IHK Südthüringen Unternehmen sind voller Sorgen

Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen, fordert die Politik zum wirksamen Handeln auf, um Bürger und Unternehmen bei steigenden Energiepreisen zu entlasten. Foto: Michael Reichel

Explodierende Kosten und fehlende Mitarbeiter belasten die wirtschaftlichen Erfolgsaussichten der Firmen im Landkreis Schmalkalden-Meiningen stark. Das zeigt die Konjunkturumfrage Herbst 2022 der Industrie- und Handelskammer Südthüringen.

 
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Die Stimmung in den Unternehmen im Landkreis Schmalkalden-Meiningen rutscht in den Keller. Der Konjunkturklimaindikator, ein Mittelwert aus den Lage- und Erwartungseinschätzungen der Firmen, sinkt auf 45,9 von 200 möglichen Punkten. Das ist der dritte Rückgang in Folge und er fällt mit 37,0 Punkten im Vergleich zur Umfrage im Frühsommer sehr kräftig aus, berichtet die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen. Besonders geringe Werte nimmt der Indikator in den Städten Schmalkalden mit 28,6 Punkten und Zella-Mehlis mit 39,8 Punkten an. Dabei handelt es sich um die niedrigsten Werte in größeren Kommunen in Südthüringen. Ein etwas besserer Wert ergibt sich mit 65,6 Punkten in der Stadt Meiningen.

„Jedermann ist sich klar darüber, dass sich infolge des russischen Kriegs in Europa die langfristigen Lieferbeziehungen für Energie grundlegend verändern. Der Anpassungsschock droht jedoch, kleine und mittlere Unternehmen zu überfordern. Geschäftsmodelle stehen auf dem Spiel, wenn Kosten in einer Weise steigen, dass eine Weitergabe an die Kunden ausgeschlossen ist. Nach anfänglichem Aktionismus mit nicht durchdachten Rabattaktionen entwickelt die Politik inzwischen Wirtschaftshilfen für Betriebe und Einwohner gleichermaßen. Wir können noch einmal davonkommen, wenn die Deckel für Gas- und Strompreis in verkraftbarer Dimension schnell beschlossen und scharf geschaltet werden“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Ralf Pieterwas.

Aktuell bewerten 22 Prozent der Unternehmen im Landkreis ihre Lage gut, 46 Prozent als saisonüblich und befriedigend, aber 32 Prozent bewerten sie als schlecht. Im Vergleich zum Vorjahr meldet bereits jedes zweite Unternehmen eine verschlechterte Auftragslage. Für 58 Prozent hat sich auch die Ertragslage verschlechtert.

Mit Blick auf die Zukunft erwarten 22 Prozent der Firmen eine nahezu unveränderte Lage, mit Verschlechterungen rechnen aber 78 Prozent. So tief greifende Sorgen gab es noch nie. 93 Prozent der Betriebe bewerten die Energiepreise als Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung, 74 Prozent verweisen zudem auf das Ausbleiben von Vorprodukten aus den gestörten Lieferketten. Weitere Hauptrisiken sind die fehlenden Mitarbeiter und steigende Arbeitskosten für jeweils 65 Prozent der Befragten. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bewerten 52 Prozent als Risiko. Zugleich wird die Investitionstätigkeit stark zurückgefahren. Nur 60 Prozent der Unternehmen planen Investitionen, darunter mehr als die Hälfte mit sinkendem Umfang.

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