eine spezielle Tierklinik nach Mühlhausen fahren. Alleine für die Erstuntersuchung werden schon gut 100 Euro fällig, je nach Diagnose kommen weitere finanzielle Belastungen hinzu. Sollte Bruno zum Beispiel an einem grauen Star leiden, kostet die Behandlung zwischen 800 und 1000 Euro. Ein Hornhautdefekt würde mindestens 500 Euro in der Behandlung kosten. Auch sogenannte "Cherry Eyes" (zu Deutsch Kirschaugen) kommen bei Hunden vor und sorgen für Seheinschränkungen. Hier würden mindestens 400 Euro für die Therapie fällig werden.
Wenngleich kranke Tiere durchaus im Tierheimalltag vorkommen, ein komplett erblindeter Hund ist auch für die Tierheimmitarbeiter eher selten. "Meistens sind es chirurgische Erkrankungen, die behandelt werden müssen. Zum Beispiel, wenn ein angefahrener Hund ins Tierheim kommt, braucht er eine orthopädische Behandlung. Manche Hündinnen haben auch eine Gebärmutterentzündung", weiß Jutta Strobel, Beisitzerin des Tierschutzvereinsvorstands. Für ein krankes Tier muss der Tierschutzverein mitunter einiges an Behandlungskosten bezahlen. So stellen gar nicht die Futterkosten, sondern die Tierarzt- und Personalkosten die finanziell größten Posten im Tierheim dar. Geldliche Belastungen, die der Tierschutzverein stemmen muss. Zwar bekommt das Tierheim kommunale Zuwendungen durch die Mitgliedergemeinden, doch das Geld ist knapp. So finanziert sich der Tierschutzverein zum einen durch die Mitgliederbeiträge, auf der anderen Seite wird für vermittelte Tiere eine Schutzgebühr fällig, die die neuen Besitzer bezahlen müssen. Aufwendige tierärztliche Behandlungen aber reisen schnell mal ein Loch im vierstelligen Bereich in die Vereinskasse. "Bei größeren Posten machen wir die Öffentlichkeit darauf aufmerksam und bitten um Spenden", so Jutta Strobel. Bis jetzt konnten alle angefallenen Rechnungen durch den Tierschutzverein beglichen werden, schließlich hat die Öffentlichkeit auf die Spendenbitten immer gut reagiert.
Eine weitere Einnahmequelle stellten für den Tierschutzverein die traditionelle Feste dar, doch 2020 mussten einige liebgewonnene Veranstaltungen corona-bedingt ausfallen. So gab es kein Osterfest im Frühling, auch das Tierheimfest wird nicht steigen können. "Das waren immer Feste mit sehr guter Resonanz, bei denen auch etwas Geld für den Verein reingekommen ist", so Strobel. Immerhin haben die Vereinsmitglieder stets Kaffee gekocht und Kuchen gebacken, um diese Köstlichkeiten dann bei den Veranstaltungen zu verkaufen. "Das sind anstrengende Tage, aber es macht viel Spaß und es ist ja für den guten Zweck", erinnert sich Strobel lachend. Auch andere mit den Veranstaltungen verbundene Angebote, wie der Flohmarkt oder das Kinderschminken, fanden immer großen Anklang und besserten die Vereinskasse auf. "Es ist traurig, dass die Feste in diesem Jahr ausfallen, doch es werden auch wieder bessere Zeiten kommen. Vielleicht können wir im Herbst eine kleinere Sache machen", hofft Ina Schmidt.
Normale Auslastung
Derzeit wohnen 28 Katzen und acht Hunde im Ilmenauer Tierheim, dies sei eine normale Belegung. "Es gab schon Zeiten, da war es schlimmer, vor Kurzem war es aber auch leerer", erklärt die Vorsitzende des Tierschutzvereins. Versorgt werden die Tiere von zwei Festangestellten und zwei Minijobbern, einer geförderten Maßnahme übers Arbeitsamt sowie engagierten ehrenamtlichen Helfern, die mit den Hunden eine Runde außerhalb des Tierheimgeländes drehen oder die Katzen streicheln - eine Maßnahme, die besonders bei scheuen Kätzchen wichtig ist. Der Tierschutzverein wurde am 24. Mai 1991 gegründet und zählt derzeit 81 Mitglieder. Diese setzen sich mit Leidenschaft, Hartnäckigkeit, aber auch Geschick und Weitsichtigkeit für das Wohlergehen der Tiere ein. Im Mittelpunkt der Vereinsarbeit stehen das Tierheim und dessen Betrieb. Hier werden nicht nur in Not geratene Tiere aufgenommen, auch dient dieser Ort als Anlaufpunkt für alle Tierfreunde sowie als Schaltzentrale für Tierschutzbelange. Der Tierschutzverein ist Mitglied im Landestierschutzverband Thüringen und im Tierschutzbund Bonn. Größere Aktionen hat der Verein für die kommende Zeit nicht geplant. "Das Tierheim ist unser Projekt", sind sich Schmidt und Strobel einig. Schließlich sei auch der tägliche Tierheimbetrieb immer eine mit Überraschungen verbundene Herausforderung.
Für Preis vorgeschlagen
Wie engagiert die Mitglieder sich für den Tierschutz einsetzen, wird am Beispiel Jutta Strobels klar. Sie ist Gründungsmitglied des dortigen Tierschutzvereins, 2012 trat sie der Ilmenauer Organisation bei. Seit Juni 2006 betreut sie eine Katzenfutterstelle in Gräfenroda, die sie trotz ihres Umzuges 2016 von Gräfenroda nach Arnstadt weiterhin betreibt - wenngleich sie dafür täglich zahlreiche Kilometer zur Futterstelle pendeln muss. Die Futterstelle liegt eben nicht nur einen Katzensprung entfernt. Für ihr Engagement wurde die Arnstädterin für den Thüringer Tierschutzpreis 2020 vorgeschlagen.
Strobel liegt es - ebenso wie dem gesamten Tierheimteam - am Herzen, dass Bruno ein neues, liebevolles Zuhause findet, in dem er den Rest seines Lebens verbringen kann. Gerne würde Bruno mit seinen neuen Zweibeinern viel Gassigehen und kuscheln. Er eignet sich zum Beispiel für ältere Menschen, die viel Zeit für ihn haben. Mit seiner umgänglichen, liebenswerten Art ist er jedoch auch für Hundeanfänger geeignet. Und wie schön wäre es doch, wenn Bruno dank medizinischer Behandlung seine neuen Zweibeiner vielleicht sogar mit eigenen Augen sehen könnte.