Hobbybastler baute 40 Jahre Pyramide mit Gotik-Flair

Jürgen Glocke
Letzte prüfende Blicke des Baumeisters auf seine Weihnachtspyramide, dann ging’s auf die Reise nach Meiningen ins Schloss Elisabethenburg, wo das besondere Stück bis zum dritten Advent ausgestellt wird. Foto: /Jürgen Glocke

Nicht nur beim Musizieren beweist Yorck Prüfer Virtuosität. Auch handwerklich hat der Rohrer goldene Hände. Mehr als vier Jahrzehnte hat er an einer Weihnachtspyramide getüftelt und gebaut. Das Ergebnis: einzigartig.

 
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Dass Yorck Prüfer, der vielen Musik- und Theaterfreunden noch bekannt sein dürfte durch seine mehr als 40-jährige Tätigkeit als Kontrabassist an der Meininger Hofkapelle, auch ein begnadeter Tüftler und Bastler ist, weiß man spätestens, seitdem er 2022 die Zimbeln am Orgelprospekt in der Michaeliskirche zu Rohr wieder zum Klingen gebracht hat. Noch weit länger als für die Zimbel-Wiederbelebung brauchte Yorck Prüfer für die Beendigung seines „Lebenswerkes“ – den Bau einer mannshohen Weihnachtspyramide. Mehr als 40 Jahre hat er daran gearbeitet, in Orchester-freier Zeit und immer dann, wenn er die Muße dazu hatte.

Zu bewundern in Meiningen

Das 2022 fertiggestellte Wunderwerk kann jetzt jeder, den es interessiert, in Schloss Elisabethenburg in Meiningen bewundern. Als Schau- und Inspirationsobjekt im Rahmen des Meininger Kunsthandwerkermarktes an diesem Wochenende, 9. und 10. November. Und darüber hinaus bis zum 3. Advent. Der Transport der sensiblen Ladung zum Schloss ist bereits vor einigen Tagen erfolgt. Auch hat die rund 1,80 Meter hohe Weihnachtspyramide ihren Platz in einer großen Glasvitrine bereits eingenommen und kann während der Öffnungszeiten besichtigt werden. Drehen wird sich das Wunderwerk allerdings nicht. Denn: „Kerzen sind im Schloss verboten“, klärt Yorck Prüfer auf, und mit solchen läuft das Prachtstück normalerweise.

Meiningen und Straßburg, Prag und mehr

Das Betrachten der Pyramide kommt einer Expedition zu berühmten gotischen Bauwerken gleich. Sind doch die Ornamente der Etagen der Pyramide bei Kenntnis und genauem Hinschauen solchen Bauwerken aus Deutschland und Frankreich zuzuordnen. So hat Prüfer Gestaltungselemente vom Meißner Dom, vom Straßburger Münster, vom Prager Veitsdom, vom Erfurter und vom Kölner Dom, von der Grabkapelle der Meininger Herzöge im Englischen Garten, von der Meininger Stadtkirche und vom Freiburger Münster aufgegriffen.

Im Sockel der Weihnachtspyramide verbirgt sich ein vierstimmiges Glockengeläut, welches bestens geeignet ist, feierlich die Advents- und Weihnachtszeit gleich einem Kirchengeläut einzuläuten. Trotz einer großen Massenträgheit ihrer beweglichen Teile hat die Pyramide, welcher der Name Gloria in excelsis Deo (Ehre sei Gott in der Höhe) gegeben wurde, keinen Elektroantrieb. Nur die Wärme der Kerzen bewegt das Flügelrad, das eine Spannweite 95 Zentimetern hat.

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