IHK-Konjunkturumfrage Meininger Unternehmen sind optimistischer

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Die Aussagen im Konjunkturbericht zu Jahresbeginn 2022 der IHK Südthüringen für den Landkreis Schmalkalden-Meiningen geben dazu keine eindeutige Antwort.

Die Zukunftserwartungen der IHK-Unternehmen im Landkreis sind durchaus unterschiedlich. Foto: dpa/Jan Woitas

Meiningen - Der zweite Corona-Winter und die Wachstumsschmerzen in einer noch nicht normalisierten Welt im Aufbruch belasten etliche Unternehmen im Landkreis Schmalkalden-Meiningen, soweit dies zum Zeitpunkt der Umfrage schon absehbar war. Infolge steigender Kosten, fehlender oder erkrankter Mitarbeiter und der politischen Reaktionen auf das noch nicht vollkommen beherrschbare Corona-Virus bestehen etliche Konjunkturrisiken, die die Planungssicherheit beeinträchtigen. Die Bewertung fällt nicht einheitlich aus, wie der Konjunkturbericht Jahresbeginn der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen zeigt.

Nach der Werbung weiterlesen

Derzeit beurteilen 32 Prozent der Unternehmen die Lage als gut und 42 Prozent als saisonüblich oder befriedigend. In Meiningen und Zella-Mehlis ist die Lage für mehr als 42 Prozent gut, in Schmalkalden hingegen nur für 17 Prozent. In den kommenden Monaten erwarten 13 Prozent bessere Geschäfte und 55 Prozent keine Veränderung der gegenwärtigen Lage. In Meiningen gehen 25 Prozent von einer Verbesserung aus, in Schmalkalden 12 Prozent und in Zella-Mehlis 7 Prozent.

Dementsprechend erreicht der Konjunkturklimaindikator als geometrischer Mittelwert der Lage- und Erwartungseinschätzungen 92,3 Punkte im Landkreisdurchschnitt, mit Werten zwischen 78 Punkten in Schmalkalden und 107 Punkten in Meiningen. Gegenüber der Umfrage im Herbst 2021 verliert der Indikator 8 Punkte, doch im Vergleich zum Vorjahr sind es 11 Punkte mehr. Maximal 200 Punkte wären möglich, wenn es für alle Unternehmen fantastisch laufen würde.

„Die Welt ist voller Abhängigkeiten, die wir erst bemerken, wenn die gewohnte Normalität durch gravierende Störungen aus dem Tritt gerät. Mal sind es fehlende Vorprodukte, dann werden Mitarbeiter auf Schlüsselpositionen vom Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt oder vollkommen abseitige Regelungen schaffen es in die Verordnungen der Landesregierung. Mit diesen Schlägen umzugehen, fällt unterschiedlich schwer, je nach Branche aber auch je nach persönlicher Verfassung. Die aktuellen Umfrageergebnisse reflektieren die Stimmung nach 24 Monaten der Dauerkrise und dem neuerlichen Tiefpunkt seit Herbst“, erläutert Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.

Viele Risiken

Die Entwicklung der nächsten Monate ist voller Risiken. Für 77 Prozent der Unternehmen stellt der Anstieg der Energiepreise das Hauptrisiko dar. Hierin spiegeln sich geopolitische Faktoren und die weltweite konjunkturelle Erholung. Mit 74 Prozent auf dem zweiten Platz folgen die Preise für Rohstoffe und Vorprodukte. Neben der starken Nachfrage sind hier häufig die Lieferketten gestört – und es wird vermutlich noch etliche Monate bis zur Normalisierung dauern. Auf dem dritten Platz folgt das Corona-Virus mit 71 Prozent, das gesundheitliche Gefahren und gesundheitspolitische Reaktionen vereint.

Nicht minder wichtig sind mit 69 Prozent die Fachkräfteengpässe, die die Verrentung der geburtenstarken Jahrgänge, die geringe Arbeitslosigkeit und Schwierigkeiten im Recruiting aufgreifen. Mit 64 Prozent folgen die Arbeitskosten, die den Wettbewerb um gute Mitarbeiter über Entlohnung und Sozialleistungen ebenso wie die politisch herbeigeführte Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns im Herbst reflektieren. Den Krankenstand betrachten 56 Prozent als Risiko. Gemeint sind hier nicht nur Erkrankungen, sondern auch Quarantäne und die Betreuung von Kindern in Quarantäne. Da viele dieser Risiken Resultat politischer Entscheidungen sind, nimmt es nicht wunder, dass auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen für 55 Prozent der Unternehmen ein Risiko darstellen.

Trotzdem sind die Unternehmen nach vorn gewandt. In den kommenden Monaten planen drei von vier Betrieben Investitionen, vor allem zur Modernisierung und Senkung von Kosten. 8 Prozent gehen außerdem von Zuwächsen der Mitarbeiter aus, weitere 75 Prozent erwarten einen stabilen Beschäftigungsstand.