Hibu leuchtet: Geschichte fliegt ums Rathaus

So präsentiert sich Hildburghausens historisches Rathaus auf Maik Hübeners Rechner. Drei Seiten der Fassade werden in die Installation integriert. Foto: Maik Hübener Foto:  

Erst erobert er die Welt, jetzt Hildburghausen. Lichtkünstler Maik Hübener lässt das historische Rathaus zu einem bewegten Kunstwerk werden.

Seit dem ersten „Hibu leuchtet“ 2020 gibt es vom historischen Rathaus in Hildburghausen Fotos verschiedenster Illuminationen. In Blau, Pink, Gelb. Was es allerdings nach heute und morgen Nacht für neue Aufnahmen des Herzstücks der kleinen Kreisstadt geben wird, ist noch nicht auszudenken. Einer weiß es allerdings schon: Lichtkünstler Maik Hübener. Er sitzt seit Tagen vor seinem Rechner und zerlegt das Rathaus in Einzelteile, fügt diese neu zusammen, überlegt sich Effekte, liest sich in die Stadtgeschichte ein. Kurz: Er lebt gedanklich auf dem Marktplatz in Hildburghausen.

Und seit Donnerstagabend – ist er nicht nur psychisch anwesend, sondern auch physisch. Er hat am heutigen Freitagmorgen eine lichtvolle Nachtschicht hinter sich, die zum Auftakt von „Hibu leuchtet“ – also heute Abend – ihre Früchte trägt und wahrscheinlich viele Menschen gebannt gen Himmel blicken lassen wird. Denn dort – direkt unterm abendlichen Himmel – wird das historische Rathaus neu erstrahlen. Drei Seiten werden in die Lichtinstallation einbezogen. Niemand hat die Immobilie wohl je so gesehen, wie sie heute zu sehen sein wird.

„Was genau mit den drei Fassaden in Hildburghausen passiert, ist eine Überraschung“, sagt der Lichtkünstler aus Sonneberg, der sich seit den 90-er Jahren intensiv mit dem Metier Lichtinstallation befasst, als VJ – Video Jockey – überall auf der Welt Erfahrungen gesammelt und kunstvoll illuminierte Träume auf Leinwände und Fassaden oder eben in den Himmel projiziert hat.

In Hildburghausen war er in diesem Jahr bereits ein Mal künstlerisch tätig. Er hat zum Heidewitzka-Festival auf der Langen Heide im Sommer einen Bereich beleuchtet: Den Forest. Dort installierte er bewegte Bilder, weckte die Illusion, der Bereich um die Bühne bewegten sich. „Das war ein neuer Ansatz. Veranstalter Danny Brohm hat es gut gefallen und so kooperieren wir ein zweites Mal“, erzählt Maik Hübener.

Dass er ein historisches Bauwerk in Szene setzen kann, gefällt dem Lichtkünstler sehr gut. Geboren in Weimar, hat er in seiner Heimatstadt schon alte Gassen in neuen Kontext getaucht und den einstigen Laufwegen von Goethe und Schiller lichtvolles Leben eingehaucht.

Von Hildburghausen ist Maik Hübener beeindruckt. „Als ich kürzlich hier war, um mir die Szenerie live anzuschauen, war ich positiv überrascht, wie belebt die kleine Stadt doch ist und wie viele Menschen hier unterwegs sind“, sagt er. Und gleich ein weiteres Mal war er beeindruckt, als er bemerkt hat, welch reiche Historie inklusive bekannter Persönlichkeiten diese Stadt birgt. So hatte er zum Beispiel den durch seine Lexika weltweit berühmten Joseph Meyer im Hinterkopf, als er die Rathausinstallation plante.

So wie ihn Hildburghausen gerade herausfordert, haben es weltweit schon viele Städte getan. Er installierte Lichtkunst in Kiew, Moskau und Japan, ist regelmäßig zu Contests in Italien präsent. „Die Lichtkunst-Szene ist in den vergangenen Jahren gewachsen und entwickelt sich analog zur verfügbaren Technik permanent weiter. Es werden immer wieder Wettbewerbe ausgerufen, für die man dann an bestimmten Themen arbeitet. In Kiew damals habe ich das Thema Steampunk gewählt und mich damit qualifiziert“, erinnert er sich gerne an bedeutende Lichtpunkte seiner VJ-Vita. Als er mit der Lichtkunst angefangen hat – zu Musikpartys in den 90ern – hätte er sich nicht träumen lassen, dass das Licht eines Tages losgelöst zu einer eigenen Kunstform wird, sich zunehmend Lichterfeste etablieren.

Beleuchtet er an diesem Wochenende Hildburghausen, wird Musik seine Kunst untermauern, sich gemeinsam mit den Lichteffekten zu einem Kunstwerk zusammenfügen, das sichtbar und fühlbar beziehungsweise hörbar sein wird.

Während Hildburghausen sein historischen Rathaus neu kennenlernen wird, wird es rundherum vertraute Komponenten geben, die an „Hibu leuchtet“ aus dem vergangenen Jahr erinnern. Lichterketten, die an früher erinnern, sind in der kompletten Innenstadt verteilt, dazu wird es zauberhaft beleuchtete Schaufenster, Bühnen, Bars und Restaurants geben – ganz Hibu wird zum dritten Mal leuchten und feiern, singen und tanzen, shoppen und sich treffen. Das Event, das 2020 aus einer kulturellen Notlage heraus entstanden ist, hat sich durch seinen Erfolg zum herbstlichen Ankerpunkt der städtischen Kulturlandschaft entwickelt. Die Agentur Moon-Circus und der Hildburghäuser Werbering bespielen es gemeinsam.

Autor

 

Bilder