Hochwasser-Katastrophe Helfer aus dem Wartburgkreis versorgen Flutopfer und Einsatzkräfte

Sarah Henning und Heiko Roggenbuck aus Etterwinden sind zwei von 19 Katastrophenhelfern aus dem Wartburgkreis, die in dieser Woche in Rheinland-Pfalz die Flutopfer unterstützt haben. Sie berichten von traumatisierten Menschen und zerstörten Ortschaften.

Remagen/Etterwinden - Heiko Roggenbuck hat bereits 2002 beim Muldehochwasser Flutopfer unterstützt. Doch das sei kein Vergleich mit der Zerstörung, die er in den vergangenen Tagen in Rheinland-Pfalz erlebt habe, berichtet er. Gemeinsam mit André Uehling, Fabian Loth, Sarah Henning, Matthias Braun und Nico Schütz ist er für die Versorgung im Betreuungszug des Wartburgkreises zuständig. Der Gerätewagen inklusive einer anhängenden Feldküche ist im Feuerwehrgerätehaus in Gumpelstadt stationiert, der dazugehöre Mannschaftstransportwagen in Etterwinden, dessen Freiwillige Feuerwehr zudem das Personal stellt.

Am vergangenen Dienstag hatte der Landkreis seinen Betreuungszug nach Rheinland-Pfalz entsendet, um im Hochwasser-Katastrophengebiet zu helfen. Insgesamt 19 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren, des Deutschen Roten Kreuzes und vom Katastrophenschutz des Wartburgkreises waren an Bord.

Erstes Ziel war der Nürburgring, wo sich derzeit Helfer aus ganz Deutschland sammeln und dann dorthin verteilt werden, wo man sie am nötigsten braucht. „Nach einer Nacht dort sind wir nach Remagen gefahren“, erzählt Heiko Roggenbuck. Die Stadt, in der die Ahr in den Rhein mündet, sei nicht direkt vom Hochwasser betroffen. Aber hier werden zahlreiche Menschen unterstützt, die ihr Zuhause verloren haben.

Im Keller eingeschlossen

„Wir waren dann für die Versorgung von bis zu hundert Menschen zuständig, die in einer Schule untergekommen sind“, erzählt Sarah Henning. Nicht nur für die Flutopfer, sondern auch für Einsatzkräfte bereiteten sie bis zu drei Mahlzeiten täglich zu. Und hörten immer wieder furchtbare Geschichten. Wie die von dem 83-jährigen Mann, der im Keller seines Hauses gefangen war und ihm das Wasser bis zur Brust stand. „Sein eigenes Haus hat sich gedreht und er hat gesehen, wie das Nachbarhaus weggeschwommen ist“, erzählt Heiko Roggenbuck. Oder die über 90-jährige Seniorin, die gesagt habe, dass selbst im Zweiten Weltkrieg die Zerstörung nicht so groß war wie jetzt, erzählt Sarah Henning. Viele Menschen seien hochtraumatisiert.

Vielerorts sei die komplette Infrastruktur dem Erdboden gleich­gemacht. „Auf unserer Fahrt hierher haben wir nur einen Bruchteil gesehen, aber das hat genügt“, sagt Heiko Roggenbuck. Überall Schlamm und Dreck, Wohnwagen und Autos, die wie Spielzeug umgedreht auf Wiesen und Feldern liegen. „Für Orte, die keine zehn Kilometer entfernt liegen, müssen die Helfer einen Umweg von 90 Kilometern fahren.“

Bad Salzungens Vizebürgermeister Hannes Knott (CDU), der aktuell im Urlaub ist, dankte den Helfern via Whatsapp. „Super, dass wir Solidarität zeigen“, erklärte er auf Nachfrage. Er sei froh, dass auch ehrenamtliche Einsatzkräfte aus der Stadt „an diesen Tagen mithelfen und eng an der Seite der Betroffenen stehen“.

„Es ist gut, dass wir Hilfe vor Ort leisten können und so ein wenig von der schrecklichen Ohnmacht verlieren, die mich jedes Mal erfasst, wenn ich die Bilder aus den zerstörten Dörfern und Städten sehe“, hatte auch Landrat Reinhard Krebs (CDU) bei der Verabschiedung der Katastrophenhelfer erklärt.

Am Freitag traten die Helfer die Heimreise in den Wartburgkreis an. Sie wurden vom Katastrophenschutzzug aus Weimar abgelöst.

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