Identität unbekannt A71-Unfallopfer von Himmelfahrt 2019 sucht Ersthelferin

Knapp kam Ronny Schinzel damals mit dem Leben davon. Erschreckend, aber angesichts dessen verschmerzbar: Ihr Auto war Totalschaden. Foto: privat

Eineinhalb Jahre war eine Frau nach einem schweren Autobahnunfall arbeitsunfähig. Dass sie überlebte, verdankt sie zwei Ersthelfern. Einem konnte sie ihren Dank bereits ausdrücken, nach einer Frau sucht sie noch immer.

Großbreitenbach - Wem in der Not geholfen wird, zumal kompetent, der darf sich glücklich schätzen. Selbstverständlich ist das längst nicht immer. Wenn es dabei aber gar um das eigene Leben geht, ist es nur zu verständlich, dass im Nachgang der Wunsch zum Kennenlernen eines solchen Helfers besteht, vor allem, um mit dem Aussprechen des Dankes einem drängenden Bedürfnis nachzukommen, das sonst wie ein weißer Fleck auf der Seele brennt. Nach einem Verkehrsunfall auf der A71 vor zwei Jahren wird in Großbreitenbach nach solch einer Autobahn-Ersthelferin gesucht.

Es ist der Albtraum wohl vieler Autobahnnutzer: Stau auf der Strecke, verkehrsbedingtes Halten und von hinten kracht ungebremst ein anderes Auto auf das eigene am Ende der Blechlawine. Genau das durchlitt die Großbreitenbacherin Ronny Schinzel an Himmelfahrt 2019. Damals vor zwei Jahren hörte sie noch über Verkehrsfunk die Meldung eines brennenden Autos mit zehn Minuten Verzögerungsvorhersage auf der Strecke. Für sie wurde es, als sie am Stauende stoppen musste, jedoch eine weit mehr Lebenszeit raubende Tragödie. Dass es ihr nicht gänzlich das Leben kostete, verdankt sie zwei Ersthelfern, die entschieden und kompetent zupackten. Einen konnte sie in zwei Jahren aufwendigen Recherchen ausfindig machen, jene Frau aber, die ihr ebenfalls zur Seite stand, ist bis heute unbekannt.

An dem freien Tag war Ronny Schinzel vom Ilm-Kreis aus Richtung Norden auf der A71 unterwegs, um dem an Krebs erkrankten Lebensgefährten beizustehen. Als sie am Stauende hielt, sah sie im Rückspiegel nur noch einen weißen Personenkraftwagen ungebremst von hinten heranbrausen. Ab da war Ronny Schinzel für Stunden aus dieser Welt. Kein Knallgeräusch, kein knirschendes Zusammenschieben des eigenen Autos und kein krachendes Aufschieben auf die vor ihr stehenden Wagen wurden mehr wahrgenommen. Sie war für Stunden im Koma.

Nur eine ganz kurze Erinnerung hat sie noch: „Eine Frau sagte mir, ‚Es wird alles wieder gut’. Da habe ich mir noch kurz gedacht, was für ein blöder Traum. Es war aber kein Traum!“, so Ronny Schinzel. Jene hilfreiche Frau war die nun gesuchte Ersthelferin.

Wie die Schwerverletzte ins Krankenhaus kam, was geschehen war und dass sie den Tag über dann von Angehörigen vermisst wurde, erfährt sie erst viel später. Erst am Abend erlangt sie in einer Klinik in Erfurt ihr Bewusstsein zurück. Dass sie überhaupt überlebt habt, verdankt sie einem Riesenglück und, wie sie sich sicher ist, zwei Ersthelfern, die kurz nach dem Unfall mit ihren Fahrzeugen zum Stehen kamen und absolut perfekt zu Werke gingen, ein fremder Mann und jene unbekannte Frau.

Beide sorgten sich fachmännisch um sie. Die Frau, deren Identität sie bis heute nicht kennt und nach der sie sucht, soll aus dem medizinischen Bereich stammen, wie ihr später ein selbst betroffener Unfallzeuge zwei Autos voraus berichtete, den sie in der Unfallakte ausfindig machte. Denn vom Unfallverursacher waren drei weitere Autos in Mitleidenschaft gezogen worden.

Die Personalien dieser Ersthelferin waren polizeilich nicht erfasst worden, weil die Frau als direkte Unfallzeugin nicht in Frage kam, „aber sie wusste genau, was sie tat und wie sie mir helfen konnte“, ist Ronny Schinzel so unsäglich dankbar. Jenen Mann, der sie damals wiederbelebte, hat sie über die nun vorliegende Unfallakte ausfindig machen können und ihm bereits gedankt. Er hatte sie beatmet.

Ohne ihre beiden Ersthelfer hätte sie wohl nicht überlebt. Ihre Hauptschlagader am Hals war gerissen, ihr Lungenvolumen lebensgefährlich gesunken, Deckenplatten im Lendenbereich gebrochen, ein Arm gesplittert und Halswirbel schwer verletzt. Der Retter, ein Feuerwehrmann gebürtig aus Köthen, wohnhaft in Würzburg, war damals mit Familie auf dem Weg in den Urlaub. Den hat er nach dem Unfall an diesem Tag nicht mehr angetreten, wie er Ronny Schinzel am Telefon berichtet hatte. Denn der Unfallfahrer hatte sein Fahrzeug kurz zuvor überholt. Nur dadurch traf es Ronny Schinzel, sonst wäre es der Familie des Feuerwehrmanns wie ihr ergangen.

Eineinhalb Jahre war die Verunglückte arbeitsunfähig, nun kann sie wenigstens wieder fünf Stunden am Tag arbeiten und ist froh, damit weniger Zeit zum Zurückdenken zu haben. Doch nicht alles kann sie verdrängen. Autofahren ist heute für sie nicht mehr wie zuvor.

Der Unfall ereignete sich am 30. Mai 2019 auf der A71 bei einer Abfahrt nach Sömmerda. Die gesuchte Helferin mittleren Lebensalters mit dunklen Haaren trug ein helles T-Shirt mit Bildaufdruck, blaue Jeans und hatte offenbar eine Brille an Kette umhängen, wie Fotos belegen, die Ronny Schinzel später von der Unfallstelle erhalten hatte.

Wer Hinweise zu der gesuchten Ersthelferin von der Autobahn 71 an Himmelfahrt 2019 geben kann, wendet sich bitte per E-Mail an die Redaktion von Freies Wort unter:

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