Hinkt Thüringen wieder einmal hinterher? Nach der Statistik des Nürnberger Instituts für Arbeits- und Berufsforschung (IAB) könnte man es meinen: Nur 24 Prozent der Betriebe im Freistaat haben im vergangenen Jahr Homeoffice angeboten. Also nicht einmal ein Viertel, während es bundesweit ein gutes Drittel (nämlich 35 Prozent) waren. Doch die nackten Zahlen werfen erst mal ein paar Fragen auf. Vor allem eine: Woran liegt das? An der Unwilligkeit oder Trägheit der Thüringer Unternehmen? Oder doch eher an der Struktur der Wirtschaft? Einiges deutet auf Letzteres hin. Denn offensichtlich tun sich kleinere Betriebe schwerer, Homeoffice anzubieten. Das lässt sich bereits aus den Zahlen des IAB herauslesen. Betriebe mit mehr als 100 Beschäftigten bieten mehr als dreimal so häufig Homeoffice an als Betriebe mit weniger als 10 Beschäftigten. Und Thüringen hat nun mal eine kleinteilige, von Handwerk und Mittelstand geprägte Wirtschaft – was übrigens in anderen Bereichen auch eine Stärke sein kann. Wir wollen hier nicht jammern! Es könnte den Rückstand erklären. Zusammen mit der Feststellung des IAB, dass Homeoffice in der öffentlichen Verwaltung besonders weit verbreitet ist. Gut möglich, dass sich das in der Wirtschaft auch widerspiegelt. In den Konzernzentralen im Westen mit viel Verwaltung und Forschung lässt sich Homeoffice auch leichter organisieren als in den verlängerten Werkbänken im Osten. Spannend wären deshalb Statistiken, die diese Faktoren berücksichtigen oder herausrechnen. Erst dann ließe sich eine seriöse Antwort auf die Frage geben, ob Thüringen tatsächlich wieder mal hinterherhinkt.