Hospizarbeit Endlich wieder zweite Fachfrau da, um „Herzenszeit“ zu schenken

Annett Recknagel
Die Chemie zwischen Kristin Günther und Theresa Grobe stimmte vom ersten Moment an – beide sind Koordinatorinnen im ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst in Schmalkalden Foto: /Annett Recknagel

Mit Theresa Grobe gibt es im ambulantem Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst Schmalkalden Verstärkung. Seit Dezember ist sie jetzt die zweite Koordinatorin dort.

Schmalkalden - Theresa Grobe strahlt. Ein Zeichen dafür, dass sie sich in ihrem neuen Arbeitsumfeld wohlfühlt. Seit Dezember ist die 34-Jährige neben Kristin Günther die zweite Koordinatorin des ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienstes in Schmalkalden.

Mit dem Wegzug von Heike Heckmann war die Stelle über ein halbes Jahr lang unbesetzt. Kristin Günther leitete den Dienst „Herzenszeit“, der in der Stiller Gasse 15 seinen Sitz hat, alleine. Umso erfreuter ist sie jetzt, mit Theresa Grobe eine gut ausgebildete Fachfrau an ihrer Seite zu wissen.

In den letzten fünf Wochen konnte sich die Bad Salzungerin bereits einarbeiten. Auf solch eine Stelle hatte sie schon während ihrer Tätigkeit als Sozialarbeiterin im öffentlichen Dienst hingearbeitet. Den Wunsch, in die Hospizarbeit einzusteigen, hegte sie seit Langem. „Es war der Wunsch nach einer sinngebenden Tätigkeit“, sagt sie und fügt hinzu: „Schon während meines Studiums habe ich mich mit der Thematik Alter, Sterben und Tod befasst und dazu meine Abschlussarbeit geschrieben.“

Fünf Jahre studierte Theresa Grobe an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena Erziehungswissenschaften, Psychologie und Soziologie. Danach arbeitete sie knapp zehn Jahre im öffentlichen Dienst. Ehrenamtlich führte sie ihr Weg zum Hospizdienst in Bad Salzungen. Dort absolvierte sie Grund- und Aufbaukurs zur ehrenamtlichen Hospizbegleiterin. Das dazugehörende Praktikum durchlief sie in einer Pflegeeinrichtung in Bad Liebenstein. Nach und nach wuchs der Wunsch nach einer beruflichen Neuorientierung.

Ganz bewusst wählte Theresa Grobe den Hospizdienst. Die Ausbildung fand berufsbegleitend statt. „Ich habe mich auf das Neue vorbereitet und bin über den Schritt jetzt ganz glücklich“, sagt sie.

Mit der Hospiz- und Palliativarbeit verbindet die junge Frau viele persönliche Erfahrungen. Freunde berichteten ihr von der freien Stelle in Schmalkalden. Ein Anruf genügte und Kristin Günther lud die Bad Salzungerin zum Gespräch ein. „Wir haben uns drei Stunden unterhalten und sofort gemerkt: Das passt“, erzählt sie. Die Chemie zwischen den zwei Frauen stimmt. Die Aufgaben des ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienstes sind unter anderem Sterbebegleitung, Trauergespräche führen, Ehrenamtsarbeit, Ausbildung von Ehrenamtlern, Öffentlichkeitsarbeit und Kontakt zu anderen Einrichtungen pflegen. Des Weiteren helfen die Koordinatorinnen beim Verfassen einer Patientenverfügung sowie einer Betreuungs- und Vorsorgevollmacht.

Der ambulante Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst Schmalkalden ist sehr gut vernetzt. Auch in Pandemiezeiten gibt es ausreichend zu tun. Die beiden Frauen sind regelmäßig auf der Palliativstation im Elisabeth-Krankenhaus zu Gast. Auch in Alters- und Pflegeeinrichtungen kümmern sie sich um schwerkranke und sterbende Menschen.

In der Zeit der Kontaktbeschränkungen waren die privaten Anfragen rückläufig. „Jetzt nehmen sie wieder zu“, berichtet Kristin Günther. Natürlich werden bei jedem privaten Besuch und natürlich auch bei denen im Krankenhaus und in den Pflegeheimen die geltenden Hygieneregeln eingehalten.

Für die Erstgespräche sind die Koordinatorinnen zuständig. Beim zweiten privaten Besuch kommt dann der jeweils ehrenamtliche Hospizbegleiter dazu. Kristin Günther und Theresa Grobe wollen helfen, Zeit schenken, entlasten, beraten und begleiten. „Es braucht sich keiner zu scheuen. Ein jeder, der eine Begleitung wünscht, kann uns anrufen“, sagt Kristin Günther. Theresa Grobe jedenfalls fühlt sich in ihrem neuen Job gut aufgehoben. Derzeit laufen die Jahresplanungen an. Im Oktober steht der 20. Geburtstag des ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienstes in Schmalkalden an. „Wir hoffen sehr, dass wir dann feiern dürfen“, sind sich die zwei Koordinatorinnen einig. Im Frühjahr wollen sie einen neuen Ausbildungskurs für ehrenamtliche Hospizbegleiter beginnen. Wer Interesse hat, kann sich in der Stiller Gasse 15, telefonisch unter 03683/4694457 oder per Email melden. Acht Personen sollten mindestens zusammen kommen. Der Kurs nimmt neun Monate in Anspruch. Derzeit gibt es im Raum Schmalkalden 58 ausgebildete ehrenamtliche Hospizbegleiter.

hospiz.dw.schmalkalden@ekkw.de

 

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