Holocaust-Gedenken Erinnerung an ermordete Juden

Wolfgang Benz forschte lange zum Thema Theresienstadt. Foto: Berit Richter

15 Juden aus Arnstadt wurden einst nach Theresienstadt deportiert. An sie soll künftig eine Gedenktafel erinnern. Die Spendenaktion ist jetzt gestartet.

Arnstadt - „Ich bin sicher, wir werden das hinbekommen“, ist Jörg Kaps überzeugt. Der Beauftragte der Stadt fürs jüdische Erbe, der unter anderem die Verlegung von über 160 Stolpersteinen initiiert hat, hat nun ein weiteres Gedenkprojekt angeschoben. Im tschechischen Theresienstadt soll künftig eine Gedenktafel an die 15 Arnstädter Jüdinnen und Juden erinnern, die 1942 dorthin deportiert wurden. Die wenigsten überlebten dies.

Den Auftakt zur Spendensammlung bildete kürzlich eine Lesung in der Musikschule mit dem Historiker Wolfgang Benz, die in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung stattfand. 1990 reiste er erstmals zu einer Konferenz nach Theresienstadt, traf dort Zeitzeugen und ehemalige Ghetto-Insassen, knüpfte Freundschaften, die bis heute nachwirken.

„Das Thema Theresienstadt hat mich lange nicht losgelassen“, verriet Benz. Entstanden sind daraus zwei Bücher, welche die Situation im Getto und die Schicksale der Insassen beschreiben. Bis heute werde Theresienstadt widersprüchlich wahrgenommen, umranken das Lager die verschiedensten Mythen, erklärte Benz, dessen eines Buch dann auch den Titel „Theresienstadt. Eine Geschichte von Täuschung und Vernichtung“ trägt. Hartnäckig hält sich die Legende, dass Theresienstadt ein Ort war, an dem privilegierte Juden halbwegs unbeschadet dem Holocaust entkamen und ihren Talenten frönten, dass es ein Altersruhesitz mit Musik, Literatur und Theater gewesen wäre.

Mit wissenschaftlicher Akribie zeigte Wolfgang Benz auf, wie zynisch die Nazis die Bevölkerung über den wahren Zweck des Lagers täuschten und selbst einer Kontrollgruppe des Roten Kreuzes eine heile Welt vorgaukelten.

Auch wenn in der Garnisonsstadt Werke von Weltruf wie die Kinderoper „Brundibar“ entstanden, Kinder idyllisch wirkende Bilder zeichneten, dürfe dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Menschen im Getto auf engstem Raum hausten, hungerten und starben, betonte Benz. Und dass viele von ihnen in Konzentrationslager deportiert und dort ermordet wurden, um Platz für Neuankömmlinge zu schaffen. Denn eigentlich hätte Theresienstadt nur Raum für 5000 Menschen bieten können, eingepfercht waren dort 40 000.

Dazu zählte auch Norbert Stern, ein blinder Münchener Schriftsteller, von dessen Schicksal Wolfgang Benz explizit berichtete. Er war stets auf die Hilfe anderer Insassen angewiesen und doch gelang es ihm nicht nur zu überleben, sondern auch über die grausame Zeit Tagebuch zu führen – auf über 1000 Seiten. Leider vergaß seine Tochter das Manuskript in einem Gasthaus in Bozen, wo es auf Nimmerwiedersehen verschwand.

Auch Jörg Kaps ist es wichtig, die Erinnerung lebendig zu halten. Bei mehreren Besuchen in der Gedenkstätte Theresienstadt erforschte er das Schicksal der deportierten Arnstädter. Minna und Max Ledermann zum Beispiel starben dort. Recha Stern hingegen nahm das Angebot an, einen Zug zu besteigen. Im Gegensatz zu vielen anderen führte dieser tatsächlich in die Schweizer Freiheit und nicht ins Konzentrationslager.

An all diese Schicksale soll künftig die Gedenktafel im Kolumbarium von Theresienstadt erinnern. Schon einige Städte haben diese Möglichkeit genutzt. Für die Gestaltung konnte Jörg Kaps Goldschmied Stefan Todorov gewinnen. Finanziert werden soll sie über Spenden.

„Meine Vorstellung ist es, dass wir zur Anbringung mit einer Bürgerdelegation nach Theresienstadt fahren, die so bunt ist wie Arnstadt selbst“, sagte Jörg Kaps. Er könne sich auch gut vorstellen, dass Musikschüler aus Arnstadt und der tschechischen Partnerstadt Dubi für die musikalische Umrahmung sorgen.

Zur Finanzierung der Gedenktafel hat die Stadt bei der Sparkasse Arnstadt-Ilmenau ein Spendenkonto eingerichtet unter IBAN: DE59 8405 1010 1830 0002 64 Verwendungszweck: „Gedenktafel Theresienstadt“.

 

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