Hildburghausener Chor Aus dem Wohnzimmer auf die Bühnen der Welt

Wolfgang Swietek

„Cocktail a cappella“ feierte sein 20-jähriges Jubiläum mit einem Konzert, das aus geplanten zwei Stunden fast vier machte – ein Zeichen dafür, wie viel Freude und Begeisterung in der Luft lagen.

Chorleiterin Yvonne Unger bekam viel Lob – auch aus den eigenen Reihen. Foto: Wolfgang Swietek

Zwei Stunden hatten sie für ihr Jubiläumskonzert eingeplant, die Sängerinnen und Sänger von „Cocktail a cappella“ – fast vier Stunden sind es am Ende geworden. Das kann bei einer „Geburtstagsparty“ schon einmal vorkommen, wenn sich alle wohlfühlen und niemand ans Nachhausegehen denkt. Denn: Es wurde ja nicht nur gesungen in der Dreifaltigkeitskirche in Eisfeld, es gab auch zu essen und zu trinken in der Pause und danach.

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Was Chorleiterin Yvonne Unger zudem im Voraus nicht einplanen konnte, waren die zahlreichen Gratulanten, die nicht einfach nur ein paar Blumen überreichten, sondern bei der Würdigung von Chor und Chorleiterin wahre Lobeshymnen anstimmten.

Proben im Alten Amtsgericht

Landrat Sven Gregor kennt den Chor schon lange. In seiner Zeit als Bürgermeister von Eisfeld hatte er den Sängern einen Raum für ihre Proben im Alten Amtsgericht zur Verfügung gestellt. Zuvor war das Wohnzimmer von Yvonne Unger der Probenraum. Das war anfangs in kleiner Besetzung noch möglich, würde mit den inzwischen 26 Mitgliedern jedoch buchstäblich den Rahmen sprengen.

Extra aus Graz angereist, um dieses Konzert mitzuerleben, war ein langjähriger Freund des Chors, Roland Geister. Er hatte ein Konzert von „Cocktail a cappella“ in seiner Stadt gesehen und ist seitdem Fan.

Großes Lob für Yvonne Unger

Aus den Reihen der Sänger hatte Ulrich Schramm die Laudatio für die Chorleiterin übernommen: „Liebe Yvonne, wenn man über Dein Wirken berichten soll, kann man nur lobende Worte finden. Es ist eine einmalige Erfolgsgeschichte, die jetzt schon zwanzig Jahre andauert. Ich kann nur sagen: Du bist ein Glücksfall für diesen Chor. Auf Dich trifft zu, was der Heilige Augustus einmal gesagt hat: In Dir muss brennen, was Du in einem Anderen entzünden willst!“

Und er fügte hinzu: „Seit Jahren bin ich persönlich einer Deiner vielen Fans. Und wenn ich mich hier umschaue, sehe ich viele weitere Fans. Für mich war in den letzten Jahren jede Probe ein Ereignis, ein Erlebnis, eine wahre Freude und Wohltat. Liebe Yvonne, Du bist uns allen ein guter Freund geworden.“

Gesungen wurde bei der Jubiläumsfeier natürlich auch. Und das mit einer erstaunlichen Vielfalt, die von der Klassik bis zur Moderne reichte, von Volksliedern bis zu Rock und Pop. Zu hören waren etwa Werke von Martin Luther und Orlando di Lasso, über Felix Mendelssohn Bartholdy und Johannes Brahms, Knut Nystedt und Peter Kreuder bis Albert Hammond. Weit hatten sie den musikalischen Bogen gespannt, sehr zur Freude der rund 300 Besucher. Diese belohnten die Mühen der Sänger und Organisatoren mit stürmischem Beifall.

Singen als ganz große Leidenschaft

Ob Yvonne Unger auch mal einen einzigen Abend in der Woche zu Hause verbringt? Schließlich leitet sie noch den gemischten Chor und den Männerchor in Schönbrunn, den Gemischten Chor in Großwallbur, den Chor der Musikschule in Hildburghausen sowie den Projektchor „Männerstimmen“. Nicht zu vergessen den Projektchor des Sängerkreises Hildburghausen, mit dem sie ja bereits sieben Mal an den World Choir Games, der Welt-Chor-Olympiade, teilgenommen hat – von den USA und Südafrika bis zu diesem Jahr in Neuseeland. Von wo der Projektchor erneut mit einem Silberdiplom heimgekehrt ist.

Das sagen die Mitglieder

Gary O’ Connell: Er selbst leitet im Raum Coburg mehrere Chöre, spielt inzwischen auch in einem Posaunenchor die Trompete. Doch sein Hauptinstrument ist die Orgel – seit er die Liebe am eigenen Singen für sich entdeckt hat. „Für mich ist ‚Cocktail a cappella’ weit und breit der beste Chor, den ich kenne. Es macht einfach Spaß, hier mitzusingen – auch wenn Yvonne Unger eine sehr strenge Leiterin ist. Hier wirken lauter Sängerinnen und Sänger mit, die an sich selbst hohe Ansprüche stellen.“ Brigid Jacobi: Sie ist erst seit drei Jahren als Sängerin bei „Cocktail a cappella“ dabei. Sie spielte schon in unterschiedlichen Formationen Cello, bevor sie die die Liebe zum Singen für sich entdeckt hat. „Diesen Chor hatte ich ja schon oft bei seinen Konzerten gehört, war davon immer wieder neu begeistert. Hier kommt es auf jeden einzelnen an, keiner schwimmt einfach in der Masse mit. Eben wie in einem Orchester, wo jedes Instrument seine eigene Aufgabe hat.“ Heike Sittig: Sie ist vom ersten Tag mit dabei, gehört also zu den Gründungsmitgliedern. Zum Chor gekommen ist sie eigentlich dank Tochter Karolin. Für sie wurde eine Gesangslehrerin gesucht – und mit Yvonne Unger gefunden. „Dann haben wir noch ein paar Gleichgesinnte gefunden und gemeinsam gesungen – ganz privat im Wohnzimmer. Damals hat noch niemand daran gedacht, dass daraus mal ein richtiger Chor wird, den es nun schon seit 20 Jahren gibt.“ Oliver Koch: Musik ist sein Leben. Oliver Koch ist der Sohn des langjährigen Kirchenmusikdirektors Volker Koch. In Erlau und Heubach leitet er einen Chor, singt im Kammerchor in Sonneberg und in der Singakademie Suhl mit – bei „Cocktail a cappella“ ist er inzwischen seit sechs Jahren. „Wir haben ein vielseitiges, breites und anspruchsvolles Repertoire, an das sich kaum ein anderer Chor herantraut. Eben Chorgesang auf höchstem Niveau.“