Botschaften aus dem Iran werden verschlüsselt
In Deutschland sind sich die Mitglieder von ParsiMed der Gefahr bewusst. Ihre Hilfe erfolgt über verborgene Umwege. Über das Satelliten-Netzwerk werden Adressen von Ärzten weitergegeben, an die sich Verletzte wenden können, ohne Angst vor Verrat zu haben. Auf diese Weise erreicht die Organisation immer wieder Hilferufe von Familien, die sich nicht mehr in Krankenhäuser trauen oder denen auch das Geld fehlt, sich ärztlich behandeln zu lassen.
Bei entzündeten Verletzungen wird versucht, über das Netzwerk Antibiotika oder andere Medikamente aufzutreiben. Doch das wird immer schwieriger. Die Vergabe von Medikamenten oder medizinischen Geräten ist unter der Kontrolle der Revolutionsgarden. „Vielfach wird versucht, auf dem Schwarzmarkt zu handeln, was die Preise hochtreibt“, sagt Fathi. Ein Großteil der Menschen kann sich die Kosten dann nicht leisten. Das pharmazeutische Team von ParsiMed prüft daher fortlaufend, wie Medikamente beschafft werden können, etwa über Reisende, die sie in den Iran mitnehmen.
In den Kliniken fehlen Blutkonserven
Ein weiteres Problem sind Blutkonserven: „Wir haben vor allem kurz nach der Niederschlagung der Proteste Meldungen aus Krankenhäusern bekommen, dass ihnen die Patienten unter den Händen verbluten, weil es an Blutspenden fehlt“, sagt Fathi. Nun nutzt ParsiMed seine Kontakte, um Blutspende-Aufrufe zu verbreiten.
Im Iran hat der Alltag nur scheinbar wieder die Oberhand. „Das ist Fassade“, ist sich Parisa Fathi sicher. „Was in den letzten Wochen passiert ist, werden die Menschen nicht vergessen.“ Die jüngsten Berichte aus dem Heimatland bestätigen ihre Befürchtungen: Bei Gedenkfeiern am Dienstag im Nordosten des Landes skandierten Menschen regierungskritische Parolen: „Ein Mensch wurde getötet, Tausende stehen hinter ihm.“ Im Westen hielten Trauernde Blumen und Fotos hoch und riefen „Tod für Chamenei“ und „Lang lebe der Schah“. Ein weiteres Video aus derselben Stadt zeigt, wie Menschen panisch davonlaufen, während Schüsse zu hören sind.
Es brauche mehr politischen Druck aus Europa, um das angeschlagene Regime zu Fall zu bringen, fordert ParsiMed. Zudem eine größere Aufmerksamkeit seitens der deutschen Gesellschaft: „Die Menschen im Iran kämpfen gerade für die Rechte, die wir hier tagtäglich selbstverständlich nutzen“, sagt Fathi. Dafür brauche es mehr Aufmerksamkeit, auch in den Medien. Parisa Fathi und ihre Mitstreiter würden gerne mehr helfen – allerdings gerne auf direktem Wege, ohne Nachrichten über verschlüsselte Verbindungen zu schicken.