Hochwasserkatastrophe „Es ist noch nicht vorbei“

Einsatzkräfte aus dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen helfen im Katastrophengebiet Rheinland-Pfalz ein wenig, das Leid der vom Hochwasser betroffenen Menschen zu lindern. Vor Ort sind auch sechs Männer der Stützpunktfeuerwehr Schmalkalden.

Schmalkalden - Einsatzkräfte aus dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen sind seit Freitag mit weiteren Katastrophenschutzkräften aus Thüringen in Rheinland-Pfalz. Das Bundesland im Südwesten der Republik hatte am Donnerstag ein nationales Hilfeersuchen nach Zapfstellen zur Abgabe von Trinkwasser gestellt.

Dieses ging an alle Bundesländer und wurde in Thüringen vom Landesverwaltungsamt an die Landkreise und kreisfreien Städte weitergeleitet. Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen hat daraufhin sofort seine Hilfe angeboten und am Freitag den Einsatzbefehl erhalten. Insgesamt sind zwei Einsatzfahrzeuge – ein Gerätewagen zur Dekontamination, zur Trinkwasserversorgung sowie ein Mannschaftstransportwagen (MTW) im Einsatz. Da besagter Gerätewagen des Landkreises in Wernshausen steht, sind fünf Feuerwehrmänner aus Wernshausen und einer aus Schmalkalden in das vom Hochwasser betroffenen Gebiet gefahren.

Sonntagmorgen, 9 Uhr. Mario Lange leitet den Thüringer Trupp. Bevor es wieder rausgeht ins Gebiet, nimmt sich der Wernshäuser einige Minuten Zeit, um der Redakteurin am Telefon die Situation vor Ort zu schildern. Die erste Nacht, berichtet Lange, habe man gemeinsam mit 500 anderen Kameraden in einer Turnhalle in Dörth verbracht.

Am nächsten Tag seien die Einsatzkräfte aus dem Freistaat Thüringen geteilt worden. Sechs der elf Dekontimations-Teams erhielten ihren Marschbefehl. Die Einheit aus Wernshausen wartete im Beistellungsraum „Nürburgring“ auf ihren Auftrag. Am Samstagnachmittag rückten dann auch die anderen Teams aus. Langes Mannschaft wurde direkt in die Ortschaft Altenahr beordert. In diesem Einsatzabschnitt befinden sich zwölf Ortschaften, berichtet der Feuerwehrmann, eine Gemeinde sei quasi nicht mehr vorhanden, die elf anderen teilweise stark zerstört worden. Aktuell gebe es nur vereinzelt Strom, aber kein Wasser oder Gas. Die Kräfte aus Wernshausen bauten am Samstag einen Teil der „Dekon-Strecke“ auf. In Verbindung mit einer zweiten Einheit konnten zwei Duschzelte für Einwohner und Einsatzkräfte installiert werden.

„Danach unterstützten wir die örtlichen Einsatzkräfte“, erzählt Mario Lange. Die Zustände vor Ort sind katastrophal und unvorstellbar, sagt er. Dazu komme der schlimme Geruch nach Öl und Schlamm. Besonders betroffen machen die persönlichen Schicksale der Menschen. Zum Heulen. Dafür aber habe man keine Zeit, sagt der Wernshäuser. „Diese Dinge darf man nicht an sich ranlassen“.

Angesprochen auf weitere Hilfsmöglichkeiten rät Mario Lange von Fahrten in das Katastrophengebiet ab. Es sei noch nicht vorbei und nach wie vor sehr gefährlich. Unterspülte Straßen drohen abzubrechen oder abzurutschen. Zudem komme man in die Ortschaften gar nicht rein. Freilich wollen viele Menschen etwas tun, versteht der Feuerwehrmann den Wunsch, irgendwie zu unterstützen. Aus seiner Sicht wäre es das Beste, regionale Sammelstellen einzurichten, die Gegenstände zu sortieren und erst nach Anforderung auf den Weg zu schicken.

Eine solche Sammelstelle für die Flutopfer gibt es ab Montag in Trusetal, am Pappenheimer Platz 1. Zunächst ist von Montag bis Donnerstag, 18 bis 20 Uhr, geöffnet. Marco Luck stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung. Die privaten Initiatoren um Claudia Werner-Thiel bitten darum, die Spenden möglichst vorzusortieren. Alles wird benötigt, Bekleidung, Wäsche, Spielzeug.

Bis wann die Truppe von Mario Lange in Altenahr bleibt, ist noch unklar. Drei Tage waren anfangs geplant, aber der Hilfseinsatz wird wohl verlängert werden, vermutet der Feuerwehrmann aus Wernshausen. Ihre Feldbetten haben die sechs Männer in einer Garage aufgeschlagen, die anderen Einsatzkräfte schlafen in einem großen Zelt, erzählen die Männer.

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